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HAUS CLAYTON sick visit - Druckversion

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RE: sick visit - Emily Clayton - 28.03.2025

Unzweifelhaft war sie dabei, die Gehilfin Satans zu spielen, indem sie Gläser holte, damit ihr John – ihr eigener Mann! – mit einem verkommenen Halunken Whiskey trinken konnte. Sie erlitt tausend Tode, während sie ihre eben noch so brüsken Schritte verlangsamte, bis sie in der Küche angelangt fast nur noch schlich. Ihre weiten Röcke, die sich beim Abgang der kleinen Frau aufgeplustert hatten wie das Gefieder einer wütenden Elster, sanken in sich zusammen und schufen so ein passendes Gegenstück zu den absackenden Schultern der enttäuschten, mutlosen Britin. Es war so ungerecht, so unfair, so... gemein! Sie gab sie Mühe, bat, bettelte, wandte alle möglichen Listen an, bearbeitete John mit sanfter Beharrlichkeit, mit Geduld und unerschütterlicher Liebe, um ihn aus den Klauen des Gifts zu befreien, das Männern alle Menschlichkeit und Würde nahm, sie von treusorgenden Gatten zu unbeherrschten Bestien werden ließ – und dann kam dieser Tunichtgut daher, grinste sie an und machte all diese Plackerei mit einem Mal zunichte! Sie hätte weinen und, Gott verzeih ihr, fluchen mögen wie ein Droschkenkutscher über diese unsägliche Gemeinheit. Und nicht nur das, nein: John war sogar so weit gegangen, sie zu maßregeln – was sein gutes Recht als Ehemann war, aber doch nicht in der Öffentlichkeit! – und ihr mit seinem Befehl regelrecht die Pistole auf die Brust zu setzen. Sie konnte sich ja als gute Ehefrau nicht rundweg weigern, ihm zu gehorchen.

Ihre Lippen zitterten, als sie zwei kleine Gläser holte, sie aufs Tablett stellte, zögerte, sie dann wieder herunter nahm und zwei große dafür nahm. Oh, sollten sie sich doch sinnlos betrinken, diese beiden... Männer! Es war doch ohnehin alles verloren, das Werk Gottes verdorben, Emilys gute Absichten durchkreuzt, sie als fürsorgliche Ehefrau gescheitert. Bei dem Gedanken, dass sie kläglich versagt hatte, kamen ihr doch die Tränen. Sie nestelte ein Taschentuch aus der Schürzentasche, putzte sich die Nase und steckte es wieder weg, um sich mit dem Schürzenzipfel die feuchten Augen zu trocknen. Denn auch wenn ihr das Herz brach: Haltung bewahren – sie war schließlich Britin, und eine wohlerzogene dazu! Die Augen noch immer verräterisch schimmernd, aber das Gesicht eine neutrale Maske krampfhaft unterdrückter Enttäuschung und Trauer, trat sie den bitteren Rückweg an und bemühte sich wegzuhören, als sie die Stimmen der beiden Männer wieder aufklingen hörte. Stumm ging sie auf den Tisch zu, stellte die beiden Gläser ab, ohne die aus den Tiefen der Hölle gesandte Flasche auch nur mit einem Blick zu streifen, und trat dann zurück. Ihre ganze Haltung wie in der Zeit, als sie noch Johns Bedienstete gewesen war, die Hände vor dem Bauch gefaltet, der Rücken durch- und die Brust herausgedrückt, das Kinn leicht erhoben, blickte sie geradeaus und harrte weiterer Befehle ihres Herrn und Gemahls. Da sie nicht laut protestieren durfte, tat sie zumindest, was sie konnte, um ihre Missbilligung zum Ausdruck zu bringen: kein liebevolles Wort in Johns Richtung, kein strahlendes Lächeln für ihn, und für Moreau nicht einmal den Hauch einer Andeutung, dass sie ihn bemerkte.


RE: sick visit - Calvin Moreau - 18.04.2025

Für Calvin war es unverständlich, wie man Alkohol weder mögen noch trinken wollte. Es war das Lebenselixier von Männer, Frauen und, verdünnt, auch für Kinder! Es weckte die Lebensgeister, es verscheuchte Magenbeschwerden, es half bei Erkältungen, unangenehmen Stuhlgängen und überhaupt gegen jeden Schmerz, sei dieser körperlich oder nur seelisch zu spüren! Alkohol hatten sogar die Indianer für sich entdeckt! Wie in Gottes Namen konnten dann Frauen wie Emily so dagegen sein? Der Whisky passte sogar in die Teetasse und sah optisch sogar ganz hübsch aus!
"Genau.", grinste er und richtete seinen Blick neugierig und abwartend auf das Gesicht des Sheriffs. Dieser nippte am Whisky und schien zu überlegen, ob er sich auf den Spaziergang einlassen wollte oder nicht. Dabei war das doch gar keine moralische Frage! Viele Männer schlurften eine Weile gemeinsam herum, redeten über dies, plauderten über das und unterhielten sich angeregt über irgendein Thema.
Leider schienen die Zweifel bei Clayton zu überwiegen, was Calvin in seinem Grinsen innehalten liess. Oh. Der erste Satz traf ihn mehr, als er erwartet hatte, doch die nachfolgenden brachten sein breites Zahnlückengrinsen wieder zurück. Calvin lehnte sich leicht vor und fixierte den älteren Mann amüsiert und mit einem charmanten Lächeln. "Kommen Sie, Clayton. Nur weil Ihr Haar ergraut ist, bedeutet das nicht, dass Ihr Geist alt ist. Ausserdem verspreche ich Ihnen, keine Ideen unterzujubeln. Ich will nur ein Stück mit Ihnen spazieren gehen. So, wie es Männer nun einmal miteinander tun. Und mir täte ein Gespräch ohne Frauenohren und Frauenaugen auch mal ganz gut. Die sind nämlich überall. Sie wissen schon. Alcott. Im Saloon. Bei McKays. Überall."

