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HAUS WALCOTT ALWAYS THE BOYS - Druckversion

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RE: ALWAYS THE BOYS - Ira Cole - 05.03.2026

"Ich weiß, dass du jedem eines auf die Nase haust, der dir dumm kommt," beruhigte Ira seinen jüngeren Bruder, der sich ebenfalls in Rage geredet hatte. Wenn Ma sie so hätte reden hören können - sie hätte gar nicht so viel Seife im Haus, wie sie benötigt hätte, um ihren beiden Söhnen die dreckigen Münder sauberzuschrubben. "Und jetzt stell dich nicht so an. Ich sorg ja nur dafür, dass es nicht noch schlimmer wird, als es eh schon ist," er warf das Zweigchen zur Seite. "Alles was verdächtig ist, wird beseitigt," er schaute sich Josh von hinten an, ob da nicht auch noch ein Blatt klebte oder Schmutz aus dem Wald und trat wieder vor ihn.

"Sieht gut aus. Und mach nicht so ein Gesicht. Du kennst Ma. Am Ende überlässt sie es noch irgendwann dem feinen Herrn Doktor uns den Frack vollzuhauen. Weil er seine Töchter ja," er verstellte ein wenig die Stimme um Mas Tonlage nachzumachen. "So gut erzogen hat." Danach verzog Ira das Gesicht, als hätte er Rosenkohl und Brokkoli zusammen auf dem Teller liegen und spuckte verächtlich aus. "Ich wär auch so gut erzogen, wenn ich ständig so'n Schiss vor meinem Alten hätte. Is ja nicht normal, wie er die ständig durchhaut. Wegen weniger als nichts." Ira schüttelte sich und kratzte sich dann an der Schläfe, um kurz Zeit fürs Nachdenken zu gewinnen. Oder zumindest so zu tun als würde er nachdenken. Seine Meinung stand ohnehin schon fest. "Ein Glück, dass Ma genug von den Männern hat und den nicht am Ende noch zu unserem Pa macht," besorgt war Ira dennoch. Er sah wie sich die beiden manchmal über den Frühstückstisch Blicke zu warfen - freundliche Blicke, mit einem Lächeln. Mit einem Lächeln, das die Kinder nie traf.

Doch der leckere Duft von Keksen lenkte Ira von seinen düsteren Gedanken schnell wieder ab und er ging sowohl dem Duft, als auch dem Lachen nach. Josh war wie immer sehr praktisch veranlagt und äußerte seine Sorge bezüglich der Kekse. Was aber mehr seinem stetigen Hunger zu zuschreiben war - Josh besaß eindeutig Futterneid. "Ja, kann schon sein. Lass uns lieber nachsehen," knuffte er Josh in die Seite und eilte dann voraus, geduckt, damit ihn niemand im Garten vorzeitig entdecken konnte. Die Mädchen hatten so ein nerviges Gekreische am Leib, das Ma ständig auf den Plan rief, kaum hatte sich Ira mit Josh was "nettes" für sie ausgeheckt... Mitten in diesen Gedanken blieb er abrupt stehen. "Du, sag mal, seit wann dürfen die zwei Puten wieder miteinander spielen," er zeigte nach vorne in den Garten, wo neben Sarah auch Clara anwesend war und ebenfalls laut und hell auflachte. Seit die Mädchen nicht brav wie alle anderen Mädchen pünktlich zu Hause beim Abendessen erschienen waren, sondern lieber im Wald umhergeirrt waren, hatten die beiden nicht mehr miteinander gespielt. Was fast ein wenig langweilig für Ira gewesen war, denn Sarah alleine zu ärgern machte nur halb so viel Spaß wie beide Mädchen.

Von Keksen sah er allerdings gerade nichts. Er sah nur zwei Mädchen, die eilig zwischen einer Bank und einer Decke am Boden hin und her liefen und Sachen darauf verteilten. Sah nach einem typisch langweiligen Mädchenspiel aus. Ira gab Josh ein Zeichen, weiter mitzuschleichen, bis sie eine Hecke erreicht hatten, hinter der sie gut verborgen die beiden beobachten konnten. Es gab nun mehrere verlockende Möglichkeiten - sie konnten ihren Frust an den beiden abreagieren - dafür gab es sicher keine Kekse und wegen ihres Herumtreibens gab es ohne hin Prügel, da kam es auf ein wenig mehr nicht an, oder aber sie gingen erst einmal in die Küche, nach den Keksen schauen, vielleicht ließ sich ja was stibitzen, bevor sie ihre Prügel kassierten und ärgerten dann die Mädchen... So wirklich glücklich war Ira mit beiden Ideen nicht... und er betrachtete kurz Josh. "Was meinst du? Find, die sind für so nen beschissenen Tag viel zu glücklich drauf..."


