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Erziehung & Rechte
Die Kindererziehung im 19. Jahrhundert hatte sowohl in den wohlhabenden Gegenden Amerikas als auch in den Siedlungsgebieten des Westens eines gemeinsam: Eltern erwarteten von ihren Kindern, dass sie sich früh wie kleine Erwachsene verhielten, ihre Eltern respektierten und deren Wort als Gesetz betrachteten. Gehorsam gegenüber den Eltern war eine Selbstverständlichkeit.In den Städten wurde von Kindern häufig schon in sehr jungen Jahren erwartet, dass sie zwischen richtig und falsch unterscheiden konnten. Schlechtes Benehmen wurde nicht geduldet, und man brachte ihnen bei, sich höflich, ruhig und wohlerzogen zu verhalten. Ein Kind hatte man zu sehen, aber nicht zu hören. In ländlichen Gegenden und gerade im Westen stand dagegen häufig die Mitarbeit der Kinder im Vordergrund. Es gab schließlich unendlich viel zu tun: Land musste bestellt, Häuser gebaut, die Ernte eingebracht und die Tiere versorgt werden. Das alles war nur zu schaffen, wenn wirklich jeder mit anpackte, ob jung oder alt. Auch in den neu besiedelten Gebieten Amerikas erwarteten Eltern von ihren Kindern, dass sie sich früh verantwortungsbewusst verhielten. Sie sollten erheblich zum Erfolg und zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. „Jung sein“ galt dabei nicht unbedingt als Entschuldigung für Faulheit. Vielen Kindern wurde beigebracht, dass Müßiggang eine der schlimmsten Sünden sei. Wer sich vor der Arbeit drückte oder sich über seine Aufgaben beschwerte, musste mitunter mit harten Strafen rechnen. Für manche Kinder wurde die Menge der täglich geleisteten Arbeit sogar zu einem Maßstab dafür, wie viel Anerkennung und Zuneigung sie von ihren Eltern erhielten. Schulische Bildung betrachteten viele Eltern zu Beginn des Jahrhunderts noch als weniger wichtig, besonders auf dem Land, wo jede helfende Hand gebraucht wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich diese Einstellung jedoch zunehmend. Besonders ab der Mitte des Jahrhunderts gewann der Schulbesuch an Bedeutung. Immer mehr Eltern schickten ihre Kinder zur Schule, weil sie sich dadurch bessere Zukunftsaussichten für sie erhofften. Gleichzeitig erwarteten sie dort dieselben Tugenden wie zu Hause: Fleiß, Erfolg und Gehorsam. Wie ernst viele Eltern diese Erwartungen nahmen, zeigte sich auch daran, dass manche Kinder für Vergehen in der Schule zu Hause noch einmal bestraft wurden. Schließlich galten Respekt gegenüber Lehrern und Mitschülern sowie ein ordentliches Benehmen auch im Unterricht als besonders wichtig. Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderte sich allmählich die Einstellung vieler Erwachsener zur Kindererziehung. Besonders in bürgerlichen Familien wurde Kindern zunehmend mehr Raum zugestanden, um tatsächlich Kind sein zu dürfen. Zwar erwartete man weiterhin Gehorsam und ein anständiges Benehmen, doch begann man, die Kindheit stärker als einen eigenen Lebensabschnitt mit besonderen Bedürfnissen wahrzunehmen. Kinder galten nicht mehr ausschließlich als kleine Erwachsene, sondern zunehmend auch als schutzbedürftige Wesen, deren Entwicklung besondere Aufmerksamkeit verdiente. Diese veränderte Sichtweise spiegelte sich unter anderem in der zunehmenden Verbreitung spezieller Kindermöbel, eigener Kindermode und altersgerechten Spielzeugs wider. Dennoch versäumte man es keineswegs, Eltern daran zu erinnern, dass sie aus ihren Kindern rechtschaffene Menschen und wertvolle Bürger des Landes formen sollten. Deshalb versuchte man, Kinder von allem fernzuhalten, was nach den damaligen Moralvorstellungen ihren „reinen“ Geist verderben konnte. Dazu gehörten beispielsweise sexuelle Themen, Glücksspiel und andere als unsittlich betrachtete Einflüsse. Mit Strenge und einem wachsamen Auge verfolgten viele Eltern daher weiterhin den Werdegang ihrer Sprösslinge. ERZIEHUNG IM 19. JAHRHUNDERT IM ÜBERBLICK