Calvin lehnte sich in seinem Stuhl wieder zurück, griff nach der Teetasse und trank sie aus. Nicht einen, auch nicht nur zwei Schlucke. Er trank sie komplett leer. Der Whisky entfaltete bei ihm längst keine derartige Wirkung mehr, wie sie der Sheriff verspürte. Für Calvin war es wie Wasser. Also, besser als Wasser. Aber er trank ihn wie Wasser. Wasser mit Geschmack.
Als Clayton ihn jedoch wissen liess, dass seine heissgeliebte und verehrte Gattin in Calvin den Teufel sah - oder ihn dafür auch hielt - musterte Calvin ihn eine ganze Weile. Dann veränderten sich seine Gesichtszüge, er grinste, aber nicht nur belustigt, sondern diesmal auch mit echter Neugier und diesem flirtenden, gefährlichen Charme. "Meist ist der, der mit dem Finger auf einen anderen zeigt und diesen beschuldigt, derjenige, der die wahre Schuld in sich trägt. - Aber das glaube ich bei Ihrer Frau nicht. Sie ist nur... eine Frau. Frauen sind schwach, deshalb brauchen sie uns Männer ja." Er zuckte mit den Schultern. "Und wer könnte sie besser vor dem Teufel beschützen als sie, hm? Und das können Sie auch nur, wenn Sie mich besser kennenlernen würden, Clayton. Sie wissen nur, dass ich sehr schief singe und aus irgendeinem Grund vor Pistolenkugeln verschont bleibe. Sie könnten mich aber besser kennenlernen, wenn Sie sich mit mir unterhalten, ohne, dass Ihre Frau uns ablenkt." Mit ihrer reizvollen, wunderbaren Oberweite, die Calvin sich nur zu gerne etwas länger ansah. Dieses Wippen dieser hübschen Melonen, die von weichem, warmem Fleisch sprachen, von empfindsamen Nippeln und der hüpfenden Schwere in den Händen, wenn man sie keuchend festhielt, während die Britin rittlings sass und... - wenn man vom Teufel sprach! Da kam er auch schon.

Emily Clayton wirkte sehr verbissen. Sie war stumm wie ein Fisch, stellte ihnen Gläser auf den Tisch und machte durch ihre Haltung mehr als deutlich, dass sie gegen ihre eigenen Dämonen kämpfte. Calvin war der Störenfried und Clayton unternahm nichts, um ihn von seiner Veranda zu werfen. Das hätte er sicherlich tun können. Aber Calvin war ja nicht aus unehrenhaften Gründen hergekommen! Und ihn wegen eines Krankenbesuchs fortzujagen, war ja nun auch nicht gerade nett.
Die Frau des Hauses ignorierte ihn. Gekonnt. Calvin warf ihr einen prüfenden Blick zu, nahm dann aber die Gläser zu sich und füllte sie mit Whisky auf. "Eine Männerrunde, Clayton. Wie wäre es?" Gut, wenn er ignoriert wurde, konnte er Clayton nur noch deutlicher machen, dass das Leben in manchen Stunden ohne Frauen einfach besser war! Und mit der Runde meinte er weniger das gemeinsame Trinken von Alkohol als vielmehr den Spaziergang.


RE: sick visit - John Clayton - 22.04.2025

Johns Blick streifte Moreau, der kurz ernst dreinblickte, dann aber sein Grinsen wieder zeigte, bei dem die vertraute Zahnlücke aufblitzte. Seine Worte waren dafür bestimmt John wiederum zum Lachen zu bringen und mit einem Kopfschütteln merkte er an: "Ich verstehe ihren Punkt. Ein wenig breit machen sich die Frauenzimmer hier in der Gegend durchaus. Ich würde ihnen auch gerne folgen, aber die Sache mit dem Ohr," er zeigte auf den Verband. "Hat mich doch etwas mitgenommen. Dr. Walcott meint, ich brauche etwas Ruhe und Entspannung," er klopfte dabei auf den Verandastuhl. "Er meint damit das hier... Sitzen und den Vögeln beim Zwitschern lauschen. Nichts was ich könnte, aber wohl tun muss." Er sah dabei nachdenklich in seine Tasse, zuckte dann mit den Schultern, als Moreau an seiner Seite die Tasse in einem Zug leerte und - machte es ihm nach. Wer trank, um zu vergessen, hatte das Genießen verlernt. Etwas, das er wohl mit dem jüngeren Mann teilte und ihn kurz nachdenklich stimmte.

Ehrlich wie John war, ließ er Moreau schließlich auch wissen, welche Meinung Emily über den anderen teilte. Das schien Moreau für einen Moment zu treffen, doch er fing sich rasch und blieb gewohnt frech, charmant. Er drängte zu dem Spaziergang und das Auftauchen von Emily entband John von einer Erwiderung. Zum Glück ahnte John nichts von den Gedanken des Mannes an seiner Seite. Andernfalls hätte er ihn von der Veranda geprügelt...

John ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er war kein Mann, der überstürzt sprach – und in einem Moment wie diesem, wo Worte mehr Gewicht trugen als ein voller Patronengürtel, war es ohnehin besser, den Mund zu halten, als dummes Zeug zu reden. Emily stand da wie ein Mahnmal vergangener Ideale, eine Statue aus Stolz, Enttäuschung und britischer Beherrschtheit, die so starr wirkte, dass John fürchtete, sie würde in tausend Stücke zerfallen, wenn er sie nur ansah. Und Moreau, der selbstgefällige Bastard, lächelte, als wäre ihm das ganze Theater ein gut inszenierter Saloon-Schwank.

