Further up, further in --- 26.09.2026, 22:54
Harry war mit der Stute zufrieden, die Clayton ihm überlassen hatte. Sie war ruhig, trittsicher und folgte seinen Hilfen, ohne dass er viel mit ihr arbeiten musste. Auch an dem Gewehr, das jetzt am Sattel steckte, hatte er nichts auszusetzen. Für einen Mann, der erst seit wenigen Tagen in seinem Dienst stand, hatte der Sheriff ihn damit ziemlich großzügig ausgestattet. Nun musste Harry wohl beweisen, dass sich das Vertrauen gelohnt hatte. Er ritt ein Stück vor Clayton, nicht weit, gerade genug, um den Weg und das Gelände vor ihnen besser im Blick zu haben. Die Beschreibung der Lakota-Frau war nicht besonders genau gewesen, aber einige ihrer Angaben hatte Harry wiedererkannt. Vor allem der Mill River hatte ihm geholfen. Wenn er sie richtig verstanden hatte, mussten sie ihm nach Norden folgen, vorbei an zwei größeren Biegungen und einer Stelle, an der das westliche Ufer felsiger wurde. Harry war erst vor ein paar Wochen aus Richtung des Reservats gekommen und kannte diesen Abschnitt des Flusses zumindest teilweise. Nicht gut genug, um zu wissen, wo das Lager lag, aber gut genug, um Clayton sagen zu können, in welche Richtung sie reiten mussten.
Dass die Entführer Arapaho sein sollten, machte die Sache allerdings nicht einfacher. Harry hatte sich während der Befragung nichts anmerken lassen und sah auch jetzt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Es war lange her. Außerdem waren die Männer, die den Agency Post überfallen und ihm die Kehle aufgeschlitzt hatten, bestimmt nicht dieselben, nach denen sie jetzt suchten. Harry wusste das und hatte lange genug unter verschiedenen Stämmen gelebt, um nicht jeden Arapaho für das verantwortlich zu machen, was damals geschehen war. Trotzdem hatte er das Halstuch schon zum zweiten Mal zurechtgezogen, seit sie Camden verlassen hatten. Als ihm das bewusst wurde, ließ er die Hand sinken und griff stattdessen nach seinem Tabakbeutel. Er nahm eine kleine Portion heraus, schob sie sich in die Backe und rückte sie mit der Zunge zurecht. Der vertraute bittere Geschmack half zumindest dabei, sich wieder auf das zu konzentrieren, was vor ihm lag.
Noch wussten sie ohnehin nicht, auf wen sie treffen würden. Sie wussten nicht einmal sicher, ob die Frau ihnen tatsächlich den Weg zu dem Lager beschrieben hatte, in das man den Jungen gebracht hatte, oder ob er überhaupt noch dort war. Es brachte nichts, sich jetzt schon Gedanken darüber zu machen, was passieren würde, wenn sie es erreichten. Harry hielt sich lieber an das, was er wusste. Der Mill River lag neben ihnen und solange die Angaben der Frau zu dem passten, was er vor sich sah, waren sie zumindest nicht vollkommen falsch. Er ließ den Blick immer wieder zwischen dem Wasser und dem Gelände am anderen Ufer wechseln, suchte nach der felsigen Stelle, die ihm noch von seiner Reise nach Camden in Erinnerung geblieben war, und verglich die Biegungen des Flusses mit dem, was die Frau beschrieben hatte. Erst einige Zeit später merkte er, dass seine Finger wieder am Halstuch lagen. Dieses Mal zog er es nur kurz glatt und ließ die Hand anschließend auf dem Oberschenkel liegen.
Als der Fluss vor ihnen erneut nach Westen ausschwang, nahm Harry die Zügel etwas kürzer und ließ die Stute langsamer werden. Weiter vorn schob sich der felsige Hang beinahe bis ans Wasser heran. Den kannte er. Harry schob den Tabak mit der Zunge von einer Seite der Backe auf die andere und betrachtete eine Weile das Gelände dahinter. „Bis hier stimmt ihre Beschreibung jedenfalls“, sagte er schließlich zu Clayton. Er wartete, bis der Sheriff näher herangekommen war, und deutete mit dem Kinn flussaufwärts. „Wenn ich sie richtig verstanden habe, sind sie noch ein Stück dem Fluss gefolgt und dann nach Osten abgedreht.“ Damit ließ er die Stute wieder antreten und folgte weiter dem Mill River nach Norden.
Dass die Entführer Arapaho sein sollten, machte die Sache allerdings nicht einfacher. Harry hatte sich während der Befragung nichts anmerken lassen und sah auch jetzt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Es war lange her. Außerdem waren die Männer, die den Agency Post überfallen und ihm die Kehle aufgeschlitzt hatten, bestimmt nicht dieselben, nach denen sie jetzt suchten. Harry wusste das und hatte lange genug unter verschiedenen Stämmen gelebt, um nicht jeden Arapaho für das verantwortlich zu machen, was damals geschehen war. Trotzdem hatte er das Halstuch schon zum zweiten Mal zurechtgezogen, seit sie Camden verlassen hatten. Als ihm das bewusst wurde, ließ er die Hand sinken und griff stattdessen nach seinem Tabakbeutel. Er nahm eine kleine Portion heraus, schob sie sich in die Backe und rückte sie mit der Zunge zurecht. Der vertraute bittere Geschmack half zumindest dabei, sich wieder auf das zu konzentrieren, was vor ihm lag.
Noch wussten sie ohnehin nicht, auf wen sie treffen würden. Sie wussten nicht einmal sicher, ob die Frau ihnen tatsächlich den Weg zu dem Lager beschrieben hatte, in das man den Jungen gebracht hatte, oder ob er überhaupt noch dort war. Es brachte nichts, sich jetzt schon Gedanken darüber zu machen, was passieren würde, wenn sie es erreichten. Harry hielt sich lieber an das, was er wusste. Der Mill River lag neben ihnen und solange die Angaben der Frau zu dem passten, was er vor sich sah, waren sie zumindest nicht vollkommen falsch. Er ließ den Blick immer wieder zwischen dem Wasser und dem Gelände am anderen Ufer wechseln, suchte nach der felsigen Stelle, die ihm noch von seiner Reise nach Camden in Erinnerung geblieben war, und verglich die Biegungen des Flusses mit dem, was die Frau beschrieben hatte. Erst einige Zeit später merkte er, dass seine Finger wieder am Halstuch lagen. Dieses Mal zog er es nur kurz glatt und ließ die Hand anschließend auf dem Oberschenkel liegen.
Als der Fluss vor ihnen erneut nach Westen ausschwang, nahm Harry die Zügel etwas kürzer und ließ die Stute langsamer werden. Weiter vorn schob sich der felsige Hang beinahe bis ans Wasser heran. Den kannte er. Harry schob den Tabak mit der Zunge von einer Seite der Backe auf die andere und betrachtete eine Weile das Gelände dahinter. „Bis hier stimmt ihre Beschreibung jedenfalls“, sagte er schließlich zu Clayton. Er wartete, bis der Sheriff näher herangekommen war, und deutete mit dem Kinn flussaufwärts. „Wenn ich sie richtig verstanden habe, sind sie noch ein Stück dem Fluss gefolgt und dann nach Osten abgedreht.“ Damit ließ er die Stute wieder antreten und folgte weiter dem Mill River nach Norden.