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BÄCKEREI A Job, Please… and Liberty on the Side - Druckversion

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A Job, Please… and Liberty on the Side - Martha McKay - 23.03.2026

Zögerlich machte Martha einen Schritt auf die Ladentür zu, dann blieb sie mitten im Schritt stehen, sah sich nach allen Seiten um, um sicher zu gehen, dass sie auch ja niemand dabei beobachtete, wie sie den Laden von Mr. Miles betrat, dann machte sie doch wieder kehrt auf den Fersen und lief ein Stück vom Laden weg. Dieses Spiel wiederholte sich seit gut zehn Minuten. Martha fehlte einfach der Mut. Der Mut die Tür zu öffnen, der Mut einzutreten und der Mut ihr Anliegen vorzubringen.

Ihr vielen tausend Argumente ein, warum ihre Idee zum Scheitern verurteilt war, aber gleichzeitig blieb diese mahnend leise Stimme in ihrem Kopf sehr laut - sie musste Mr. Miles ansprechen. Sie musste es einfach. Denn es gab keinen anderen Weg für sie und ihr Situation. Es war dabei gar nicht kompliziert - sie war schwanger und sie war minderjährig. Der Vater ihres Kindes hatte keinen guten Ruf im Ort und würde von ihren Eltern niemals als Ehemann und Vater akzeptiert werden. Und sie war das Kind strenger Christen, die sie schon halbtotprügelten, wenn sie log und flunkerte oder das Feuer im Kochherd ausgehen ließ. Sie wollte sich nicht ausmalen, was ihr widerfuhr, wenn diese Schwangerschaft nicht mehr länger zu verbergen war. Und Martha wusste, dass es sich bald nicht mehr verheimlichen ließ. Noch konnte sie behaupten wieder zu viel Kuchen genascht zu haben, obwohl ihre Mutter versuchte sie mit dem Essen zu regulieren, damit sie genauso hübsch erblühte wie ihre ältere Schwester - für eine gute Partie. Sie nahm lieber die maßregelnden Hiebe in Kauf, als zu zugeben, dass sie längst schwanger war und ihre Partie sich selbst herausgesucht hatte. Kurzum - sie musste anfangen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und das ging natürlich ohne eigenes Einkommen nicht. Sie war davon überzeugt, wenn sie erst einmal ihr eigenes Geld verdienen würde, würde sie einfach ausziehen können, um mit Graham zusammen zu wohnen.

In ihrer Familie war es Pflicht mitzuhelfen, so dass sie keinen Cent für ihre Arbeit im Laden sah. Jeden anderen Ladenbesitzer konnte Martha auch nicht einfach um Arbeit bitten, denn hier kannte ein jeder den anderen und ihre Eltern würden von ihrem Unterfangen rasch erfahren und ihr rigoros alles verbieten. Es musste also heimlich geschehen. Und es musste vor allem dort geschehen, wo ihre Mutter niemals zum Einkaufen hinging.
Mr. Miles war neu im Ort. Er kannte die Familien sicherlich, aber nicht ihre Gepflogenheiten. Er war niemand, der etwas davon hatte, sich bei den McKays anzubiedern, um anschreiben zu lassen oder einen Vorteil bei einer Stadtratssitzung zu erhalten.
Und ihre Mutter lehnte die Bäckerei als modernen Unfug ab. Sie buk selbst! Basta.

Wieder holte Martha tief Luft und wandte sich dem Laden zu. Es musste heute geschehen. Sie hatten etwas früher Schulschluss und sie hatte Ben nach Hause geschickt, mit der Nachricht für die Eltern, dass Martha der Lehrerin etwas helfen musste... So konnte sie sich Zeit von ihren Pflichten abzwacken, ohne dafür gleich mit Strafe rechnen zu müssen. Aber sie konnte keine Stunde vor diesem Laden auf und ab gehen - sie würde nachhause müssen. Irgendwann.

Martha straffte die Schultern und öffnete schließlich die Ladentür. Graham würde stolz auf sie sein. Oder nicht? Der Gedanke ließ sie kurz ein wenig lächeln. Dann war sie bereit den Laden mit einem schwungvollen "Guten Tag" zu betreten - immerhin wusste sie, dass niemand im Laden als Kundschaft weilte - dafür hatte sie den Laden zu lange beobachtet. Sie war erst einmal sicher, als sie hineinschlüpfte...


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Logan Miles - 28.03.2026

Always have a willing hand to help someone,
you might be the only one that does.