Der Sheriff lehnte sich im Stuhl zurück, legte die Hand locker auf die Armlehnen, um die Ruhe zu bewahren. Der Whiskey brannte ihm noch in der Kehle, Emily brannte in seinem Gewissen, und Calvin Moreau brannte sich langsam aber sicher wie eine Sonne in seinen Tag, die er nie bestellt hatte.
Und jener griff nach den Gläsern und befüllte sie mit Whisky. John wagte nicht zu Emily zu blicken. Er konnte ihre Gedanken dazu auch so in seinem Kopf laut und deutlich hören.

„Sie sagen das mit den Frauen, als wären sie Möbelstücke, Moreau,“ sagte John schließlich, seine Stimme rau, nicht laut, aber fest wie altes Eichenholz. „Aber Emily ist kein Beistelltisch. Sie ist meine Frau. Und ich hab mich in sie verliebt, weil sie Rückgrat hat, nicht trotz.“ Er drehte die Teetasse langsam in der Hand, sein Blick blieb auf dem Tisch, doch seine Worte waren zielgenau wie ein Schuss bei Gegenlicht. Dann stellte er die Tasse ab und tauschte sich gegen ein Glas.

„Und was diesen Spaziergang angeht…“ Er ließ den Blick schweifen, zu Emily, die stand wie eine Soldatin, vergrämt, verwundet, aber nicht gebrochen. Dann wieder zu Calvin. Der Kerl hatte Nerven. Oder keinen Sinn für Anstand. Wahrscheinlich beides.

„Sie haben recht. Manchmal muss ein Mann mit einem anderen Mann reden. Ohne Flaschen, ohne Frauen, ohne irgendwen, der einem vorschreibt, wie man zu atmen hat.“ Er stand auf. Der Stuhl kratzte leise über das Holz. „Aber ich will, dass Sie etwas wissen, Moreau.“ Er trat einen Schritt näher, der Schatten seiner Schultern fiel halb über Calvins Sitzplatz. „Wenn Sie meine Frau noch einmal so ansehen, wie Sie’s gerade getan haben – dann müssen Sie sich das nächste Mal mit dem Sargmacher unterhalten. Und nicht mit mir. Klar soweit?“

Sein Blick war ruhig. Hart. Wie die Prärie nach einem trockenen Sommer. Dann wandte er sich Emily zu. Ihre Augen, so mühsam gefasst, verrieten mehr als jedes Wort.

„Liebling…“ sagte er, sanft, vorsichtig, als würde er auf dünnes Eis treten. „Ich geh jetzt ein Stück. Nur frische Luft, keine Pläne, keine Saloons. Ich will nur hören, was er mir sagen will. Wenn ich zurück bin, reden wir. Richtig. Und ohne Publikum.“

Er wartete, nicht auf Erlaubnis, sondern auf ein Zeichen – einen Wimpernschlag, einen Hauch Zustimmung. Und dann würde er gehen. Mit Moreau. Nicht, weil er ihm traute. Sondern weil er herausfinden wollte, ob man das überhaupt konnte.


RE: sick visit - Emily Clayton - 26.04.2025

Es kostete Emily große Mühe, den Handelsvertreter Satans in ihrem eigenen Haus zu ignorieren, aber sie tat sich Zwang an und blieb still. Ihre Lippen zuckten allerdings, als es sie drängte, sich lautstark einzumischen und diesen schrecklichen Menschen zurechtzuweisen! Eine... Männerrunde?! Das klang... nun, sie wusste nicht genau, wie es klang, aber... verrucht. Verrucht auf jeden Fall! Nach etwas, von dem anständige, liebende Ehefrauen nichts wissen durften – mithin also etwas unmoralisches, ohne jeden Zweifel. Und er wagte er, John in ihrer Gegenwart zu dem Was-auch-immer einzuladen! Auf Emilys blassen Wangen bildeten sich rote Flecken. Immer noch über die beiden sitzenden Männer hinwegsehend zupfte sie ein unsichtbares Stäubchen von ihrer Bluse, als hätte es eine Staubfluse der Verderbtheit gewagt, sich frech auf den großzügig dimensionierten Attributen ihrer Weiblichkeit niederzulassen.

Immerhin, stellte sie unterdrückt schniefend fest, hatte John den Anstand, ihre Stellung als seine Frau und seine Liebe zu ihr zu betonen, um dem die Unmoral regelrecht ausschwitzenden Kerl etwas entgegenzusetzen. Zu einem kleinen Teil getröstet strich sie sich in der für John schon gewohnten Art die Falten ihrer Schürze glatt, die alles mögliche bedeuten konnte, aber stets den Aspekt ihrer Ehrbarkeit als Ehefrau, Hausfrau und Mutter unterstreichen sollte. Dass ihr Mann gleich darauf behauptete, Männer müssten sich ab und zu ohne Frauen miteinander unterhalten, hatte ein unruhiges Rascheln ihrer Röcke zu Folge, denn Emily setzte unwillkürlich zu einem Schrittchen nach vorn an, um ein mahnend-ungläubiges "Aber John...!" anzubringen. Sie beherrschte sich aber und würgte den Einwurf mühsam hinunter wie einen zähen Klumpen. Wenn ein Mann in der Öffentlichkeit einen Standpunkt vertrat, war es nicht an seiner Frau, ihm zu widersprechen. Das stand ihr nur in der Intimität des Schlafzimmers zu, wo keine Zeugen zugegen waren. Das bedauerte sie gerade sehr...

