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| VOL. X., NO. 3,518 | Camden Village, Montag, November 18, 1878 |
PRICE 4 CENT |
Mord & Totschlag
Eine Stadt ist fassungslos
CV, November - Die letzte Woche im Rückblick war eine schwere Woche für die Bürger von Camden Village gewesen. Man hatte sich gerade so von einigen schrecklichen Ereignissen aus dem Sommer erholt und alles wies auf ein baldiges, besonnenes Thanksgiving hin, als das Böse in die Stadt Einzug hielt. In der Gestalt des immer freundlichen und höflichen Mister Thomas Finn, der im wirklichen Leben Billy Ray Thunder heißt. Ein Halbblut. Er erschlich sich mit seinem Gemüt überall Vertrauen und eroberte sogar das Herz unserer über alles sehr geschätzten Emma Thompson. Niemand hatte ein Argwohn. Der junge Mann ging einem Beruf nach und besuchte die Kirche. Und doch war er ein Gesetzloser der schlimmsten Art. Nach Aussage von Sheriff John Clayton sei Mister Thunder der Kopf der vor Jahren aufgeflogenen Thunder-Bande gewesen. Eine Gruppe wilder Männer, die Frauen schändeten, Postkutschen überfielen, Banken ausraubten und per Auftrag mordeten. Ihn selbst habe man damals nicht geschnappt und seit dem sei Thunder auf einem Rachefeldzug gewesen. Er soll in den letzten fünf Jahren alle am Prozeß gegen seine Bande beteiligten Personen ermordet haben. Richter, Deputies, Gefängniswärter, Marshalls und Sheriffs. Wie wir kurz vor Redaktionsschluss erfuhren, hatte Thunder Sheriff Claytons halbe Familie vor fünf Jahren brutal ermordet und jagte den Mann samt Tochter durch den ganzen Westen.
Ein fingierter Tod ließ das geschätzte Gesetz unseres Landes annehmen, Billy Ray Thunder, wäre seit Wochen tot. Mister Clayton baute sich daraufhin in unserer schönen Gemeinde ein neues Leben auf und diente den Bürgern bis dahin aufrecht und treu. Er fasste die Taschendiebe, die im August die Stadt heimsuchte, ließ die Einbruchsserie auffliegen und stellte den Kopf der Diebesbande. Er befreite einen kleinen Jungen aus einer kaum vorstellbaren misslichen Lage und hielt ständig ein wachsames Auge auf die Vagabunden, die sich in letzter Zeit in Camden Village herumtreiben. Er hat selbst einen Mann wie Warren Simones fest im Griff und zähmte den Stadtrowdy Graham Barclay.
Auch wenn man darüber geteilter Meinung sein kann, so macht sich der junge Deputy doch wacker in seiner neuen Rolle. Zumindest sitzt er viel öfters vor der Station auf der Veranda, als in einer der Zellen, um seinen Rausch auszuschlafen.
Thunder nutzte den Frieden, zog nach Camden Village und plante seine Rache. Ohne Skrupel brachte er am 13. November die Lehrerin Miss Spencer und ihre beiden kleinen Kinder in seine Gewalt und auch Cassidy Clayton, die Tochter des Sheriffs samt Freundin, Sophie Garner, gerieten in seine Hand. Laut Aussagen sei der Verbrecher ohne Gewissen an sein Werk gegangen. Er habe die Lehrerin und das Zimmermädchen vergewaltigt und sei mit brutaler Kraft gegen Cassidy Clayton vorgegangen. Nur durch das beherzte Entkommen von Eli Spencer, dem Sohn von Miss Spencer, war es Sheriff Clayton möglich, von dem Vorgehen zu erfahren. Ohne zu zögern riskierte er sein eigenes Leben, um die Menschen in der Gewalt des Verbrechers zu retten.
Letztendlich war es seine Tochter, die Thunder anschoss und damit in Flucht trieb. Die Verletzten kamen in die Klinik und ein Suchtrupp machte sich noch in der Nacht auf, um Thunder zu stellen. In den Bergen kam es zu einer Schießerei, bei der bedauerlicherweise Emma Thompson, die von Thunder als Geisel genommen worden war, zu tote kam.
Nach Auskunft von Zeit-Deputy Vale Bozeman habe man Thunder jedoch "erwischt". Er hielt sich sehr vage und versprach weitere Details, sobald der Sheriff wieder auf den Füssen sei und eigene Entscheidungen treffen könnte.