RE: ALWAYS THE BOYS - Joshua Cole - 08.03.2026

Missmutig ließ Josh Ira seinen Willen. Insgeheim musste er sich eingestehen, dass der Ältere recht hatte: Jede Kleinigkeit zählte, um ihr Strafmaß zu verringern. Ma achtete auf Belanglosigkeiten wie Grasflecken, aufgerissene Hosenbeine und blutige Nasen und hatte so ihre eigene Methode, die Zahl der von ihr entdeckten Regelverstöße in Hiebe umzurechnen... trotzdem verletzte es sein Gefühl für männliche Würde, so vorsichtig sein zu müssen. Dabei war die ganze Sache doch nicht mal ihre Schuld! "Da kannste einen drauf lassen", knurrte der stämmige Junge betont finster, um seiner Frustration Luft zu machen. "Wenn jetzt so einer wie Sionn käm', dem würd' ich... würd' ich... dem würd' ich's aber so zeigen...!" Er ballte seine kleine, aber kampferprobte Faust und schwenkte sie mit einer Miene, die zu besagen schien, dass sich der hypothetische lebensmüde Sionn – oder seine Äquivalent – am besten schon einmal nach einem passenden Sarg umsehen sollte.

Leider aber war auch sein Gesicht, Ira zufolge, schon angetan, Mas Unmut zu erregen. "Kann nich' auf Kommando grinsen!", nuschelte er und rammte beide Fäuste schmollend zurück in die Hosentaschen. Es war so was von unfair, dass er sich in seiner jetzigen Stimmung auch noch um gutes Wetter bei Ma bemühen musste! "Ach, der Doc, der is' doch sowieso doof mit sei'm blöden Hinkebein", brummte Josh gehässig, denn Walcott deswegen zu verspotten war eine der wenigen Möglichkeiten, dem alten Griesgram seine ganzen Gemeinheiten heimzuzahlen. Wenigstens in Gedanken. Er konnte den Alten nicht riechen! Je länger sie nämlich im Haus des Arztes lebten – in dem sie zugegebenermaßen saubere Kleidung, genug zu essen und ein festes Dach über dem Kopf hatten – desto mehr begann Josh zu fürchten, dass er seine Ma an den Hausherrn verlieren könnte. Bei aller praktischen Veranlagung und allem Widerwillen gegen das Nachdenken vor dem Handeln war auch ihm nicht verborgen geblieben, dass Ma dem Doc gegenüber eine ungewohnt weiche, sanfte Seite entwickelt hatte. Fast als ob... brrrr!

Als Ira seine schlimmsten, kaum je eingestandenen Befürchtungen aussprach, spuckte er daher rasch aus und beeilte sich zu sagen: "Nee, so verrückt wär' sie nie! Der is' doch keiner für sie! So'n Miesepeter, dauernd nur rummotzen und seinen verdammten Stock schwingen..." Er erinnerte sich dabei beklommen an das eine Mal, als sie durch die Tür diese verdächtigen, pfeifenden und klatschenden Geräusch aus dem Raum gehört hatten, in dem nur Ma und der Doc gewesen waren. Und an Mas verdächtig steifen Gang, den man trotz ihrer langen Röcke danach hatte erahnen können und der einem kleinen Jungen genug sagte, dessen Kehrseite selbst schon mit einem Rohrstock Bekanntschaft gemacht hatte... Nee! Den würde Ma niemals heiraten! Sie erduldete ihn bloß, um das Geld ranzuschaffen, damit sie alle genug zu essen hatten und so. Nur für ihn und Ira und Fanny. Und Cam. Die sie alle viel, viel lieber hatte als den ollen, blöden, miesen Doc, jawohl! Josh knirschte mit den Zähnen, so fest biss er sie aufeinander.