Dass sie wohl daran getan hatte, ihre Grenzen nicht zu überschreiten, erwies sich allerdings, als er galant wurde und klarmachte, dass sie, seine Frau, tabu für respektlose Blicke und Worte war. Trotz ihrer grundsätzlich indignierten Haltung stahl sich ein leises Lächeln der Befriedigung auf Emilys Lippen. Es verschwand rasch wieder, als John sie direkt ansprach. Nun musste sie ihn natürlich anschauen und seine Worte zur Kenntnis nehmen, wollte sie die ihr zugedachte Rolle ebenso spielen wie er die seine. Sie holt tief Luft – die imaginäre Fluse wäre jetzt ein gutes Stück Richtung Himmel gewandert – und nickte dann. In der bescheidenen Würde, die einer Ehefrau zukam, wie sie hoffte. "Natürlich, John." Er würde gehen, sie würde den Tisch abräumen und auf ihn warten. Jede andere Antwort, jede Abweichung davon wäre undenkbar gewesen. John hatte soeben unmissverständlich verdeutlicht, dass sie noch immer seine Frau und er ihr Mann war. Und Emily würde mit ihren Handlungen keinesfalls den geringsten Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sich genau so verhielt.


RE: sick visit - Calvin Moreau - 08.05.2025

Wie konnte ein gebildeter, kluger Mann wie Dr. Walcott einem Patienten eine so langweilige Beschäftigung wie die Beobachtung von Vögeln aus einem Schaukelstuhl heraus verschreiben? Jemand, der kein Sitzfleisch besass, wurde dabei doch nur verrückt!
"Wie soll man bei so viel Langeweile gesund werden?" Das war ihm ein Rätsel. Der Alkohol, der in einem Zug aus der Tasse den Weg in seinen Magen fand, konnte ihm auch keine Antwort darauf geben. "Ich wüsste nicht, was verkehrt daran ist, ein wenig herumzulaufen. Sie haben ja nichts mit Ihren Füssen." Das Ohr bewegte Clayton doch sowieso nicht. Und es hing ja auch noch immer an seinem Kopf dran, schliesslich hatte seine Ehefrau richtig gut gezielt. Sie hatte getroffen und doch danebengeschossen. Das musste man erst einmal können!

Die Dame des Clayton-Hauses versuchte gar nicht mehr erst ihre Enttäuschung und ihren Ärger auf ihn zu verstecken. Sie blieb stumm, wahrte eine gerade Haltung und ignorierte ihn. Vermutlich wollte sie dadurch im Hintergrund verschwinden, so, wie man es von einer anständigen Dame erwartete. Aber Calvin hatte Emily als Frau kennengelernt, die nicht auf den Mund gefallen war. Sie hatte mit ihm gesprochen, sich über ihn empört, sich über ihn aufgeregt, ihn mit einer Waffe bedroht und vorhin hatte sie ihn nicht ins Haus reinlassen wollen. Kurzum: Er kannte Emily als redselige Person, die ihre Meinung kundtat. Verbal aber auch mit Gesten. Und diese empfand Calvin als äusserst erheiternd, ja geradezu humorvoll. Ihr versuchtes Stillleben zog also Calvin Aufmerksamkeit mehr auf sich als alles andere. Das blieb von ihrem Gatten nicht unbemerkt.

Zuerst äusserte sich der Sheriff sehr wohlwollend über seine Frau. Sie sei kein Möbelstück. Calvin verstand allerdings nicht, wo und wann er sich entsprechend darüber geäussert haben sollte, dass Frauen Möbel wären. Trotzdem hob er seine Hände entschuldigend an. "Sie haben völlig recht. Frauen sind auch nur Menschen." Er grinste leicht, liess aber auch durchblicken, dass er ein wenig irritiert war. Möbelstücke! Kein Polster besass derart schöne Wölbungen wie eine Frau! Auch Kissen konnten nicht mithalten!

Wenigstens fand Clayton dann zu einer Entscheidung und er entschied sich für das richtige! Der Ältere stand auf und Calvin schlug sich mit beiden Händen und einem breiten Grinsen auf die Knie, weil er ebenfalls aufstehen wollte. Aber bevor ihm das gelang, ragte der Grauhaarige über ihn auf. Ruhig, aber dominant. Fair, aber mit den Zügeln in den Händen.
Er sah zu ihm hoch, bewunderte dessen Maskulinität. Die Worte drangen an sein Ohr und flogen aus dem anderen kurzerhand wieder hinaus. Wie erotisch konnte man bitte im Alter sein?!
"Ich kann doch nicht wie ein Blinder herumlaufen, nur weil Ihre Frau meinen Weg kreuzen könnte." Er lachte, nickte dann aber. "Verzeihung." Dabei wanderte sein Blick doch wieder zu Emily, allerdings in ihr hübsches Gesicht mit der niedlichen Nase und den schönen, geschwungenen Lippen. Kein Mann hätte diese Frau abgelehnt, egal, wen sie sich ausgesucht hätte. Schade, dass sie einander nicht schon früher begegnet waren. Calvin hätte ihr auch ein gutes Leben bieten können. Für einen halben Tag jedenfalls.
Jetzt stand auch er auf, schnappte sich die Whiskyflasche und trat dann zwei Schritte vom Stuhl weg. Dabei blieb er nochmals vor Emily stehen und behielt seinen Blick so gut es eben ging in ihrem Gesicht. "Vielen Dank für Ihre Bewirtung und Gastfreundschaft, Mrs. Clayton. Wenn ich etwas getan habe, was Ihnen unangenehm war, dann bitte ich Sie um Entschuldigung. Vor mir brauchen Sie sich nicht zu fürchten. Ich bin bloss ein Blumenliebhaber, aber kein Gärtner. Das Bewässern und das gute Zureden überlasse ich Ihrem Mann. – Sie sind eine wirklich schöne Frau."
Mit der freien Hand tippte er breit grinsend an seine Hutkrempe und blickte dann zu Clayton. Der sah irgendwie… verstimmt aus. "Ich habe doch Maggie, Clayton! Das habe ich Ihnen schon in der Zelle gesagt. Ausserdem rede ich ziemlich viel. Nehmen Sie das nicht zu ernst!" Er lachte, dann klopfte er Clayton auf die Schulter und ging die Verandatreppe hinunter auf die Strasse.
"Hören Sie, Clayton, der Spaziergang wird Ihnen guttun. Ausserdem werden so auch mögliche politische Gegner sehen, dass Sie sich trotz Ihres Unfalls auf den Beinen halten. Niemand kann Sie stoppen! Damit haben Sie den Posten als nächsten Bürgermeister in der Tasche! Ich bin unglaublich stolz auf Sie!" Calvin hob die Whiskyflasche an und schüttelte sie triumphierend hin und her. "Ich könnte Ihr Wahlsprecher werden! Was meinen Sie dazu, Sheriff? Ich verbreite Ihre Versprechen unter allen Cowboys, im Saloon und an jede Dame, die am Samstag im Laden einkaufen geht!" Calvin war Feuer und Flamme für seine Idee und sprach ohne Pause und ohne sich Gedanken zu machen. Dabei gestikulierte er fröhlich und munter herum.