Es gilt abzuwarten, ob man Thunder lebend in die Hände bekommen hat oder nicht... -
dp
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| Grund zur Trauer Gleich zwei Trauerfeiern galt es in den vergangenen Tagen zu bewältigen. Die Browns ließen ihren jüngsten Sohn am Freitagnachmittag auf dem Friedhof beisetzen. Reverend Hawkins versuchte mit seiner Predigt den Eltern Trost und Beistand zugeben. Er versäumte es nicht die schändliche Tat zu verurteilen, aber schürte nicht zu sehr am Feuer. Es galt den jungen Frank Brown zu ehren und seinen Eltern beizustehen. Mr. Brown schwor grimmig Rache, aber es anzunehmen, dass nur der Kummer aus dem Vater gesprochen hat. |
DIE STADT WÄCHST ERNEUT
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INDIANERAUFSTAND ÜBERFÄLLE BEFÜRCHTET
150 BLUTRÜNSTIGE ABTRÜNNIGE INDIANER BALD IN WYOMING?
Wie bereits im September / Oktober von uns berichtet, entflohen knapp 300 Northern Cheyennes ihrem Reservat in Oklahoma. Davon wurden wie bekannt ist nur rund die Hälfte wieder eingefangen. Etwa 150 Cheyennen sind seit dem spurlos verschwunden. Die US Army und die Regierung befürchten nichts gutes für die weißen Siedler, versicherten jedoch alles in ihre Macht stehende zu tun, um die Bürger von Amerika zu schützen. Man würde mit allen Mitteln daran arbeiten, die abtrünnigen Indianer aufzuspüren. Die im September ausgebrochenen Cheyennen behaupten, dass angeblich eine Massenerkrankung im Reseravt schuld an dem Ausbruch gewesen sei. Man hätte nicht länger zuschauen wollen, wie der ganze Stamme an den Krankheiten des weißen Mannes zu grunde ging. Laut der Regierung hätte es jedoch ständig Unstimmigkeiten im Reservat gegeben. Man unterstellt den Cheyennen unterschwellig absichtlich gestreute Lügen, um den Ausbruch zu begründen. Die Regierung ist seit dem Herbst bemüht die flüchtigen Indianer wieder einzufangen. Zu recht hatte man mit Übergriffen auf weiße Siedler gerechnet, wie die Bilanz zeigt. Gleich in den ersten Tagen gab es auf der Flucht Richtung Montana, in die Heimat der Cheyennen Überfälle auf Zivilisten, denen man Tiere und Waffen stahl.
Kurz gab es Hoffnung als es Ende September einer Einheit von 250 Kavalleristen gelungen war zu den Indianern aufzuschließen. Zuvor hatten sich Zivilisten und Truppen immer wieder Gefechte mit den Indianern geliefert. Doch die Freude währte nur kurz, als die Einheit am Punished Woman’s Creek in einen Hinterhalt geried. Der kommandierende Offizier und zehn Soldaten verloren dabei ihr Leben. Die Indianer konnten erneut fliehen. Im Oktober befanden sich bereits über 3000 Soldaten im Feld, um die roten Wilden unschädlich zu machen. Sie trieben bis dahin ihr blutiges Unwesen in Kansas. Dabei verloren 40 Siedler ihr Leben.
Wie wir bereits berichtet hatten, gelang es der 2. Kompanie der 3. Kavallerie die Abtrünnigen mit ihrem Häuptling Dull Knife am Chardron Creek festzusetzen. Man brachte die Wilden nach Fort Robinson in Nebraska. Gerade noch rechtzeitig, denn wie es aussah wollten sich die rund 300 Indianern Red Cloud anschließen, unwissend darüber jedoch, dass Red Cloud mit seinem Stamm nach South Dakota umgesiedelt worden war.
Die gefangen genommenen Cheyennen machten einen völlig erschöpften Eindruck. Sie befinden sich noch immer in Fort Robinson. Die Behörden in Washington haben bislang kein Urteil über sie gefällt.
Man vermutet nun an höchster Stelle, dass jene Männer und Frauen, die kräftig genug zum Kämpfen sind, unter Häuptling Little Wolf weiter gezogen sind. Es ist leider nicht auszuschließen, dass die Indianer weiterhin in der Gegend ihr Unwesen treiben werden, bis es der US Army endlich gelingt, sie aufzuspüren und für ihre Vergehen zu bestrafen. Laut unserer Quelle können die "verloren gegangenen" Indianer längst auf dem Weg in die Dakotas sein, aber auch Wyoming oder Montana könnte ihr Ziel sein.
Sämtliche Indianeragenten und Fort-Kommandanten sind dazu angehalten, wachsam zu sein und ihre Truppen in Alarmbereitschaft zu halten. Jede ihnen zukommende Information, die zur Ergreifung der Flüchtigen führen könnte, ist unverzüglich den übergeordneten Dienststellen mitzuteilen.
Auch die Bürger bittet die Regierung äußerst vorsichtig in den nächsten Wochen zu sein. Sie rät unnötige weite Wege in den betroffenen Gebieten zu meiden. Wer Geschäfte mit Indianern gerade zum Winter hin mit Fellen und Nahrungsmittel betreibt sollte Augen und Ohren offen halten. Gebiete, in denen sich Reservate in der Nähe befinden sollten die Grenzen streng bewachen und auf ungewöhnliche Aktivitäten achten.
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Ein guter Monat für Camden Village