UMGANG MIT WAISENKINDERN Im 19. Jahrhundert lebten in den großen Städten des amerikanischen Ostens zahlreiche Kinder auf der Straße. Viele hatten ihre Eltern verloren, andere stammten aus Familien, die so arm waren, dass sie nicht mehr für ihre Kinder sorgen konnten. Manche wurden ausgesetzt, andere schlugen sich allein durch und versuchten, mit Betteln, kleinen Gelegenheitsarbeiten oder Diebstählen zu überleben. Um diesen Kindern eine neue Zukunft zu ermöglichen, entstand 1854 das sogenannte Orphan-Train-Programm. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurden Tausende Kinder mit der Eisenbahn aus Städten wie New York in die ländlichen Gebiete des Mittleren Westens und später auch weiter nach Westen gebracht. Dort sollten sie bei Familien unterkommen, die bereit waren, sie aufzunehmen. Die Hoffnung war, dass sie fernab der Armut und des Elends der Großstädte ein besseres Leben führen könnten. Doch nicht jedes Kind fand tatsächlich ein liebevolles Zuhause. Während manche wie eigene Kinder behandelt wurden, sahen andere Familien in ihnen vor allem eine günstige Arbeitskraft. Besonders auf Farmen waren zusätzliche Hände willkommen, und nicht selten mussten die Kinder hart arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Kinder wurden an den Bahnhöfen interessierten Familien vorgestellt. Dabei kam es vor, dass Geschwister getrennt wurden, weil eine Familie nur ein Kind aufnehmen wollte oder konnte. Auch hatten die Kinder selbst häufig nur wenig Einfluss darauf, bei wem sie schließlich unterkamen. Nicht alle dieser Kinder waren tatsächlich Waisen. Manche hatten noch einen oder sogar beide Elternteile, die jedoch aus Armut oder anderen schwierigen Lebensumständen nicht für sie sorgen konnten. Für unser Spiel im Jahr 1879 bedeutet das, dass durchaus Kinder oder inzwischen erwachsene Charaktere in Camden Village leben könnten, die einst mit einem solchen Waisenzug in den Westen gekommen sind. Manche haben vielleicht eine neue Familie und ein liebevolles Zuhause gefunden. Andere mussten schon früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Weitere Informationen: http://gardnernews.com/orphan-trains-pla...h-century/ http://www.kancoll.org/articles/orphans/or_hist.htm https://en.wikipedia.org/wiki/Orphan_Train http://www.pbs.org/wgbh/amex/orphan/ SCHULEN Während die Kinder aus wohlhabenden Familien zu Hause von einem Privatlehrern unterrichtet wurden oder in den Städten Privatschulen besuchten, wurden die Kinder auf dem Land oder aus ärmeren Familien, wenn überhaupt, zu Hause von ihren Eltern unterrichtet. Vor allem während der Erntezeit, wenn jede helfende Hand gebraucht wurde, setzte der Unterricht aus. Die frühen Schulen der Siedler im Westen waren einfache Gebäude mit nur einem Raum und wenigen Fenstern, durch die gerade genug Licht fiel, damit die Schüler ihre Aufgaben bearbeiten konnten. Im Winter war es darin häufig bitterkalt. Je mehr Siedler ins Land kamen, desto mehr Kinder besuchten die Schule und größere und besser ausgestattete Schulgebäude wurden errichtet. Obwohl es sich noch immer um Einraumschulen handelte, waren die Schulen heller und freundlicher, mit mehr Fenstern, richtigen Schreibpulten und einem Ofen, der im Winter für Wärme sorgte. Üblich waren zwei Eingänge, einer für die Jungen und einer für die Mädchen. Im Klassenzimmer selbst saßen die Mädchen auf der einen Seite, die Jungen auf der anderen. Die jüngsten Schüler saßen ganz vorne, in unmittelbarer Nähe der Lehrkraft. Auch eine Tafel gehörte zunehmend zur Ausstattung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren viele Lehrkräfte