RE: sick visit - John Clayton - 12.05.2025

John blickte Calvin einen Moment lang schweigend hinterher. Die Worte des Mannes hallten noch nach wie eine blecherne Predigt in einer leeren Kapelle. Und manches Wort davon war bitter und so manch ein anderes unglaublich unverschämt gewesen, aber dennoch klug ausgedrückt. John befand sich gerade in einem Stadium in dem er nicht wusste, ob er Moreau den Hals umdrehen wollte oder schlicht nur über seine Wortgewandtheit lachen durfte.

Bürgermeister. Wahlsprecher. Blumenliebhaber. Irgendwo zwischen Whiskeyflasche und großspuriger Geste musste John sich fragen, ob Moreau wirklich glaubte, dass man mit Reden allein einen Staat aufrechterhalten konnte – oder ob das bloß ein weiterer Versuch war, nicht ernst genommen zu werden, um am Ende nie Verantwortung tragen zu müssen.

Der Sheriff wandte sich noch einmal Emily zu. Sie stand da, als hätte ihr das Leben einen Standbefehl gegeben – an der Schwelle zwischen Aufbruch und Dasein. Ihre Zustimmung war bereits gegeben, aber John hielt für einen Moment inne, ganz so, als wollte er sich das Bild einprägen, das ihm bleiben sollte, wenn Moreau ihn mit seinen Worten wieder in die Düsternis zog. Er nickte ihr kurz zu, ohne Lächeln, aber mit allem, was zwischen zwei Menschen gesagt werden kann, ohne den Mund zu öffnen.

Dann folgte er dem Mann, der sich seiner Worte gewiss bewusst war und ihrer Wirkung und trotzdem in Johns Garten stand, als könnte er kein Wässerlein trüben.

„Wenn ich Bürgermeister werde, dann nur, weil niemand sonst so dumm ist, sich das anzutun,“ sagte John, als er neben Moreau aufschloss. Seine Stimme klang, als wäre sie an einem Schleifstein geschärft worden. „Und Gott bewahre - Sie als Wahlsprecher? Da müssten wir vorher klären, ob das Publikum genügend getrunken hat, um sich das anzutun." Ein kurzer Blick und ein schiefes Grinsen, trafen Moreau.

Bei seinen Worten ließen sie die Tür und das Haus hinter sich und John schob den Hut etwas tiefer ins Gesicht, als der Wind vom Norden her die Straße entlangzog und blinzelte nach oben. Die Sonne stand tief und warf lange Schatten über den hölzernen Gehsteig. Lange hell würde es nicht mehr bleiben.
Sein Blick wanderte zu Moreau, der mit der Whiskeyflasche wedelte. Nun musste John doch bereiter grinsen, als ihm lieb war. „Sie haben wirklich einen schlechten Einfluss auf mich. Trotzdem laufe ich nun neben Ihnen her, als würden wir solche Spaziergänge regelmäßig machen. Als wäre es der Teil meines Tages, der völlig normal wäre." Darüber reichlich fassungslos gestimmt, griff John nach der Flasche, ohne zu fragen, nahm einen Schluck und reichte sie wortlos zurück. Der Whiskey brannte – nicht unangenehm, aber ehrlich. Dann blieb er stehen. Schaute die Straße hinab. Nichts als Staub, Holz und ferne Versprechen.

"Hab allerdings schon verrücktere Sachen getan. Nun gut, Moreau. Reden Sie. Was ist so wichtig, dass es Emily nicht hören soll?"


RE: sick visit - Emily Clayton - 20.05.2025

Emily verspürte ein ganz leises Gefühl von Eifersucht, das ihr völlig unangebracht schien. Immerhin handelte es sich bei Moreau nicht etwa um eine fremde Frau, die ihr den Mann entführte. Dennoch war ihr, als drängte sich der ungebetene Besucher mit dem zweifelhaften Charakter zwischen sie und John – was ihr fast noch weniger lieb war als das ständige Starren auf ihre... Blusenknöpfe samt Umgebung und die anzüglichen Bemerkungen, die der liederliche Bursche machte. Leider hatte sie sich für würdevolles Schweigen entschieden. Ein plötzlicher und radikaler Sinneswandel hätte an ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit gekratzt, weshalb sie sich dazu zwang, alle Kommentare, Einwände und Appelle herunterzuschlucken, die John ihr nicht schon so von den Augen abgelesen hatte, wie es ein guter Ehemann können sollte. Im Gegenteil: Da Moreau sich nun, vielleicht aus Angst vor John, zu einer Erklärung und einer Entschuldigung bequemte, konnte sie ohne eine massive Missachtung der guten Sitten nicht umhin, seine Worte immerhin zur Kenntnis zu nehmen und mit einem "Hm" zu nicken. Das mochte alles mögliche heißen, kam im Tonfall aber am ehesten dem der Queen bei der gütigen Begnadigung eines Todeskandidaten zu lebenslanger Deportation gleich. Das Kompliment für ihr Aussehen ließ sie unbeantwortet – wenn man von einem leichten Erröten absah. Immerhin hatte der Mann mit seinen Blicken sogar für die naive Emily recht klar gemacht, wo ihre Schönheit in seinen Augen vornehmlich liegen musste...