- Roy T. Bennett

Outfit (Die Haare nicht so glatt)

Heute zog sich der Vormittag endlos.
Tief durchatmend, überblickte Logan seine Notizen für die bisherigen Einnahmen. Es war nicht viel.
Er würde einige der Brötchen, die er heute nicht verkaufen konnte, morgen zu etwas anderem verarbeiten müssen, um den Verlust aufzufangen. Und die trockenen Kuchen in kleinere Stücke teilen und zu einem günstigeren Preis ein weiteres Mal anbieten.
Es wäre gelogen, wenn er sich durch solche Rückschritte nicht auch etwas entmutigen ließe. Auch ihm kamen Gedanken, ob es wahrlich das Richtige war, in einer so kleinen und teilweise noch rückständigen Stadt eine Bäckerei zu eröffnen. Woanders hatte man schon längst den Vorteil erkannt, sich Dinge kaufen zu können anstatt selbst Zeit mit dem Backen zu verschwenden. Doch hier gab es auch viele arme Leute. Die Stadt bekam zwar gerade einen spürbaren Zuwachs, doch davon waren die Wenigsten diejenigen, die sich einen gewissen Luxus erlauben konnten.
Er würde nicht aufgeben. Diesen Satz intonierte er immer wieder. Gott führte ihn hierher und das nicht ohne Grund. Und nur weil er diesen noch nicht erkannt hatte und der Werg dorthin steinig zu sein schien, war es ihm nicht erlaubt, Gottes Entscheidung anzuzweifeln. Er testete ihn, wollte wissen ob er sich als würdig erwies. Und das wollte der Dunkelhaarige beweisen. Er überstand auch diesen Tag, an dem die Geschäfte etwas weniger gut liefen. Ein paar Gespräche konnte er schon führen und besonders eines davon hatte ihn froh gestimmt. Eine Frau, die bereits zum zweiten Mal hier war, berichtete ihm davon, ihrer Freundin von ihrem Einkauf erzählt zu haben und diese wollte nun auch vorbeischauen.

Ihm war klar, dass er auf diese Neugier bauen musste. Er konnte niemanden zwingen, er konnte nur freundlich sein und sich interessant machen. Gerade genug um nicht negativ aufzufallen. Und er zählte darauf, genau diese Gradwanderung zwischen ungewollt und zu interessant um es ignorieren zu können, hinzubekommen. Denn nur so konnte er es hier schaffen. Die Leute gaben vor, eine Bäckerei sei unnötig und doch war das, was er anbot neu und unerwartet.
Logan nahm sich ein Stück eines Brotes, riss es in der Mitte auseinander und aß davon. Schließlich war bereits Mittag vorbei und sein Tag begann früher als der der meisten anderen Bewohner. Da war es nur gut und recht, wenn er das, was er seinen Kunden anbot auch selbst probierte, wenn er etwas Hunger bekam.
Sein im Krieg verletztes Knie etwas entlastend, stand er hinter dem Tresen und las die Titelseite der Zeitung, die er mittlerweile unter dem Notizblock hervor gezogen hatte. Es war gut, informiert zu sein.
Er kam allerdings nicht allzu weit in seinem Studium, als mit einem Mal die kleine Glocke über der Türe erklang und einen Besucher ankündigte. Besser gesagt eine Besucherin. Ein junges Mädchen, doch davon ließ Logan sich nicht abschrecken. Sie könnte von ihrer Familie geschickt worden sein. Oder bereits Verantwortung übernommen haben. Auch das war ihm ihm bereits untergekommen. Mit einem geschäftsmäßig freundlichem Lächeln, schob er die Zeitung beiseite und sah die Hereintretende an. "Hallo junge Dame. Wie kann ich dir helfen? Oder möchtest du dich erst ein bisschen umsehen?"


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Martha McKay - 27.04.2026

Martha war noch nicht ganz durch die Tür mit dem Bundglasfenster eingetreten, aber sie spürte jetzt schon, dass das Innere der Bäckerei ganz anders als erwartet war. Sie hatte nicht viele Vergleichsmöglichkeiten. Da war der eigene Gemischtwarenladen, in dem alle möglichen Gerüche in der Luft hingen - Gewürze, Leder, Öle, Essig und Saatgut - und natürlich die anderen Geschäfte, die aber meistens nur über ein Sortiment verfügten. Alle Geschäfte waren entweder klein und eng oder wie zuhause mit Regalen gefüllt. Auch die Bäckerei war nicht überdimensioniert, aber gut einsehbar. Die Verkaufstheke nahm mit ihrer Auslage einen großen Teil ein und Marthas Augen fingen zu leuchten an - so viel Backware auf einem Fleck! Und es duftete ganz verführerisch. So, wie ihre Küche immer angenehm roch, wenn Ma das große Backen anfing. Sie schloss die Tür, als die Stimme eines Mannes ihren Gruß erwiderte und sie ihn mit einer Zeitung in den Händen hinter dem Tresen entdeckte.

Ein schüchternes Lächeln nahm ihr Gesicht ein, als sie unschlüssig bei seiner Frage an der Tür stehen blieb und ihre Augen damit beschäftigte, seine Auslage genauer zu studieren. Sie entdeckte vertrautes - Brot, Brötchen, Pies... Aber es gab eine Menge, die sie nur zu Weihnachten zu Gesicht bekam oder am eigenen Geburtstag. Zu vieles von dem, was er anbot, verlangte Zeit und Arbeit ab, die in der Routine ihres Daheims kaum Platz fanden.