"Du, vielleicht sollten wir dem Doc mal--", begann er, konnte aber seine glänzende Idee nicht weiter ausführen, was sie ihrem Peiniger antun sollten, denn Ira lenkte das Gespräch wieder auf die Mädchen. Hm... kein ganz so so rotes Tuch für ihn wie der Doc, dafür aber deutlich weniger risikoreich... Und irgendwen brauchte er sehr bald, um sich abzureagieren! "Keine Ahnung", brummte er und hob die Schultern, schielte Ira aber von der Seite an in der Erwartung, dass der vielleicht schon einen schönen Plan hätte, den albernen Gänsen einen Streich zu spielen. Eine kurze Ausspähung der Beute ergab, dass sie sich mit einem ihrer dämlichen "Mutter-Kind-Spiele" beschäftigten. Josh war seinem Bruder nachgeschlichen und rieb sich nun ausgiebig die Nase, die seit einiger Zeit nicht mehr ständig troff. "Stimmt. Die brauchen mal 'n Denkzettel", stimmte er zu. "Soll'n wir'n paar Regenwürmer sammeln?", schlug er vor. Regenwürmer waren immer ein solider Eröffnungszug des Spiels "Mädchen ärger dich nicht": Man konnte den blöden Weibern eine Handvoll über die Haare fallen lassen, ihnen einen von hinten in den Halsausschnitt des Kleids schieben oder die Würmer irgendwo verstecken, wo sie überraschend darauf stoßen würden – ein befriedigendes Kreischsolo war in fast jedem Fall garantiert.


RE: ALWAYS THE BOYS - Clara Spencer - 24.03.2026

Vollkommen ahnungslos von ihren neusten Zaungästen, deren Existenz Clara über die frischen Kekse und die Vorbereitung ihrer Teestunde ohnehin längst vergessen hatte, ging ihr Spiel wunderbar von der Hand.
Die Kekse ruhten in Sicherheit auf dem Fass und Sarah half inzwischen mit, all ihre Sachen auf dem Teppich auszubreiten.
Genug Zeit also, um sich über ein paar Dinge den Kopf zu zerbrechen, wie über Mrs. Cole, die so ohne weiteres das Haus verlassen hatte - ohne vorher all ihre üblichen Pflichten zu erfüllen. Anscheinend. Clara war all dies nur aufgefallen, weil sie bislang ein Leben ohne Bedienstete verbracht hatte und Mrs. Cole zum ersten Mal mehr wie jemand agierte, dem freistand etwas zu tun. Ansonsten kannte sie Mrs. Cole nur als routinierte Frau, die den ganzen Tag irgendetwas in Sarahs Zuhause zu erledigen hatte, um Mr. Walcott zufrieden zu stellen - laut Sarah.

Ihre Freundin stimmte ihr gerade zu, war aber der Meinung, dass das bislang ausgelassene Mittagessen in den Töpfen ruhte. Vielleicht - überlegte Clara und war der Ansicht, dass sie wohl warten mussten, weil Sarahs Pa ebenfalls nicht zu Hause war. Vielleicht war es auch nur zwischen den Erwachsenen abgesprochen. Das würde so einiges erklären. Sarah hatte aber noch einen Punkt mehr, der verdächtig erschien und Clara hielt mitten im Laufen inne. "Das stimmt. Sie hat wirklich nicht nach den Hausaufgaben gefragt. Und Ma hat extra betont, dass ich nur mitkommen darf, wenn ich mit dir vor dem Spielen alle Aufgaben erledige." Nun, das brachte Clara in eine gewaltige Zwickmühle. Sie tat normalerweise immer das, was ihre Mutter sich erhoffte, erbat oder gar anwies. Sie wich davon nicht ab. Aber das Spielen mit Sarah war einfach zu schön, um es jetzt der Pflicht wegen abzubrechen. Und zudem war es ja nicht ihre Schuld, wenn Mrs. Cole sie nicht daran erinnerte, wie sie es üblicherweise tat. Nur würde ihre Ma ihr das später glauben, wenn sie zuhause erst ihre Bücher auspackte?
Der Gedanke bereitete ihr ein bisschen Bauchweh... Vor allem seit ihre Mutter über Thunder, John, Eli, Charles, die Gerichtsverhandlung und Andrew ihre übliche Geduld verloren hatte.