Männer, die häufig als Schulmeister bezeichnet wurden. Lehrerinnen mussten vielerorts unverheiratet sein, um ihren Beruf ausüben zu dürfen. Heirateten sie, mussten sie ihre Stelle oft aufgeben. Diese Regelungen lockerten sich im Laufe des Jahrhunderts, blieben regional jedoch unterschiedlich. Zu Beginn des Jahrhunderts verfügten längst nicht alle Lehrer über eine besondere Ausbildung. Oft reichte es aus, lesen und schreiben zu können und mit Kindern umgehen zu können. Unter den Lehrern fanden sich auch ehemalige Soldaten, die nach ihrem Armeedienst eine Beschäftigung suchten. Kam ein neuer Lehrer in die Stadt, legten die Einwohner häufig Geld für seinen Lohn zusammen und stellten ihm eine Unterkunft zur Verfügung. Konnte eine Familie ihren Beitrag nicht in Geld leisten, erhielt der Lehrer mitunter Lebensmittel oder andere Dinge, die sie entbehren konnte. Ab der Mitte des Jahrhunderts ergriffen immer mehr Frauen den Lehrerberuf. Gleichzeitig veränderten Reformen das Schulwesen. Es entstanden geregelte Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, und zunehmend übernahmen entsprechend ausgebildete Personen die Stellen an den Schulen – allerdings oft für ein geringes Gehalt. Da häufig eine einzige Lehrkraft Kinder unterschiedlichen Alters und aus bis zu acht Klassenstufen gleichzeitig unterrichtete, wurden gutes Benehmen und Respekt erwartet. Ungehorsam wurde oft streng geahndet. Welche Strafen ein Lehrer verhängte, hing von den örtlichen Regeln und seiner eigenen Haltung ab. Die vielen unterschiedlichen Altersstufen in einem Klassenraum ließen außerdem kaum Raum für ein breites Fächerangebot. Man konzentrierte sich daher auf die sogenannten „drei Rs“: Reading, wRiting und aRithmetic (Lesen, Schreiben und Rechnen). In vielen ländlichen Schulen spielte daneben das Lesen der Bibel eine wichtige Rolle. Man glaubte, dass die Beschäftigung mit ihr zur moralischen Erziehung der Kinder beitrug. Beim Schreiben wurde besonders auf Schönschrift Wert gelegt, denn eine saubere Handschrift galt als Zeichen von Bildung und Kultiviertheit. Rechnen war wiederum für alle wichtig, die später als Farmer, Handwerker oder Geschäftsleute arbeiten wollten. In größeren Städten standen auch Geschichte, Grammatik, Geografie und teilweise Fremdsprachen auf dem Stundenplan. Letztere spielten besonders in Gegenden mit vielen Einwanderern eine Rolle, etwa aus Deutschland oder den Niederlanden. Schulbücher und Schreibpapier waren in den Pioniergebieten häufig Mangelware. Neben der Bibel stand manchen Schülern nur ein weiteres Buch zur Verfügung: der sogenannte „Primer“. Er enthielt das Alphabet, Zahlen, Wörter zum Buchstabieren und Gedichte. Er wurde vor allem für Kinder verwendet, die gerade erst Lesen und Schreiben lernten. Zu den bekanntesten Schulbüchern des 19. Jahrhunderts gehörten die „McGuffey’s Eclectic Readers“ von William Holmes McGuffey. Die Reihe umfasste mehrere aufeinander aufbauende Lesebücher, darunter einen Primer für Anfänger. Mit jedem Band stieg der Schwierigkeitsgrad. Neben dem Lesen vermittelten die Texte auch Werte, auf die in der Schule großer Wert gelegt wurde: Aufrichtigkeit, gutes Benehmen, Mut und Barmherzigkeit. Einige Kinder übten das Schreiben in richtigen Heften, die allerdings nicht immer vorgedruckte Linien besaßen. Diese mussten sie dann selbst mit einem Lineal ziehen. Wer sich kein Heft leisten konnte, schrieb auf einer Schiefertafel. Zum Schreiben auf Papier verwendete man unter anderem Federkiele, sogenannte „Quills“, die in Tinte getaucht wurden. Damit die noch feuchte Schrift nicht verschmierte, benutzten die Schüler Löschpapier. Für Schiefertafeln gab es spezielle Griffel. Das Läuten der Schulglocke kündigte den Unterrichtsbeginn an. An manchen Schulen mussten