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ENTWICKLUNG 1850–1880 Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in vielen Restaurants des amerikanischen Westens noch recht einfaches Essen angeboten. Besonders in den abgelegenen Pioniersiedlungen war man auf das angewiesen, was die Umgebung hergab oder sich einigermaßen gut lagern ließ. So standen in manchen Saloons und Gasthäusern beispielsweise Wildschwein, Truthahn, Wachtelpastete, Bärenfleisch in Rotweinsoße, Waschbärragout oder Eichhörnchenpastete auf der Speisekarte. Während viele Pioniere solche Mahlzeiten durchaus als Wohltat betrachteten, beklagten sich manche Neuankömmlinge aus Europa über die Qualität des Essens. Besonders der Mangel an Eis und geeigneten Kühlmöglichkeiten führte dazu, dass Fleisch nicht immer frisch auf den Tisch kam. Mit scharfen Soßen und kräftigen Gewürzen versuchte man gelegentlich, den unangenehmen Geschmack zu überdecken. Vor allem englische und französische Reisende beschwerten sich über die ungewohnten Speisen und den Mangel an frischen Lebensmitteln. Selbst der Kaffee entsprach nicht immer den Erwartungen. War echter Kaffee nicht verfügbar oder zu teuer, griff man auf Ersatzprodukte zurück. Dazu gehörten beispielsweise geröstete Eicheln, Löwenzahnwurzeln oder andere geröstete Pflanzenbestandteile. Ab den 1860er-Jahren entwickelte sich in vielen abgelegenen Siedlungen allmählich ein vergleichsweise einheitliches Angebot an einfachen Mahlzeiten. Zum Frühstück gab es häufig eine Blechtasse Kaffee, dazu Brot, Sirup und Sowbelly, wie man gepökelten Schweinebauch beziehungsweise fetten Speck bezeichnete. Zum Mittag- und Abendessen standen oftmals Brot und Steak auf dem Speiseplan. Dabei wurde das Fleisch nicht selten so lange gebraten, bis es ausgesprochen zäh war. Gelegentlich gab es auch Lammfleisch oder sogenannte Rocky Mountain Oysters, also zubereitete Tierhoden. Diese wurden gebraten oder über offenem Feuer gegart. Auch Klapperschlangenfleisch wurde mancherorts zubereitet. Einige Reisende beschrieben es als weißes, zartes Fleisch, dessen Geschmack an Hühnchen erinnerte. Als Beilagen wurden häufig Bohnen, Mais oder Kürbis gereicht, wobei das tatsächliche Angebot stark von der Region und der Jahreszeit abhing. Die einfache Küche vieler Saloons wurde gelegentlich mit den sogenannten „Four B's“ beschrieben: Biscuits, Beans, Beef und Bacon – also einfache Brötchen beziehungsweise Biscuits, Bohnen, Rindfleisch und Speck. Wilde Zwiebeln und andere frische Pflanzen ergänzten den Speiseplan, sofern sie verfügbar waren. Gerade frisches Gemüse konnte helfen, Mangelerscheinungen wie Skorbut vorzubeugen. Kaffee gehörte zu den üblichen Getränken, die zu solchen Mahlzeiten ausgeschenkt wurden. Die Einfachheit des Essens spiegelte die Lebensbedingungen in den neuen Siedlungsgebieten wider. Viele Menschen aßen in erster Linie, um satt zu werden. Für besondere Genüsse oder gar Luxus fehlten häufig sowohl die Zeit als auch die Mittel. Auch die Tischmanieren konnten sich erheblich von den gesellschaftlichen Vorstellungen unterscheiden, die europäische Reisende aus ihrer Heimat gewohnt waren. Besonders in einfachen Gasthäusern und an Postkutschenstationen wurde das Essen oft in erstaunlichem Tempo hinuntergeschlungen. Da die Postkutschen nur begrenzte Aufenthaltszeiten hatten, mussten sich die Reisenden beeilen. Jeder versuchte, möglichst schnell einen freien Platz zu ergattern und etwas von den angebotenen Speisen abzubekommen. Dabei kamen durchaus auch die Ellbogen zum Einsatz. Die Essenszeiten richteten sich auf Reisen häufig nach dem Fahrplan und nicht nach den gewohnten Tageszeiten. So konnte es vorkommen, dass man mitten in der Nacht frühstückte oder eine warme Mahlzeit zu einer Stunde erhielt, zu der man normalerweise noch im Bett gelegen hätte. Besonders angenehm waren solche Aufenthalte nicht immer. In einfachen Saloons war es laut, schmutzig und hektisch. Die Tische waren mitunter schmierig, und von einer entspannten Mahlzeit konnte kaum die Rede sein. Serviert wurden verschiedene Fleischgerichte, die häufig wenig sorgfältig zubereitet waren. Die Teller stellte man den Gästen manchmal so hastig hin, dass es beinahe wirkte, als würden sie ihnen vorgeworfen. Kaum hatte man mit dem Essen