Doch Sarah war schon ein Gedanke weiter und Clara sah zu ihrer Freundin und beendete ihren letzten Gang zur Decke schließlich, um noch ein Kissen abzulegen, auf dem sie sich schließlich niederließ. "Vielleicht," sagte Clara und seufzte langgezogen. "Erwachsene haben doch alle irgendwo ein Geheimnis. Denk nur an Andrew," erinnerte Clara Sarah an ihren kleinen Halbbruder, von dem sie niemanden je hätte berichten dürfen und es am Ende doch getan hatte, weil sie das Geheimnis ihrer Mutter nicht mehr länger ausgehalten hatte. "Wir können sie ja beobachten? Und wenn sie wieder einfach so geht, gehen wir ihr nach und finden es heraus," schlug Clara vor, die trotz allem Artigsein eine unbezwingbare Neugier besaß, die sie gelegentlich auf dumme Idee brachte. "Vielleicht hat sie ja einen... Ver-e-h-r-e-r," hauchte sie das Wort, ohne zu wissen was das eigentlich genau bedeutete, aber so wie die älteren Mädchen darüber immer sprachen, was sehr... unanständigs sein musste.


RE: ALWAYS THE BOYS - Sarah Walcott - 05.04.2026

Mit großem Enthusiasmus widmete sich Sarah den Vorbereitungen. Nachdem sie eine letzte Mahnung von Mrs. Cole bekommen hatten, waren die Mädchen sich selbst überlassen, und sie gedachte das endlich wieder erlaubte Spiel mit ihrer besten Freundin nach Kräften zu genießen. Die Kleine hatte dabei recht klare Vorstellungen davon, wie die gute Stube auszusehen hatte, in der sie, gestandene Puppenmutter und Hausfrau, ihre Besucherin Clara empfangen würde, um sie zu Kaffee und Kuchen – also etwas von Mrs. Coles Ingwerlimonade und den mit Hilfe der Haushälterin gebackenen Keksen – einladen würde. Penibel reihte sie alles auf, was sie für ihren imaginären Kaffeetisch brauchten, und zupfte sich ihre Locken zurecht. Das schmale Kinn nach oben gereckt bemühte sie sich um eine aufrechte Haltung, die ihr gewichtig und erwachsen vorkam. Hmmm... wie sollte sie Clara eigentlich zur Begrüßung anreden? Einfach nur "Clara" klang nicht... erwachsen genug.

"Du, Clara?", wandte sie sich ihrer Freundin zu. "Wir brauchen auch noch schöne Namen, findest du nicht auch? Damit wir uns richtig begrüßen können." Nachdenklich schürzte sie die Lippen. "Wie wäre es, wenn du Mrs. Brown bist und die Frau vom, hmm... vom Friedensrichter? Und ich bin, bin... Mrs... Mrs. Logan, die Frau vom Bankdirektor. Ja? Und unsre Männer sind..." Auf jeden Fall durften sie keine aktive Rolle spielen. Allein schon mangels körperlicher Gegenwart, aber auch weil Männer generell beim Mutter-Kind-Spiel nur stören würden. "...die sind in der nächsten Stadt, wo sie wichtige Dinge erledigen, und wir sind solange mit unsren Kindern allein zuhause." Zufrieden lächelte sie, denn damit waren die männlichen Rollen für den Rahmen ausreichend definiert, ohne den Damen ins Gehege kommen zu können. Dann kniete sich Sarah hin und rückte liebevoll noch dies und das zurecht, das nicht vollkommen gerade ausgerichtet gewesen war. Dass Clara im Gegensatz zu ihr noch immer in Gedanken bei Mrs. Cole war, verwunderte das Mädchen, das ein wenig irritiert aufschaute.

"Na ja, das stimmt", meinte sie zögerlich. "Und wenn wir uns ganz, ganz fest versprechen, dass wir sie gleich nach dem Spielen machen?" Eigentlich war ihr auch nicht ganz wohl bei dem Gedanken, unartig zu sein und die Hausaufgaben hintan zu stellen. Immerhin war das Spielen mit Clara eine gerade erst wieder von halbwegs besänftigten Erwachsenen erlaubte Freizeitbeschäftigung. Wenn sie nicht folgsam waren, riskierten sie ein erneutes Verbot. Andererseits... Sarah schaute in das lächelnde Puppengesicht ihres Babys und zupfte an einer ihrer Locken herum. Ob man Mrs. Cole vielleicht überreden könnte, darüber hinwegzusehen, falls sie es merkte – mit ganz viel Bitten und Betteln...? Sie hatte einen Heidenrespekt vor der Haushälterin ihres Pa, die nett, aber auch streng sein konnte. Umso erschrockener war sie ob des Vorschlags, den Clara ihr gleich darauf machte. "Ihr nachgehen?! Ja aber--", machte sie leise und riss die Augen auf. Einer Erwachsenen nachspionieren? Das war bestimmt nicht artig! Wobei Clara irgendwie klang, als wisse sie mehr... "Was ist denn ein Ver-e-h-r-e-r?", versuchte sie das Wort möglichst genau nachzusprechen. Vielleicht so einer wie manche der älteren Männer im Ort, die zu Frauen "Verehrteste" sagten?