die Kinder bereits beim Betreten des Gebäudes ihre gute Erziehung zeigen: Die Jungen verbeugten sich vor dem Lehrer, die Mädchen machten einen Knicks. Der Unterricht begann vielerorts mit einem Gebet, gefolgt von einer Bibellesung und der Anwesenheitskontrolle. Wer zu spät kam, musste je nach Lehrer mit einer Strafe rechnen. Mitunter wurden verspätete Kinder sogar bis zur nächsten Pause vor der Tür warten gelassen – auch an kalten Wintertagen. Häufig gab es zwei Pausen am Tag, eine am Vormittag und eine weitere am Nachmittag. Die Kinder nutzten diese Zeit für Spiele wie Seilspringen, Murmeln oder Ballspiele. Ihr Spielzeug bestand oft aus Dingen, die sie zu Hause gefunden oder selbst gebastelt hatten. Ein Ball konnte beispielsweise aus einem alten Hemd bestehen, das mit weichem Material ausgestopft war. Für ältere Mädchen galten ausgelassene Ballspiele in manchen Kreisen als unschicklich. Sie beschäftigten sich dann eher mit ruhigeren Spielen, etwa Ratespielen. Natürlich waren Kinder auch damals zu allerlei Streichen aufgelegt. Selbst in der strengen viktorianischen Zeit fanden sie Möglichkeiten, sich auszutoben. Ein überlieferter Streich trug den Namen „Smoking Out the Master“. Dabei kletterten ältere Jungen auf das Dach des Schulhauses und verstopften den Kamin mit Blättern und Zweigen. Der Schulraum füllte sich daraufhin mit Rauch, sodass alle ins Freie mussten. Bei anderen Streichen steckten die Kinder einen Grashüpfer oder eine Spinne in die Lunchbox oder das Federetui eines Mitschülers, um sich an dessen erschrockener Reaktion zu erfreuen. Manche formten aus Papier kleine Kügelchen, die sie als „Spuckbälle“ verschossen, oder schütteten Wasser auf den Sitz eines Klassenkameraden. Wer dabei erwischt wurde, musste mit einer Strafe rechnen, die je nach Lehrer sehr hart ausfallen konnte. Solche Streiche galten eindeutig als schlechtes Benehmen. Nicht selten wurden die Kinder nach der Strafe in der Schule auch zu Hause noch einmal für ihr Vergehen bestraft. Aber nicht nur für diese Streiche wurden Kinder in der Schule diszipliniert – eine falsche Antwort, eine schlechte Vorbereitung für den Unterricht, ein Zuspätkommen oder gar das Einschlafen im Unterricht führte zu Strafen. Oft mussten die Schüler als Strafe immer wieder dieselben Sätze schreiben, Zeile für Zeile, ins eigene Heft oder an der Tafel nach dem Unterricht. Manchmal mussten sie zusätzlich zu den Hausaufgaben noch extra lange und schwierige Textzeilen auswendig lernen. Manchmal griff der Lehrer auch zu demütigenden Strafen, indem er dem betreffenden Schüler eine Eselsmütze aufsetzte oder ein beschämendes Schild um den Hals hängte Beispielsweise musste ein Junge eine Mädchenhaube aufsetzen und sich auf die Seite der Mädchen setzen, oder der betroffene Schüler war gezwungen auf einem schmalen Holzsteg in der Ecke zu knien oder darauf zu balancieren. Die sogenannte Klammer galt als besonders harte und gefürchtete Strafe. Dabei wurden die Haare des ungehorsamen Kindes mit einer Spange nach oben zusammengebunden, die dann mit einer Klammer an einer erhöhten Stelle des Klassenzimmers angebracht wurde, sodass das Kind gezwungen war, auf Zehenspitzen zu stehen, um dem Schmerz zu entgehen. Das dauerte so lange, bis der Lehrer der Meinung war, dass der oder die Betroffene die Lektion gelernt hatte. Gerieten Jungen im Klassenzimmer oder während der Pause in eine Schlägerei, wurden sie vom Lehrer getrennt und jeder bekam z.B. von ihm eine Rute in die Hand. Damit mussten sie sich gegenseitig schlagen. Schlugen sie in den Augen des Lehrers nicht hart genug, erhielten sie vom Lehrer selbst einen entsprechend scharfen Hieb. Man nahm allen Ernstes, aus welchen Gründen auch immer, zu dieser Zeit an, dass diese Bestrafung helfen