Die Zeitung wanderte zur Seite und Martha hob ein wenig ihren Blick. Sie fühlte sich wie so oft gemustert und wusste nicht so recht, wie sie sich zu verhalten hatte, um einen guten Eindruck zu machen. Schließlich gab sie sich aber einen Ruck und trat etwas auf die Theke zu. "Ich bin nicht hier um etwas zu kaufen," sagte sie mit leiser Stimme und einem entschuldigenden Ton. "Ich... ich suche... Arbeit?", ihre Stimme klang unsicher, als sie dabei noch näher trat und den Mann, von dem sie immerhin wusste, dass er Logan hieß, besser betrachten konnte. "Und brauche dringend Arbeit. Ich ... dachte... vielleicht könnten sie jemanden im Verkauf benötigen?"


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Logan Miles - 02.05.2026

Wenn er etwas in der Zeit, in der er nun schon hier war, gelernt hatte, dann war es die Tatsache, dass so gut wie alle Besucher, die seinen Laden zum ersten Mal betraten, erst einmal Zeit benötigten. Zeit sich umzusehen, alles in sich aufzunehmen und nicht selten, den Anblick zu verarbeiten, so viele Kuchen auf einmal zu sehen. In vielen Familien gab es solche Dinge nur zu besonderen Anlässen, denn der Alltag ließ es schlichtweg nicht zu, so viel Zeit dafür aufzubringen. Auch das war eine seiner Hoffnungen, dass die Leute irgendwann einsahen, dass sie es selbst zwar billiger herstellen konnten, doch sich eine Menge Zeit sparen konnten. Bis dahin würde er sich aber noch in Geduld üben müssen. Die Mühlen mahlten hier etwas langsamer und er durfte nichts erzwingen oder überstürzen.
Sicherlich würde er bei einer der nächsten Festivitäten die hier in der Stadt stattfanden, etwas dazu beitragen können, sich noch mehr ins Gespräch zu bringen.
Genau nach solchen Möglichkeiten suchte er gerade, als sich die Türe öffnete und eine weitere, vermeintliche Kundschaft eintrat, die sich, wie so viele vor ihr, auch erstmal umsehen musste. Der Bäcker gab ihr diese Zeit. Er war nicht in Eile. Sein Tagwerk war getan und wartete nun auf den Regalbrettern und auf der Theke darauf, verkauft zu werden. Er wagte sich mittlerweile sogar daran hier und da etwas mehr zu backen, schlichtweg, damit es nach mehr aussah. Wenngleich er diese Taktik schon wieder überdachte, denn zu viel Überfluss machte auch einen schlechten Eindruck was die Verkaufskraft anging, nicht wahr?

Ach, um all das hatte sich seine liebe Frau gekümmert. Bei ihr sah das immer so einfach aus. Sie teilte ihm mit, wie viele Aufträge sie hatten, und was am Vortag verkauft wurde. Anhand dessen erarbeitete sie für den nächsten Tag alles, was getan werden mussten. Sie konnte gut mit Zahlen umgehen und war der Sonnenschein hinter der Verkaufstheke. Viele der Leute kamen nur, um ein paar Worte mit ihr zu wechseln oder sogar ein kurzes Gespräch zu führen. Sie hatte für alle ein offenes Ohr, ein Lächeln und gute Wünsche.
Er war immer nur der Bäcker gewesen, der sein Handwerk liebte und darin aufging. Er verstand wie man Kuchen und Brote backte, doch weniger, wie man sie verkaufen konnte.
Das man seinen Kunden jedoch die volle Aufmerksamkeit schenken sollte, war ihm sehr wohl bewusst und so bekam diese die junge Dame auch in vollen Umfang von ihm.
Sie schien nervös zu sein. War sie hier ohne die Erlaubnis ihrer Eltern? Wollten sie sich nur mal umsehen? Das wäre natürlich etwas ungünstig für ihn, doch noch schwieg er und ließ ihr Zeit, die richtigen Worte zu finden. Und als das geschehen war, war er es, der etwas überrumpelt dreinblickte. Also das war jetzt auch noch nicht so oft vorgekommen. "Arbeit?" Wiederholte er wenig konstruktiv und eigentlich auch nur, um sicher zu gehen, dass er es richtig verstanden hatte. "Du willst hier arbeiten?" Als hätte er seinen Laden selbst noch nicht richtig gesehen, sah er sich um. Die klare Antwort war ein deutliches Nein. Er suchte niemanden. Schließlich musste er noch zusehen, wie er selbst über die Runden kam. Doch noch scheute er zurück, dies auszusprechen. Etwas an dem Mädchen ließ sie sehr verzweifelt wirken. Und war Nächstenliebe nicht eines der obersten Gebote?

Daher bekam sie die Ablehnung nicht so zu hören, wie es wohl besser gewesen wäre. Gerade noch hatte er darüber sinniert, wie schwer er sich hier vorne im Verkaufsbereich tat und nun stand diese junge Frau vor ihm und fragte nach einer Tätigkeit als Verkäuferin? Logan glaubte nicht an Zufälle. Es war ein weiterer Hinweis des Herrn, der ihm damit zeigte, er stand ihm bei und er war auf dem richtigen Weg. Wie könnte er da also ablehnen? "Nun, um gleich von Anfang an ehrlich zu dir zu sein. Eigentlich suche ich niemanden. Die Bäckerei gibt es ja noch nicht so lange und wie du siehst, ist der Andrang noch nicht so viel." Er lächelte etwas schief, doch bevor das Mädchen auf dem Absatz kehrt machte, fuhr er schnell fort. "Aber erzähl mal. Hast du denn Erfahrung im Verkauf und kannst du rechnen? Also mit Geld umgehen?"