RE: ALWAYS THE BOYS - Ira Cole - 07.05.2026

Ira hörte sich den kurzen Ausbruch seines Bruders an - über Sionn, den Doc und was sie tun könnten, wenn... und hätte ihm dieser Nachmittag nicht die gute Laune so gründlich verdorben, hätte er gewiss in Zustimmung diabolisch grinsen müssen, um Josh darin zu bestärken, dass der Ort viel mehr vor seinem kleinen Bruder Angst haben müsste, als vor allen Sionns dieser Welt. Aber in ihm reifte ein ganz anderer Gedanken heran, der - so fand Ira - seinesgleichen erst noch finden musste. Obwohl siedie Mädchen schon längst entdeckt hatten und ihre Gedanken um Kekse und Lausbubenstreiche kreisten, hielt Ira noch einmal inne und legte seinem Bruder eine Hand auf die Brust, um ihn daran zu hindern weiterzugehen.

"Du, sag mal, wegen Sionn oder dem Doc oder den anderen - was, wenn wir wirklich unsere eigene Bande gründen? Keine um Sionn aufzuhalten. Der kann uns eh nichts," was stimmte. Bei den Cole-Brüdern war nichts zu holen und als würde Sionn wittern, dass die beiden ihm ebenbürtig waren, was Armut, Lebenssituation und Boshaftigkeit anging, machte er einen Bogen um die beiden. "Aber wenn wir all die armen Verlierer wirklich aufnehmen und mit ihnen einen geheimen Schwur leisten, dass wir uns für all die Ungerechtigkeiten rächen, die uns angetan werden... Wäre das nicht ein Spaß?", in seiner Vorstellung sah er sich im "Krieg" mit der anderen Bande in wundervollen Schlachten verwickelt, er sah sie das Versteck der anderen plündern und vernichten, aber vor allem sah er eines - eine Gruppe, die füreinander einstand, gegen die blöden anderen Kinder und die Erwachsenen. Denn jene wollte er nicht aus seinen Racheplänen ausschließen. Sie waren die schlimmsten Unterdrücker.

"Wir könnten den anderen ihren Plan gegen Sionn vereiteln und uns gegen die ganzen Ungerechtigkeiten wehren. Ich find der Sheriff steht auf unserer Liste ganz oben, wie auch der blöde Harris," Ira hatte die Schmach nie überwunden - vom Metzger verdroschen, vom Sheriff verhauen und anschließend auch noch zu Hause das Theater mit Ma... "Und wenn uns der Doc blöde kommt, bekommt er so einen üblen Streich von uns allen gespielt, dass er es sich dreimal überlegt, was er tut," Iras Augen glänzten für einen Moment, als er seinen Masterplan weiterführte, dann nahm er die Hand von Joshs Brust und betrachtete die Mädchen. Die hatten inzwischen alles auf ihrer Decke und unterhielten sich. "Und wir könnten die Puten so richtig ärgern, ohne befürchten zu müssen, dass sie uns verpetzen... Weil wenn sie das tun, treten die Jungs auf den Plan und sie finden nie wieder ihre Ruhe auf dem Schulhof vor uns...," oh das war ein herrlich, böser Plan, der in ihm reifte...

Einer, der dazu führte, dass er vollkommen ihre Mutter vergaß, die selbstredend von diesen Plänen ausgenommen war, aber die es am Ende sein würde, die, ganz gleich was sie anstellen würden, den Kochlöffel als letzte Instanz schwingen würde... Da sich das von seiner üblichen Denkweise aber ohnehin nicht unterschied, weil das Leben ansonsten furchtbar langweilig gewesen wäre, fiel es nicht weiter ins Gewicht.