John drehte sich noch einmal zu ihr um, und die kleine Britin erwiderte sein Nicken mit einer weniger starken, eher damenhaft zurückhaltenden Version. Dann sah sie den beiden Männern nach und sandte ein stummes Stoßgebet zum Himmel, dass ihr Mann sich nicht von dem Kerl zu irgendetwas überreden ließe und dass sein guter Ruf nicht leiden würde, wenn man ihn in anderem als dienstlichem Kontakt mit solch einem Subjekt sähe. Himmel, es war wirklich an der Zeit, dass John sich einer Aufgabe zuwandte, die mit weniger Gefahren und vor allem weniger Kontakt mit den üblen Elementen der Gesellschaft verbunden war! Die seinen Verdiensten und seinen Qualitäten mehr entsprach! Die mollige Britin nickte sich selbst bestätigend zu, strich sich die Schürze so energisch glatt, dass der gestärkte Stoff einen leisen Knall von sich gab, und machte sich daran, den Tisch abzuräumen. Mrs. John Clayton, Gattin des Bürgermeisters... DAS hatte einen Klang, der Emily sehr gefiel. Sie musste unbedingt erreichen, dass er seine Chancen wahrnahm, denn eine gute Frau stand stets hinter ihrem Mann – und sei es, um ihm einen dezenten kleinen Schubs in die richtige Richtung zu geben. Natürlich nur aus Liebe und Respekt.


RE: sick visit - Calvin Moreau - 21.05.2025

Sicherlich hatte er sich gegenüber Emily Clayton nicht von seiner Glanzseite gezeigt. Er wusste sich durchaus besser zu benehmen, vor allem in Gegenwart einer anständigen Frau. Aber als er ihre Bekanntschaft gemacht hatte, lagen zwischen ihnen dicke Gitterstäbe. Noch dazu hatte sie ihn mit der Hand in der Hose erwischt, und auch wenn sie bestimmt keine Details gesehen hatte, so war ihr wohl bewusst gewesen, wobei sie ihn gestört hatte. Für Calvin war das keine Sache, ja, nicht einmal der Rede wert. Aber ihr Aufeinandertreffen war eben völlig anders abgelaufen, als es der Gewohnheit entsprach. Und dann hatten sie sich gegenseitig provoziert. Also, eigentlich hatte er sie provoziert, aber als sie die Waffe aufs Innere der Zelle und damit auf ihn gerichtet hatte, hatte sich Calvin schon sehr provoziert gefühlt!
Am Ende war ja glücklicherweise alles gut ausgegangen, wenn man mal davon absah, dass der Sheriff ein wenig Ohrenschmerzen bekommen hatte. Und er war ja auch der eigentliche Grund, warum Calvin hier überhaupt aufgetaucht war.

"Als Bürgermeister verdient man aber nicht nur gutes Geld, sondern auch eine Menge Anerkennung und Respekt." Calvin grinste amüsiert und wartete darauf, dass der Sheriff zu ihm aufschloss. Clayton liess eine enttäuschte und wütende Frau zurück und Calvin war froh, dass nicht er es war, der später in dieses Haus zurückkehren musste. Bestimmt holte sie schon die grösste Pfanne hervor, die sie in der Küche finden konnte, um ihrem Gemahl eine Standpauke zu halten.
"Glauben Sie, ich könnte mich auch der Bürgermeisterwahl stellen?" Er sah ihn fragend an und liess keine Zweifel zu, dass die Frage ernstgemeint war. Wenn sich Calvin aufstellen lassen konnte, würde er das tun. Als Bürgermeister musste man ja nur mit all den Leuten reden und ihnen zuhören und dann Ratschläge erteilen oder Entscheidungen treffen. Das konnte er auch alles! Und wenn er irgendwelche Dokumente unterschreiben sollte, musste sie ihm eben jemand vorher vorlesen. Dann setzte er seine drei Kreuzchen und das krakelige C darunter und damit war der Job erledigt.