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Martha McKay - 08.06.2026

Martha lächelte weiter, ein bisschen schüchtern, aber auch voller Zuversicht, obwohl sie dem Mann deutlich ansehen konnte, dass sie ihn mit ihrer Frage komplett überrascht hatte. Er hakte auch nach, in dem er einfach wiederholte, was sie gesagt hatte, fast so, als hätte er sie nicht verstanden und ihr blieb nur ein kräftiges Kopfnicken. Er hatte sie richtig verstanden. Sie suchte Arbeit.
Und offensichtlich hatte er ihre Anfrage noch immer nicht ganz verarbeitet, denn auch mit seinen nächsten Worten wiederholte er nur wieder jene von Martha. Langsam fing sie darüber dann doch zu grinsen an und nickte wieder.

"So ist es, Sir," sagte sie anschließend, etwas ruhiger im Ton und nicht mehr ganz so nervös und aufgeregt wie eben, als sie ihre Bitte so rasch wie möglich hatte loswerden wollen. Sie bemühte sich auch rasch um einen etwas ernsteren Gesichtsausdruck, denn sie wollte seriöse wirken. Dass er sie nicht gleich aus dem Laden jagte, war ein gutes Zeichen. So wollte es Martha zumindest positiv betrachten. Aber was noch nicht war, konnte noch werden... Sie wollte hoffen, aber nicht zu sehr. Vielleicht sollte sie dem Mann erzählen, dass sie Erfahrung mit sich brachte? Aber dann würde sie ihm auch berichten müssen, woher sie kam... Darüber hatte sich Martha natürlich kaum Gedanken gemacht...

Der Mann ergriff jedoch vor Martha erneut das Wort und vernichtete all ihre Hoffnungen - er suchte niemanden. Dabei überhörte sie das Wort "eigentlich", das ihr aufgezeigt hätte, dass es noch im Möglichen lag. Ihr Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an und ihre Schultern sackten etwas in die Tiefe. Sie sah sich kurz erneut um und musste zugeben, dass die Bäckerei in der Tat recht klein war und sich daher wahrscheinlich auch keine zweite Kraft leisten konnte. Sie seufzte und wollte sich schon artig für seine Zeit bedanken, um sich zum Gehen zu wenden, als er sie nach ihrer Erfahrung fragte und nach ihrem Können. Das ließ sie zögern. Statt zu gehen, blieb sie stehen, statt sich für seine Mühen zu bedanken, erhellte sich ihr Gesichtsausdruck und nickte eilig. "Ich kann rechnen und lesen. Ich gehe sogar noch zur Schule. Und ich arbeite im Laden meiner Eltern. Ich mache das schon seit ich...," sie rechnete schnell rückwärts. "Seit ich zehn Jahre alt bin. Kunden schrecken mich nicht. Ordentlich und sauber kann ich arbeiten, das hat mir meine Ma beigebracht," eingebläut, dachte Martha mit einem inneren Seufzen, aber lächelte weiterhin nach außen den Mann freundlich an. Er würde sie nun bestimmt gleich fragen, wieso sie nicht weiterhin bei ihren Eltern arbeiten wollte oder konnte ... und sie beschloss ihm zuvor zu kommen - nur musste sie aufpassen was sie ihm wie erzählte...

"Meine Eltern zahlen mir natürlich keinen Gehalt. Sie sehen darin eine Art... Zurückzahlung für all die Dinge, die sie als Eltern für ihre Kinder tun... Aber ich möchte... Ich werde bald selbst eine Familie gründen und daher brauche ich dringend einen Ort, an dem ich Arbeiten kann und mein eigenes Geld verdiene." Das war die Wahrheit. Aber nicht zu viel davon. Wenn er trotzdem Fragen stellen würde... würde Martha wohl oder übel noch mehr berichten müssen. Sie war nicht zum Lügen erzogen worden und obwohl sie in den letzten Jahren genau das immer wieder getan hatte, um den Zwängen ihrer Eltern zu entkommen, hatte sie nicht vor Mr. Miles anzulügen. Sie brauchte Arbeit. Und Geld. Damit sie einfach von Zuhause weglaufen konnte...