begonnen, wurde mitunter schon das Dessert gebracht: ein dünnes Stück Kuchen mit harter Kruste und getrockneten Früchten. Nicht selten landete es auf demselben Teller, auf dem zuvor das Fleisch gelegen hatte. Manche Männer stocherten sich anschließend mit der Gabel oder dem Taschenmesser zwischen den Zähnen herum, tranken große Mengen Wasser und rülpsten lautstark. Für Reisende, die an feinere Umgangsformen gewöhnt waren, konnten solche Szenen durchaus gewöhnungsbedürftig sein. Mit dem Goldrausch kamen jedoch rasch Veränderungen in den Westen. Plötzlich gab es Männer, die innerhalb kürzester Zeit zu beträchtlichem Wohlstand gelangt waren und bereitwillig große Summen für gutes Essen und teure Getränke ausgaben. Dieselben rauen Goldsucher, die zuvor unter einfachsten Bedingungen gelebt hatten, kehrten nun in luxuriösen Restaurants ein, bestellten Champagner für zehn Dollar die Flasche, ließen sich besseres Rindfleisch servieren und tranken dazu Whiskey. Auch Sardinen, Schildkrötensuppe oder Hummersalat fanden sich in den gehobenen Häusern auf der Speisekarte. Mit dem Ausbau der Viehzucht und der Eisenbahn entwickelte sich das Angebot in vielen Städten des Westens weiter. Selbst Cowboys, die während ihrer Arbeit hauptsächlich von einfachen Mahlzeiten gelebt hatten, konnten sich bei einem Stadtbesuch besondere Speisen gönnen. Austern, Sellerie und frische Eier gehörten dabei zu jenen Lebensmitteln, die unterwegs nicht immer verfügbar waren und deshalb besonders geschätzt wurden. Durch den Ausbau der Eisenbahn konnten zunehmend auch leicht verderbliche Waren über größere Entfernungen transportiert werden. So gelangten Austern und andere Delikatessen in Städte des Westens, darunter auch Orte wie Sheridan in Wyoming, Miles City in Montana oder Virginia City in Nevada. Allerdings entwickelten sich diese Städte zu unterschiedlichen Zeiten, und nicht alle verfügten bereits 1879 über eine entsprechende Eisenbahnanbindung. Neben einfachen Saloons entstanden zunehmend gehobene Restaurants, Hotelbars und Konzert-Saloons, die ihren zahlungskräftigen Gästen ausgefallene Menüs anboten. Besonders vornehme Häuser ließen ihre Speisekarten gerne mit französischen Bezeichnungen versehen. Dabei nahm man es mit der französischen Rechtschreibung nicht immer besonders genau. BEISPIEL EINER HISTORISCHEN SPEISEKARTE AUS TOMBSTONE
Die folgende Speisekarte vermittelt einen Eindruck davon, welche aufwendigen Gerichte später auch in gehobenen Restaurants des Wilden Westens angeboten wurden.
SUPPE
HÜHNCHEN UND EIER FISCH Kolumbianischer Lachs, au Beurre Noir LEICHTE GERICHTE Filet de Boeuf à la Financière Lammkeule mit Soße und Austern KALTE FLEISCHGERICHTE Rinderfilet Schweinefilet Westfälischer Schinken Corned Beef GEKOCHTE FLEISCHGERICHTE Hammelkeule Rinderrippe Corned Beef Russischer Speck ENTRÉES Pinons à Poulett, aux Champignons Hühnerfrikassee mit Sahnesoße Spargel Lapine Domestique, à la Maître d'Hôtel Casserole de Riz aux Oeufs, à la Chinoise Ente und Hammel mit Chipolata-Ragout Frische kalifornische Pfirsiche à la Condé BRATENGERICHTE Rinderfilet Lammfilet Schweinshaxen Apfelsoße Spanferkel mit Gelee Kalbsbraten, mit Hühnchen gefüllt NACHTISCH Pfirsichkuchen Apfelkuchen Pflaumenkuchen Rahmkuchen Englischer Pudding mit Zitronensoße GETRÄNKE IM SALOON
In einem Saloon gab es keineswegs nur Whiskey zu trinken. Je nach Ausstattung und Standort wurden auch Bier, Wein, Brandy, Gin und verschiedene Mischgetränke angeboten.Cocktails waren bereits im 19. Jahrhundert bekannt und erfreuten sich besonders in größeren Städten und gehobenen Lokalen großer Beliebtheit. Allerdings war die Qualität der ausgeschenkten Getränke nicht immer besonders gut. Gerade in einfachen oder zwielichtigen Saloons kam es vor, dass minderwertiger Alkohol verkauft oder Getränke mit fragwürdigen Zutaten gestreckt wurden. Die Namen mancher Mischgetränke waren ausgesprochen fantasievoll. Bezeichnungen wie „Tarantula Juice“, „Allston“, „Mule Skinner“ oder „Cactus Wine“ tauchen in Darstellungen über den Wilden Westen auf. Ob diese Getränke bereits 1879 unter diesen Namen und mit den überlieferten Rezepturen ausgeschenkt wurden, ist allerdings nicht in jedem Fall gesichert. Quelle: https://fribbla.de/insiders/spannender-a...westen/15/ |