Er lachte bei der Bemerkung, die John Clayton für sich in Bezug auf ihn machte. "Als Bürgermeister hätte ich noch viel mehr Einfluss auf Sie, Clayton." Calvin grinste breit und fröhlich und überliess dann mit einigem Erstaunen dem anderen die Whiskyflasche. Warum auch nicht? Er hatte sie ja mitgenommen, um sie mit dem Älteren zu teilen, der übrigens auch mit der Flasche an den Lippen eine überaus gute Figur machte. Vermutlich konnte Clayton gar nicht nicht gut aussehen. Es lag vielleicht an seinem graumelierten Haar, dass man ihn respektierte und schlichtweg fantastisch und faszinierend fand. Letzteres galt aber vor allem für Calvin.
Sie liefen einige Meter bis der Sheriff stehenblieb und die Strasse entlangblickte. Calvin hielt ebenfalls an, die Whiskyflasche sicher in seiner Hand, und folgte dem Blick des anderen. Man sah die Strasse. Staub. Häuser. Holz. Ein üblicher, gewöhnlicher Anblick, weshalb Calvin sein Augenmerk wieder auf Clayton richtete.
Clayton murmelte, er hätte schon verrücktere Dinge getan. Calvin verstand die Aussage nicht. Jedermann und jede Frau hatte schon verrücktere Dinge getan als eine Strasse entlangzuspazieren!
Im gleichen Atemzug wurde er aufgefordert, zu reden. Dabei musste Clayton ihn aber missverstanden haben. "Ich habe nichts vor Ihrer Frau zu verheimlichen.", grinste er. "Ich dachte nur, es täte Ihnen gut, sich auch mal ohne Beisein ihrer oder überhaupt einer Frau zu unterhalten. Sie wissen doch, dass Frauen immer jedes Wort auf die Waage legen und daraus Waffen gegen uns basteln." Ein Schulterzucken folgte, doch Calvins Gesicht blieb weiterhin fröhlich. Die gute Laune war nicht einmal gespielt, man konnte sie in seinen Augen erkennen.
"Frauen sind die anstrengendsten und schönsten Geschöpfe dieser Welt. Aber manchmal rauben sie einem auch den letzten Nerv. Finden Sie nicht?" Er sah ihn fragend an. "Mein Verhältnis zu Frauen ist aber ohnehin etwas… hm, sonderbar, denke ich." Er fuhr sich mit dem Zeigefinger über seine Augenbraue, weil sie juckte. "Ich liebe Frauen. Ich mag sie. Und ich respektiere sie, hab ja schliesslich auch einen weiblichen Boss. Aber man kann mit ihnen nicht über jedes Thema reden. Zum Beispiel darüber, was einen guten Whisky ausmacht." Er hob die Flasche wieder in die Höhe. "Gehen wir noch ein Stück. Geniessen Sie den Moment ohne weiblichen Blick auf Ihnen. Sie können bei mir tun und lassen, was Sie wollen. Ich urteile darüber nicht." Er reichte Clayton die Flasche mit der goldbraunen Flüssigkeit. "Ihre Frau ist ziemlich jung. Und Sie haben eine ältere Tochter. Waren Sie schon einmal verheiratet?"


RE: sick visit - John Clayton - 14.06.2025

"Ich weiß nicht, ob ich es amüsant oder beunruhigend finden soll, dass Sie ernsthaft über eine Bürgermeisterkandidatur nachdenken," murmelte John, kaum hatte er zu Moreau aufgeschlossen. Er zeigte dabei auf die Whiskeyflasche. "Glauben Sie, Whiskey und Charme reichen, um Ordnung zu halten? Wobei... Ich glaube, ich kann mir Ihre Antwort schon denken," fügte er leise lachend hinzu, ehe der Sheriff wieder ernster wurde, kaum wurde ihm bewusst, dass Moreaus Frage nicht nur im Scherz gestellt worden war. "Mir persönlich geht es nur um das, was mir Erfüllung bereitet. Und das ist die Arbeit als Gesetzeshüter alle Male. Mir geht es nicht um Geld oder Respekt," erklärte er dann Moreau weiter. "Ich glaube aber, als Sheriff hat man von beiden etwas. Und als Bürgermeister kommt die ganze Verantwortung für eine ganze Stadt und ihre Bürger noch dazu," kurz kniff John die Augen etwas zusammen und betrachtete Moreau weniger amüsiert. "Eine Vorstellung, die mir noch mehr Unbehagen bereitet," stellte er dann trocken fest, kaum wurde ihm bewusst, wie viel Einfluss ein Moreau auf ihn, den Sheriff, tatsächlich dann hätte.

John nahm die Flasche, aber nicht sofort den Schluck daraus. Stattdessen wog er sie einen Moment lang in der Hand, als wollte er prüfen, ob sie schwerer geworden war mit all dem Unsinn, den Moreau hineinredete. Dann, ohne ein weiteres Wort, trank er doch – aber mit dem Gesicht eines Mannes, der wusste, dass der Preis für jeden Tropfen in Gesellschaft dieses Kerls eine ungewollte Lebensberatung sein könnte. Dann gab er die Flasche zurück, ehe sie weitergingen und John Moreau schließlich um Klartext bat. Doch offensichtlich hatte er den jüngeren Mann falsch verstanden. Es gab nichts, was so geheim sein könnte, dass er es vor Emily nicht hätte sagen wollen.

"Aha," machte John irritiert, ließ Moreau aber weiterreden, um zu erfahren, was dieser Spaziergang eigentlich sollte.
Dann musste er allerdings amüsiert grinsen. An diesen Überlegungen gab es nichts zu rütteln. Trotzdem konnte John nicht anders, als ein paar Gedanken zu teilen: "Was Frauen angeht – ich glaub nicht, dass sie Worte zu Waffen machen. Wir Männer reden einfach manchmal so, als würden wir nicht getroffen werden können." Er sah kurz zu ihm rüber, aber nicht mit Härte – eher mit einem stillen, müden Humor, der mehr verriet als jedes Lachen. "Emily hört mehr, als man ihr sagt. Aber sie trägt’s mit Haltung. Das ist mehr Stärke, als ich je in einem Saloon gefunden hab." Er griff wieder nach der Flasche, die Moreau ihm erneut hinhielt und trank dieses Mal einen kräftigen Schluck. Denn die Frage nach einer früheren Ehe ließ ihn kurz schmerzhaft an seine Vergangenheit denken. Er machte einen Atemzug zu lang für einen gewöhnlichen Schritt. Dann: ein leichtes Nicken.