würde, die Kinder vor einem erneuten Kampf abzuhalten. Eine der häufigsten und strengsten Bestrafungen, die Kinder in der Schule erhielten, war eine Tracht Prügel mit einer Rute oder einem Holzstock aus Nussbaum. Dabei konnten die Schläge so hart ausfallen, dass die Kinder mit roten Striemen an den Beinen nach Hause kamen. Nur um dort häufig dafür noch einmal auf dieselbe Weise bestraft zu werden. Allerdings gab es auch zahlreiche Eltern, die übermäßig harte oder gar brutale Erziehungsmethoden gegenüber ihren Kindern nicht hinnehmen wollten. Aufzeichnungen belegen durchaus liberale Eltern, die eine Abschaffung der Körperstrafe schon im 19. Jahrhundert forderten oder gar Lehrer absetzen ließen, die ihre Kinder regelrecht quälten. Im 19. Jahrhundert hatten die Kinder mehr Verantwortung für den ordentlichen Zustand ihrer Schule. Zwar lag die Hauptverantwortung beim Lehrer, aber die Schüler und ihre Eltern halfen nach Kräften mit. Beispielsweise versorgten die Familien der Gemeinde die Schule mit Holz im Winter. Die Kinder trugen jeden Morgen einen Armvoll Holz mit sich in die Schule und jeden Tag war ein anderes Kind im Winter für das Anheizen des Ofens zuständig und musste dafür vor den anderen in der Schule sein. Der Lehrer überprüfte regelmäßig, ob der Kamin frei war, damit sie nicht ausgeräuchert wurden. Er verteilte auch täglich die unterschiedlichen Reinigungsarbeiten auf seine Schüler – der Schulraum wurde täglich ausgefegt, die Tafel musste gereinigt werden, frisches Wasser musste täglich zur Verfügung stehen und die Fenster wurden regelmäßig geputzt. Auch wenn die Schulen des 19. Jahrhunderts streng waren und den Schülern viel Arbeit und Konzentration abverlangten, gingen viele Kinder gerne zur Schule. Viele empfanden es sogar als Privileg zur Schule gehen zu dürfen und genossen die Zeit fern der häuslichen Arbeiten und die Zeit, die sie mit anderen Kindern verbringen durften. Manche verließen „ihre“ Schule nach acht Jahren nur schweren Herzens. BEISPIEL FÜR DIE KORREKTE KÖRPERHALTUNG in der Schule: Ein interessantes Foto findet ihr hier – es zeigt die damals erwartete Körperhaltung von Jungen im Alltag und in der Schule. SONNTAGSSCHULE Eine frühe Sonntagsschule öffnete 1791 in Philadelphia ihre Türen und bestand bis 1819. Im Laufe des frühen 19. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter vieler Sonntagsschulen. Neue Einrichtungen entstanden, in denen häufig Frauen ehrenamtlich unterrichteten. Der Unterricht konzentrierte sich zunehmend auf religiöse Themen, besonders auf die protestantische Bibellehre. Protestantische Sonntagsschulen verbreiteten sich rasch. Viele ihrer Träger wollten den protestantischen Glauben im ganzen Land stärken. Zwar gab es auch katholische und jüdische Angebote religiöser Unterweisung, doch die protestantischen Sonntagsschulen gewannen besonders großen Einfluss. Gerade in den neu besiedelten Gebieten des amerikanischen Westens konnten Sonntagsschulen eine wichtige Rolle spielen. Für viele Siedler bot der Glaube Halt und Orientierung im oft entbehrungsreichen Alltag. Viele Farmer und Siedler erzogen ihre Kinder nach strengen religiösen Grundsätzen und schickten sie sonntags zum kostenlosen Unterricht in die Sonntagsschule. Im 19. Jahrhundert ergänzten sich Sonntagsschulen und öffentliche Schulen vielerorts. Nach dem Bürgerkrieg entstanden jedoch auch Spannungen, besonders dort, wo man den Unterricht stärker professionalisieren und den Einfluss der Kirchen auf die öffentliche Bildung begrenzen wollte. Der Unterricht in einer Sonntagsschule war gewöhnlich nicht auf Rechnen oder andere weltliche Schulfächer ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen das Lesen und Verstehen der Bibel sowie die religiöse Unterweisung. |