Josh war bereits dabei sich etwas Gemeines für die Mädchen auszudenken, weil er Iras Meinung teilte, was ein Denkzettel verpassen anging. Ira grinste. "Warum nicht, Regenwürmer sind klasse," und nach dem Regen am Morgen gab es sicher ein paar, die sich an der Oberfläche zeigten. Regenwürmer würden die beiden nicht nur herrlich kreischen lassen, sondern eröffnete ihnen auch die Möglichkeit sich aus einem guten Grund den beiden zu nähern. Wenn sie erst einmal im Hof waren, würden sie auch erkennen, wo der gute Duft herkam... "Ich such da," er zeigte auf einen Busch, unter dem die Erde sicher noch gut feucht war und ihn auch vor Blicken vom Haus aus schützte.


RE: ALWAYS THE BOYS - Joshua Cole - 10.05.2026

Joshua hielt inne, als er den Ausdruck in den Zügen seines Bruders sah. Der Junge runzelte die Stirn und rieb sich mit einem fragenden Brummen die Nase. So sah Ira nämlich immer drein, wenn er irgendeinen Plan ausbrütete. Oft genug endeten diese Pläne mit einer Pleite oder einer kräftigen Tracht Prügel von Ma – oder im schlimmsten Fall vom Doc. Aber da Listigkeit und Planerei Joshs Sache nicht waren, beschränkte sich der stämmige Junge für gewöhnlich darauf, auf Iras Findigkeit zu vertrauen und die Brüder mit seinen kleinen, aber unter den Kindern Camdens allgemein gefürchteten Fäusten aus dem gröbsten herauszuhauen, wenn möglich. Diese Aufteilung der Aufgaben gefiel ihm am besten. Und ab und an, wenn Ira einen besonders guten Tag hatte – oder vielleicht wenn Mr. Gott gerade anderweitig zu tun hatte und sie nicht von seiner Wolke im Himmel aus beobachten konnte, um ihnen auf die Finger zu hauen – glückten die Vorhaben der Cole-Brüder auch einmal wie von Ira ausgetüftelt. Und Josh, der sich nur ungern den Kopf zerbrach oder lange grübelte, um eigene Pläne beizutragen, war eigentlich immer bereit, auf einen solchen Glücksfall zu setzen.

"Na ja, 's wär schon nich' schlecht", meinte er und wälzte die Vorstellung von einer eigenen Bande in seinem Kopf, um sie von allen Seiten zu betrachten. "Was denn für'n Schwur?", fragte er ganz automatisch, denn schwören, tat man das nicht nur... hm... vor Gericht? Oder in der Kirche? Oder... so? "Oh...!" Dann ging ihm ein Licht auf. "Du meinst so'n Schwur, dasse immer zu uns halten und sich eher zerreißen lassen?" Ja, das gefiel ihm! "Und wenn einer's doch tut, dann fällter tot um", spann er die Sache gleich weiter, befand, dass er vielleicht doch ein wenig übers Ziel hinausgeschossen war, und schränkte ein: "...oder er hat wenigstens zehn Jahre Unglück." Also quasi das gesamte übrige Leben, so in etwa: Das war immerhin auch eine solide Konsequenz für einen gebrochenen geheimen Banden-Schwur. "Klar, wir verekeln denen alle Pläne", stimmte er Ira zu, sich immer mehr für die noch nicht existente Bande erwärmend. "Der olle Clayton, dem musses noch richtich leidtun mit der Dresche, die wo er--" Mit einem betretenen Räuspern erinnerte er sich daran, dass sein Bruder nicht gern Details dieser Episode hörte. "Und dem Harris auch, genau! Dem geizigen alten Bock."

Am meisten aber behagte Josh der Vorschlag, dem Doc einen Streich zu spielen. "Der muss richtich Angst kriegen", nickte er eifrig. "Dann sieht Ma auch, was der Kerl für'n blöder Angeber is'." Seiner Ma konnte und wollte er nichts böses unterstellen, aber wie sie den ungeliebten Mediziner anhimmelte, das stieß ihm ganz gewaltig auf – war allerdings sicher nur darauf zurückzuführen, dass Weiber eben leicht zu beeindrucken waren und Ma den doofen Doc einfach völlig verkannte. Denn wenn Ma einen Fehler hatte – für den sie aber nichts konnte! – dann den, dass sie eben eine Frau war und deshalb nicht so vernünftig wie etwa ihre Söhne. Der Doc, der nutzte sie ja nur aus, weil sie immer fleißig war und alles tat, was er wollte. Apropos Weiber... Josh folgte dem Blick seines Bruders und spähte zu den Mädchen hinüber, die dort ahnungslos ihre albernen Spiele spielten. Ein diabolisches Grinsen ging über sein Gesicht und entblößte eine Doppelreihe kräftiger, in Herausforderungen von Nüssen bis zu Kieferbrechern bewährter Zähne, in der nur im Moment eine prominente Lücke klaffte (durch die man aber wunderbar pfeifen konnte! Außerdem hatte er den ausgefallenen Zahn gegen zwei Murmeln und eine lange Rolle Zwirn eintauschen können).