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Logan Miles - 27.06.2026

So oft schon hatte Logan sich vorgenommen, sich nicht von einem traurigen Frauengesicht beeinträchtigen zu lassen. Doch wie jedes Mal, berührte es ihn auch jetzt, als er regelrecht zusehen konnte, wie das Mädchen auf der anderen Seite des Tresens über seiner Erwähnung, er suchte niemanden, enttäuscht wurde. Es tat ihm immer wieder weh, vielleicht weil er keine Frau weinen sehen konnte. Aber mehr vermutlich noch, weil sie so jung war. Alt genug selbstredend um bereits arbeiten zu können, daran sollte es nicht scheitern. Aber ihr Blick war noch der eines jungen Mädchens. Er selber hatte das Geschenk Vater zu werden, niemals bekommen und er trauerte bis heute um seine Frau und das ungeborene Kind. Bei weitem wäre dieses Kind noch nicht so alt wie die junge Dame, die da vor ihm stand. Aber vielleicht wäre es ein Mädchen geworden und hätte ihn eines Tages auch mit derart großen, interessierten und wachsamen Augen angesehen. Sie bestätigte ihm seine Frage, die er nur nochmal wiederholte, damit er sich absolut sicher sein konnte. Immerhin war seine Bäckerei noch nicht so lange eröffnet und auch er kannte die Streiche, die man sich als Kinder untereinander ausdachte. Er selber war damals hin und wieder sogar bei so etwas mit dabei gewesen und daher konnte er sich gut vorstellen, dass man diese Schülerin hier vorschickte, damit sie vorgeben sollte eine Anstellung zu suchen um herauszufinden, wie er darauf reagierte. Oder vielleicht war es auch schlichtweg eine Mutprobe, denn nervös genug wirkte sie beim Hereintreten. Diese Vermutung aber sollte sich nicht bewahrheiten, denn sie schien tatsächlich auf der Suche nach einer Anstellung zu sein.

Trotzdem, dass er im Hinterkopf hatte, sich niemanden leisten zu können, wollte er ihre Qualifikationen wissen. Was er zu hören bekam, ließ erkennen, dass sie immerhin aus einem soliden Haushalt kommen musste. Leute vom Land, hatten weniger Interesse daran, ihren Kinder auf eine Schule zu schicken, wie er aus eigener Erfahrung in seiner Jugend wusste. Nachdem er von Zuhause weggegangen war um dem ewig gleichen Trott der Unterwürfigkeit zu entkommen, arbeitete er auch auf einigen Farmen. Und die Kinder dort, halfen stets viel mehr auf den Feldern, alsdass sie die Schulbank drückten. Neben der Tatsache, dass sie tatsächlich in der Lage war, verantwortungsvoll mit dem Wechselgeld umzugehen, wenn sie hier hinter der Kasse stehen würde, erfuhr Logan noch einiges mehr. Verwundert zog er eine Augenbraue nach oben, als die erwähnte, bisher im Laden ihrer Eltern gearbeitet zu haben. Und tatsächlich drängte sich ihm die Frage auf, warum sie nun bei ihm vorsprach. Doch dies musste ihm allzu deutlich an der Stirn abzulesen gewesen sein, denn die Jüngere fuhr fort, ihm dies auch noch zu beantworten. Von der anfänglichen Schüchternheit war momentan gar nichts mehr zu vermerken. Was ebenfalls ein Pluspunkt für sie war, denn mit jemandem, die sich nicht traute, mit den Kunden überhaupt ein Wort zu sprechen, konnte er auch nichts anfangen. Wenn sie sich hier mal eingearbeitet hatte, sollte sie eine gewisse Beratung übernehmen. Und wenn es stimmte, dass Kunden sie nicht abschreckten, wäre das für ihn von Vorteil. Schließlich konnte er die Zeit, die er hier nicht im Laden stehen musste, hinten in der Backstube verbringen und den Auftrag von Mr. Simones erledigen. Mit Miss Lundin war er schon ins Gespräch gekommen, sie war auch schon hier gewesen um sich ihr mögliches Arbeitsumfeld anzusehen. Jede Hilfe, die er bekommen konnte, war daher Gold wert.

Während er schon darüber nachdachte, wie er aus der gegebenen Situation das Beste machte, hatte seine Gegenüber aufgehört zu reden. Es war nicht so, dass er ihr nicht mehr zugehört hatte. Aber auch nicht die ganze Aufmerksamkeit schenkte, wofür er sich gedanklich bei ihr entschuldigte. "Gut, ich verstehe. Du würdest also alle Voraussetzungen mitbringen, die es braucht, um eine gute Verkäuferin zu sein. Und du möchtest dir dein eigenes Geld verdienen. Auch das ist verständlich und, wenn ich so ehrlich zu dir sein darf, gefällt mir das sehr. Auch ich habe mich damals von meiner Familie gelöst, weil ich mir mehr erwartet habe. Du wirst aber sicherlich verstehen, dass ich dich fragen muss, ob deine Familie damit einverstanden ist. Wenn du sagst, ihr habt hier einen Laden und du dort schon seit einigen Jahren arbeitest, kennt man euch. Ich hingegen fange gerade erst neu an und kann mir keinen Ärger erlauben. Ich hoffe du kannst das nachvollziehen." Daraufhin deutete er auf eines der Regale neben dem Verkaufstresen. "Bist du denn auch gewillt so viel wie möglich über die verschiedenen Backwaren zu lernen? Ich werde die Zeit nutzen, wenn du hier bist und hinten in der Backstube arbeiten. Es wäre nicht von Vorteil, wenn du bei jeder Frage zu mir gelaufen kommen musst." Es klang nicht übertrieben streng oder gar bevormundend. Eher wollte Logan damit herausfinden wie wichtig der jungen Dame der Job wirklich ist. "Und ich will auch gleich ehrlich sein, dass ich dir nur wenig ausbezahlen kann. Ich erhoffe mir einen wichtigen Auftrag zu sichern. Dann können wir auch über mehr Lohn für dich sprechen. Aber dafür muss ich eben wirklich viel in der Backstube stehen."