"Ja. Gut beobachtet." Was ja nicht schwer war, angesichts der vorhandenen Tatsachen. "Das war ich. Ist lange her. Sie war... das Gegenteil von Emily." Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Also wirklich das Gegenteil," betonte er noch einmal und ließ die Erinnerungen zu, die er die letzten Jahre über sehr weit von sich geschoben hatte. "Ist nur kein gutes Thema." Er trank einen zweiten Schluck und reichte die Flasche zurück. "Ich hatte nach dem Tod meiner ersten Frau, viele Frauen. Was mein Verhältnis zu Frauen daher angeht – ich hab aufgehört, es zu analysieren. Wenn man alt genug ist, merkt man, dass die Liebe nicht in Geschichten passt. Schon gar nicht in logische. Aber Sie, Moreau, Sie haben den Luxus, nie ernst bleiben zu müssen. Sie spielen, während andere bauen. Ist das nicht bequem?"

Ein kurzer Seitenblick. Nicht feindlich, aber durchdringend. Dann blieb John stehen, ein paar Schritte weiter, die Sonne war jetzt nur noch ein rötlicher Rest am Horizont.

"Sie reden gern. Das ist klar. Aber hören Sie auch zu?" fragte er, die Stimme ruhig wie das Knacken von trockenem Holz. "Oder reden Sie nur, damit keiner merkt, wie still es in Ihnen selbst geworden ist?"


RE: sick visit - Calvin Moreau - 09.07.2025

Oft, oder eigentlich immer, war sich Calvin seiner Macht über andere überhaupt nicht bewusst. Es war nicht die Art von Macht, an die man im ersten Moment dachte. Calvin war nicht energisch, furchteinflössend oder finanziell oder sozial mächtig. Er umwickelte seine Opfer wie eine Schlange. Langsam, vergnügt und sehr zutraulich. Und dann erst zog er sich zusammen, aber nicht etwa, um seine Opfer zu betäuben und zu fressen, sondern, um ihnen auf Ewigkeit ein Verfolger, ein Schatten zu sein. Beste Freunde oder so etwas in der Art.
Und der Sheriff begab sich gerade allmählich in diese Falle, die ja eigentlich gar keine war, denn Calvin umgarnte ihn ja gar nicht bewusst. Er tat es nur, weil es ihm Spass machte und weil er jemand war, der ein paar helfende Hände gebrauchen konnte. Aber nicht in Sachen Frauen. Da war Calvin selbstbewusst und siegessicher genug.

Als Clayton meinte, Emily ertrage alles mit Haltung, ging sein Blick nachdenklich nach oben. "Sie hat eher trotzig ausgesehen.", murmelte er leise. Mrs. Clayton hatte verletzt, empört und wütend gewirkt. Sie hatte es ihn aber nicht spüren lassen, nur ihren Mann hatte sie mit einem hochgereckten Kinn und einer gewissen Stummheit bestraft. Schweigende Frauen waren sehr gefährlich, das wusste auch Calvin. Wenn eine Frau einen Mann ins Gesicht sah und nichts sagte - und vor allem kein nettes Lächeln auf den Lippen hatte - dann brannte der Vorhof der Hölle schon lichterloh. Der arme Sheriff... - Aber er wollte es ja so. Sogar zum zweiten Mal, wie Calvin jetzt erfuhr, denn Emily war nicht seine erste Ehefrau.

Calvin hielt die Flasche in seiner Hand und beobachtete das Minenspiel seines Nebenmannes. Ein Lächeln. Eine zarte Erinnerung an jemanden, den er offenbar sehr gemocht hatte. So jemanden trug Calvin nicht in seinem Herzen. Ausser Agnes, aber wenn er sich an sie erinnerte, war da keine Wehmut. Es war etwas anderes, was er aber nicht benennen konnte.
Clayton zeigte sich dabei aber sehr ehrlich. Er erwähnte einen kurzweiligen Frauenverschleiss und Calvin konnte es ihm nicht verübeln. Was sollte ein Mann auch sonst tun, wenn er keine Frau an seiner Seite hatte und es eine Menge anderer gab, die ihre Reize zeigten? Dummerweise ging das Gespräch in eine andere Richtung - nämlich in seine. Calvin hob den Blick und musterte das Gesicht vor sich. Clayton war lebenserfahren aber nicht unbedingt weise. In seinem Gesicht sass Ernsthaftigkeit, aber auch Humor. Und dazu gesellte sich jetzt, wo er stehenblieb und Calvin es ihm gleichtat, eine gewisse Überheblichkeit. Clayton stellte sich über ihn, tat so, als würde er etwas über ihn wissen, was ihm selbst nicht bewusst war. Das hatte er schon einmal erlebt. Bei der schwarzen Hexe.

"Ich höre Ihnen die ganze Zeit zu.", gab er zur Antwort. Mit dem Rest kam er nicht ganz klar. Es war still in ihm geworden? Warum? Und seit wann? In Calvin tobte das Chaos und er verstand den Sinn hinter dieser Aussage nicht. Er verstand sie so, wie er immer alles verstand, wenn seine mangelnde Klugheit nicht hinterherkam. Auf seinem Gesicht machte sich ein breites Grinsen breit und Calvin trat einen Schritt näher zu Clayton. Er sah auf dessen Brust und liess den Blick langsam höher wandern bis zu dessen Augen. "Sie können mir ja ein paar laute Töne aus meinem tiefsten Inneren herauslocken, Sheriff." Calvin sah ihn an, dann, ohne den Blick von ihm zu lassen, hob er die Flasche an und trank einen Schluck, wobei ein Tropfen daneben ging und über seine Lippe zum Kinn perlte.
Dann hob er die Flasche und drückte sie sanft gegen Claytons Brust, was nicht schwer war, sie standen nämlich sehr, sehr nah zueinander. "Trinken Sie. Den guten Schluck gibt es laut Ihrer Frau nur heute." Sein Kopf legte sich ein wenig schief und in seinen Augen funkelte es amüsiert - und gefährlich.