"Mann, das wär' klasse!", schwärmte er, während ihm bereits verschiedene Gemeinheiten einfielen, die man den blöden Gänsen antun könnte. Fürs erste allerdings konnten sich die Brüder recht schnell auf die klassischen, immer wieder gern verwendeten Regenwürmer einigen. "Okay, dann such' ich da drüben", nickte er in Richtung der Regentonne, unter der es eigentlich immer schön feucht war. Wenn man dreckige Hände nicht scheute, an denen die schwere Erde zu richtigen Klumpen zusammengebacken war, konnte man dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz besonders lange und dicke Exemplare herauskratzen. Mit einem Glucksen, das seine Vorfreude verriet, machte er sich umgehend auf den Weg.


RE: ALWAYS THE BOYS - Clara Spencer - 08.06.2026

Clara, die im Kopf mit anderen Dingen beschäftigt war, wurde von Sarahs neuster Idee für ihr Spiel regelrecht aus ihrer Gedankenwelt gerissen und ließ sich auf die Picknickdecke sinken. Sie hörte sich genau an, was Sarah vorzuschlagen wusste und nickte dann. "Ich finde Mrs. Brown und Mrs. Logan sind sehr feine Namen. Aber was ist denn ein Friedensrichter," fragte sie interessiert nach und runzelte ein wenig die Stirn. Sie wusste was ein Richter war und was er zu tun hatte. Er verurteilte Verbrecher. Sorgte dann ein Friedensrichter für Frieden? Das überstieg ihre Vorstellungskraft: "Kann ich nicht die Frau vom Bankdirektor sein und du die Frau Richterin?", schlug sie einfach gegen vor. "Aber das mit den Männern klingt fein. Sollen sie sich um Banken und Frieden kümmern und wir dürfen in Ruhe Tee mit den Kindern trinken. Achso," unterbrach Clara ihren Gedankengang und rieb sich das kleine Näschen. "Sollte nicht eines der Kinder krank sein?" War das nicht der Ausgang ihrer Spielidee gewesen, bevor sie überhaupt auf das Picknick mit den Keksen gekommen waren? Was Clara zurück zu ihren Eingangsgedanken führte, die sich um Mrs. Cole gedreht hatten. Sarah, die über ihre Vermutungen noch gar nicht so richtig nachgedacht zu haben schien, zögerte nämlich mit einer Antwort.

Aber gut, es ging hauptsächlich um die Hausaufgaben, die sie nicht wie üblich auf das Drängen von Mrs. Cole vor dem spielen erledigt hatten. Sarah hatte dafür jedoch eine Lösung parat und Clara nickte begeistert. "So machen wir es. Du hast eigentlich wirklich immer die besten Ideen von uns," schwärmte Clara ein wenig und strahlte über das ganze Gesicht. "Dafür bekommst du einen Extrakeks," beschloss sie und unterbreitete Sarah prompt ihre neusten Gedanken zu Mrs. Coles Verhalten.

Sarah zeigte sich sehr erschrocken und wollte wie üblich widersprechen, doch dann lenkte sie das Wort "Verehrer" ab und Clara kicherte. "Das weiß ich auch nicht. Ich glaube so nennen die älteren Mädchen in der Schule die Jungs, die ihnen statt Regenwürmer in die Box zu legen, die Tür aufhalten und ihnen die Bücher nach Hause tragen. Ein Freund oder so. Mit denen sie dann bestimmt irgendwann mal... küssen," rümpfte Clara ihr Näschen. "Ich finde, wir sollten das schon herausfinden. Bei Mrs. Cole. Wenn die nämlich jemanden heiraten würde, dann würde sie euren Haushalt nicht mehr machen können. Das wäre schrecklich! Aber immerhin wüssten wir es noch vor deinem Pa... Das ist besser als es unerwartet herauszufinden.... Stell dir vor nie wieder so leckere Kekse..."