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Martha McKay - 23.08.2026

Aber wie viel der Wahrheit würde Mr. Miles vertragen? Das war eine gute Frage, die sich ihr sofort aufdrängte. Sie hatte schon viel zu viel über sich verraten. Mr. Miles konnte mit diesem Wissen sogar zu ihren Eltern laufen, um sie zu verpetzen. Er war schließlich ein erwachsener Mann, der seine Verantwortung darin sah, junge Menschen vor Schaden zu bewahren. Das spielte sich in verschiedenen Mustern immer wieder so in Marthas Leben ab, dass sie selbstverständlich nicht davon ausging, dass sie diesem fremden Mann einfach anvertrauen durfte, dass sie von Graham schwanger war und plante wegzulaufen.
Das wiederum brachte sie gleich zur nächsten Frage - wie bekam sie dann einen Job?

Während sie dastand und sich selbst ein paar Dinge durch den Kopf gehen ließ, entging ihr das lange Schweigen. Erst als es ihr etwas unangenehm auffiel sah sie auf zu Mr. Miles. Der wirkte ähnlich nachdenklich. Dachte er wirklich darüber nach sie einzustellen? Andernfalls hätte er wahrscheinlich schon längst mit Nachdruck sein nicht bestehendes Interesse verkündet.

Wieder machte sich in Martha Hoffnung breit und sie biss sich auf die Unterlippe. Gespannt wartete sie auf eine Erwiderung, die schließlich kam und ganz anders klang, als sie befürchtet hatte. Er zeigte sich nämlich durchaus an ihren Voraussetzungen interessiert und zeigte Verständnis für ihr Anliegen. Dummerweise war ihm natürlich aufgefallen, dass sie noch viel zu jung war, um sich von zu Hause zu lösen und dass es Menschen im Ort gab, die eventuell etwas gegen ihre Anstellung haben könnten. Sie war sich in diesem Moment sicher, dass, wäre sie ein junger Mann gewesen, 15 Jahre alt, kein Mensch sich dafür interessiert hätte woher er kam oder ob ihm eine Arbeit gestattet wurde. Sie seufzte innerlich. Mädchen zu sein war wirklich doof.
Sie überlegte, wie sie es hinbekommen sollte, dass sie nicht nur zuhause arbeiten konnte, um auch hier arbeiten zu dürfen, sondern es vor allem zu tun, ohne das es ihre Eltern erfuhren. Ihr Vater würde den Teufel tun ihr die Erlaubnis zu erteilen. Und Ma? Da konnte sie froh sein, wenn sie ihrer Tochter nicht gleich den Unsinn mit dem Kochlöffel auszutreiben versuchte.
Die Wahrheit war undenkbar. Eine Lüge jedoch auch. Es musste nur ein Kunde ihrer Eltern im Laden auftauchen, dann wüsste Mr. Miles sofort woher sie stammte und umgekehrt war es natürlich auch kein Deut besser. Allerdings konnte Martha ihre Schwangerschaft zu Hause nicht mehr länger verheimlichen. Ihr Bauch wuchs. Noch dachte jeder Martha würde wieder zu viel naschen. Und sie nahm dafür die Rüge und gelegentlich den Klopfer auf ihre Finger von ihrer Mutter gerne in Kauf. Besser als das, was mit ihr geschehen würde, wenn sie die Wahrheit wüssten.
Sie konnte dem Moment der Wahrheit aber nicht vorweggreifen. Ihr Plan, gut abgesichert zu sein, wenn ihre Eltern sie auf die Straße setzten, um zu Graham zu ziehen, musste in die Tat umgesetzt sein, bevor sie herausfanden, dass sie schwanger war. Und sie sollten es von ihr hören, nicht von einem Bäcker.

"Oh, das ist kein Problem," sagte sie zunächst so ruhig und gelassen wie möglich. "Meinen Eltern gehört der Gemischtwarenladen. Und mein Pa sagt immer, er begrüßt es, wenn seine Kinder begreifen, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Wenn ich ihm erkläre, dass ich für meine Zukunft spare, wird er nichts dagegen haben. Ich kann Ihnen natürlich gerne eine Nachricht meiner Eltern das nächste Mal mitbringen, in dem sie mir die Arbeit erlauben?" Natürlich selbst aufgesetzt und mit gezinkter Unterschrift, aber das musste niemand außer ihr wissen...

Seine Bedingung dagegen ließ sie rasch nicken. "Natürlich Mr. Miles. Ich lerne schnell. Das fällt mir nicht schwer," wer genau wusste wo alles im Laden seiner Eltern stand, um eben nicht den Ärger seines Lebens zu riskieren, weil er ständig mit Fragen gelaufen kam, würde auch im Stande sein zu lernen, was in den Broten für Zutaten waren. Dann strahlte sie auf einmal. "Heißt dass denn, sie würden mir eine Chance geben? Ich arbeite auch für wenig. Es ist besser als nichts." Denn nichts bekam sie bereits schon von ihren Eltern.


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Logan Miles - 01.09.2026

Tatsächlich hatte er mit vielem gerechnet, als er den Entschluss fasste, hier sesshaft zu werden. Zuerst verdiente er sich seine ersten Münzen als Packer am Bahnhof, doch als dieser aufgrund des Überfalles nicht mehr angefahren wurde, musste er sich eine neue Beschäftigung suchen. Oft genug war er an diesem leerstehenden Gebäude vorbeigegangen, blieb stehen, betrachtete es und überlegte. Seine Trauer war zu groß gewesen, als dass er sich vorstellen könnte, ohne seine geliebte Frau nochmal eine Bäckerei betreiben zu können. Doch je öfter er vor dem Gebäude stand umso wirklicher wurde der Wunsch, hier wieder Leben hinein zu bringen. Er war Bäcker, keiner der mit seinem verletzten Knie schwere Koffer und Kisten herum schleppte. Bis dahin hatte er sich gefühlt wie ein Blatt, welches vom Wind herumgeweht wurde. Nach seinem Verlust gab es kein Ziel mehr für ihn. Er war geflüchtet ohne wirklich zu wissen, wohin er gehen wollte. Manch andere Ortschaften hatte er auf seinem Weg hierher durchquert und keine davon hielt ihn wirklich lange. Aber diese Bäckerei hier, war etwas besonderes. Logan wusste, es war der Wille des Herrn und sicherlich auch der seiner Frau, die von dort oben aus auf ihn aufpasste, welcher nun dazu führte, dass er hier stand. Aber wahrlich nicht ohne Schwierigkeiten zu umgehen. Er hatte damit gerechnet, die Pacht nicht übertragen zu bekommen, weil er von außerhalb kam. Doch diese Befürchtung erfüllte sich nicht. Es hätte auch Probleme geben können, Handwerker zu finden, die ihm bei den gröbsten Arbeiten am und im Haus helfen wollten, doch auch hier fanden sich einige helfende Hände die er bezahlen konnte. Das Einzige was sich bewahrheitete war das Misstrauen und die Nichtbeachtung der Siedler hier. Sein Konzept war neu und Camden noch zu klein um die Vorteile darin zu erkennen. Die größeren Städte im Umkreis hatten schon längst die Zeitersparnis erkannt. Aber dort lebten auch mehr Siedler, die sich einen Einkauf außerhalb auch leisten konnten.

Logan hatte auf die Goldgräber gehofft, die in ihrer Zeltstand ohnehin unter widrigen Bedingungen lebten und sich daher Gedanken gemacht, wie er möglichst einfache Kost anbieten konnte, welche zu einem niedrigen Preis erschwinglich war. Mehr als nur der übliche Zwieback. Mit was er aber eindeutig nicht gerechnet hatte war die Anfrage einer Heranwachsenden, ob sie bei ihm eine Arbeit bekommen konnte.
Seine Nachfragen beantwortete sie ihm wahrheitsgemäß. So zumindest sein Eindruck. Und als er von der Einstellung ihres Vaters hörte, konnte er dies nur nickend unterstreichen. "Da gebe ich deinem Vater vollkommen Recht. Nur die Tüchtigen werden belohnt." Ein Grundsatz, nach dem er auch tagtäglich lebte. Der Gemischtwarenladen also. Logan hatte ihn bereits besucht und einige Besorgungen dort gemacht. Martha wusste also wirklich, von was sie sprach, wenn sie dort auch bereits aushalf. Auf ihren Vorschlag mit dem Schreiben der Eltern hin, nickte der Dunkelblonde. "Ja, das ist sicherlich für uns alle von Vorteil. Es sollen keine unguten Gerüchte aufkommen." Wie schnell das in jeder Stadt vorkam, musste er der jungen Damen ja sicherlich nicht erklären. Sie war alt genug und hatte dies bestimmt selbst schon mitbekommen. Der Platz hinter einem Verkaufstresen ist immerhin ein guter Umschlagplatz für Informationen. Da unterschied es sich wohl kaum, welches Geschäft man betrat.
Ihre enthusiastische Zustimmung, was ihre Lernfähigkeit betraf, ließ den Älteren schmunzeln. Arbeitswille brachte sie schonmal mit, was ein gutes Zeichen war. Aber wenn sie mit den Worten ihres Vaters aufwuchs, war auch nichts anderes zu erwarten.
Daher überlegte er auch nicht mehr lange. Es war auch für ihn eine Erleichterung, wenn er sich nicht gleichzeitig auf den Verkaufsbereich konzentrieren musste und hinten auf die Brote im Ofen achten. "Ja, das heißt es." Nickte er ihr zu. "Ich erwarte Pünktlichkeit und Sauberkeit. Aber das dürfte dir ja bereits geläufig sein. Bevor du verkaufst, wäschst du bitte deine Hände. Ich habe hinten in der Backstube eine Schüssel mit Wasser und Seife. Das ist mir wichtig." Es gab schließlich nichts was unansehnlicher war als eine Verkäuferin, die mit dreckigen Nägeln einen Laib Brot anfasste und ihn dann verkaufen wollte. "Ab wann kannst du anfangen?"


RE: A Job, Please… and Liberty on the Side - Martha McKay - 01.10.2026

Martha nickte eifrig, als Mr. Miles ihrem Vater zustimmte, und versuchte dabei möglichst so auszusehen, als würde sie diese Ansicht ebenfalls aus tiefster Überzeugung teilen. Tat sie ja auch. Irgendwie. Sie wollte schließlich arbeiten. Nur hätte sie nichts dagegen gehabt, wenn die Tüchtigen in ihrem Elternhaus gelegentlich auch mit ein paar Münzen belohnt worden wären und nicht bloß mit der Aussicht, am nächsten Morgen wieder genauso tüchtig sein zu dürfen. Und wehe wenn nicht..
Viel wichtiger war ohnehin, dass Mr. Miles die Sache mit der Nachricht ihrer Eltern für eine gute Idee hielt. Marthas Lächeln geriet für einen winzigen Moment ins Stocken. Gut. Dann brauchte sie jetzt also nicht nur eine Ausrede dafür, weshalb sie regelmäßig nach der Schule verschwinden musste, sondern auch noch eine schriftliche Erlaubnis ihrer Eltern. Mit Unterschrift. Vermutlich der ihres Vaters. Martha hatte noch nie seine Unterschrift gefälscht. Sie war gut in der Schule. Gut genug, um nicht auch dafür noch ständig Ärger zu bekommen. Das machte sie nun doch ein bisschen nervös. Wenn es herauskam... Sie wollte es sich erst gar nicht ausmalen.
Der Gedanke war kaum zu Ende gedacht, da sagte Mr. Miles tatsächlich jene Worte, auf die sie die ganze Zeit gehofft hatte. Eine Bestätigung seiner Zusage.

Martha blinzelte ihn einen Augenblick lang einfach nur an. Dann breitete sich ein so strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus, dass sämtliche Bemühungen, besonders erwachsen und geschäftsmäßig aufzutreten, mit einem Schlag dahin waren.

"Sie meinen das wirklich?" Natürlich meinte er es wirklich. Er erklärte ihr schließlich bereits seine Bedingungen und Martha nickte bei jeder einzelnen davon so eifrig, dass es beinahe aussah, als fürchtete sie, er könnte seine Meinung wieder ändern, wenn sie auch nur eine Sekunde zu lange darüber nachdachte. "Pünktlich. Natürlich. Und sauber auch." Ihre Ma hätte vermutlich einen Anfall bekommen, wenn irgendjemand behauptet hätte, eines ihrer Kinder könne nicht ordentlich arbeiten oder nicht sauber sein. Beim Hinweis auf das Händewaschen nickte Martha deshalb erneut. "Das mache ich sowieso. Zuhause auch. Vor allem wenn ich mit Lebensmitteln arbeite."

Das zumindest war keine Lüge. Sauberkeit gehörte zu den Dingen, bei denen ihre Mutter keinerlei Nachlässigkeit duldete, und Martha hatte wenig Interesse daran, herauszufinden, was geschah, wenn sie mit schmutzigen Händen an Lebensmittel ging. Erst seine letzte Frage brachte ihren gerade gewonnenen Enthusiasmus etwas ins Wanken.

"Anfangen?" Martha hatte sich so viele Gedanken darüber gemacht, wie sie Mr. Miles davon überzeugen konnte, ihr Arbeit zu geben, dass sie erstaunlich wenig darüber nachgedacht hatte, wie sie diese Arbeit anschließend tatsächlich vor ihren Eltern geheim halten sollte. Sie ging zur Schule. Danach wurde sie zuhause erwartet. Im Laden gab es immer etwas zu tun und wenn nicht im Laden, dann im Haushalt. Einfach jeden Nachmittag mehrere Stunden zu verschwinden, würde spätestens am zweiten Tag Fragen aufwerfen. Wahrscheinlich schon am ersten.

"Ich könnte..." Sie verstummte und biss sich kurz auf die Unterlippe. Nein. Jetzt bloß nicht den Eindruck erwecken, als hätte sie es sich anders überlegt. "Ich könnte schon diese Woche anfangen", entschied sie schließlich und sah wieder zu ihm auf. "Nach der Schule. Nicht jeden Tag gleich lang, weil ich meinen Eltern natürlich auch weiterhin helfen muss. Aber ich könnte Ihnen sagen, an welchen Tagen ich kommen kann. Und wenn Sie mir vorher sagen, wann Sie mich besonders brauchen, kann ich versuchen, das einzurichten." Das klang vernünftig. Erwachsen sogar. Zumindest hoffte Martha das. Aber vielleicht... vielleicht konnte sie ja behaupten, dass sie einer Mitschülerin beim Lernen helfen wollte? Und als gute Christin mit Nächstenliebe, konnte sie nicht nein sagen? Das würden ihre Eltern umgehend akzeptieren. Erleichtert atmete Martha durch. "Und die Erlaubnis bringe ich Ihnen vorher mit", fügte sie rasch hinzu.

Jetzt musste sie nur noch herausfinden, wie Pas Unterschrift eigentlich genau aussah. Aber dafür würde eine seiner Rechnungen in seinem Büro aushelfen...