RE: ALWAYS THE BOYS - Sarah Walcott - 21.06.2026

"Ein Friedensrichter, das ist... ist..." Sarah hatte voller Stolz über ihre wundervollen Namen und Claras Zustimmung begonnen. Dann geriet die Kleine allerdings ins Stocken, als ihr bewusst wurde, dass sie zwar ein grobes Gefühl dafür hatte, was ein Friedensrichter war – ihr aber die Worte fehlten, um es zu erklären. "Ein Friedensrichter, der macht, der kann...", druckste sie herum. Dann erhellte sich ihr Gesicht, als ihr doch noch etwas einfiel: "Der kann Leute verheiraten!" Uff! Das war noch in letzter Sekunde gewesen. "Ein Mann und eine Frau gehen zu ihm hin und sagen, dass sie gern heiraten wollen. Und dann... dann machen sie eine Zeremonie" – es fühlte sich sehr gut an, ein solches Wort zu verwenden! Zumindest solange man nicht daran dachte, dass Clara auf die Idee kommen könnte, auch hier eine nähere Erklärung zu verlangen – "und dann sagt er etwas feierliches, und sie sind verheiratet." Sie schürzte die Lippen. "Hmmm... na gut. Aber mein Mann hat dich auch feierlich verheiratet." Womit seine Existenz mehr als gerechtfertigt war und er seinen Dienst getan hatte, denn Clara hatte ganz recht: Beim Teetrinken und Kranke-Kinder-betreuen wären Männer nur im Weg gewesen. "Ja, stimmt", nickte sie dann. "Dann muss aber auch der Doktor kommen. Oder..."

Sie zog die Stirn kraus. Wieder eine männliche Rolle, die keines der Mädchen gern übernehmen würde. "Oder er hat eine Krankenschwester geschickt. Weil es gar nicht sooo schlimm ist. Und du bist auch die Krankenschwester. Und ich bin dafür auch..." Verflixt! Die paritätische Verteilung der Rollen erwies sich als knifflig. "Ich bin, bin auch die... die Köchin. Und ich habe die Kekse gebacken und serviere den Tee. Ja?" Nunmehr schien ihr das Spiel gerecht auf die vorhandenen Teilnehmerinnen verteilt. Was sie erneut stolz machte und sogar leicht rot um die Nase werden ließ, da Clara ihren Einfallsreichtum so lobte. Vergnügt holte sie ihre geliebte Puppe, kniete sich hin und drapierte ihr "krankes Baby" unter einem Zipfel der Decke – ordentlich zugedeckt, wie es sich gehörte. "Küssen? Puh, dann möchte ich aber keinem solchen Verehrer begegnen", meinte sie indigniert. Ein wenig beunruhigt sah sie auf, als Clara den Gedanken gleich weiter spann. "Das darf sie doch nicht...!", protestierte das Mädchen mit großen Augen. "Und außerdem... außerdem ist sie eine sehr nette Frau. Wenn sie so einen Verehrer sehen würde, den würde sie bestimmt nie küssen!"

Sie hielt nämlich große Stücke Pas neue Haushälterin – wie könnte so jemand so treulos sein und sich einfach verehren lassen?! Nie und nimmer wollte Sarah das glauben! Wie kamen diese gemeinen Kerle überhaupt dazu, herumzugehen und einfach so unschuldige Haushälterinnen zu verehren?! Mrs. Cole wurde doch hier gebraucht!


RE: ALWAYS THE BOYS - Ira Cole - 04.08.2026

"Genau so ein Schwur," nickte Ira mit Inbrunst und grinste. "Und wer ihn schwört, muss uns und der geheimen Sache dienen. Verräter fallen nicht einfach tot um. Wir schneiden ihnen die Nasenspitze ab. Oder ein Ohrläppchen. Oder der kleine Finger," sinnierte er kurz und fand das gar nicht sooo brutal, wie es sich vielleicht laut ausgesprochen anhören musste. Es wäre nur gerecht. Denn Loyalität war etwas ungemein wichtiges. Immerhin hatte er schon einmal Josh auf seiner Seite. Und das war mehr, als so manch einer von der anderen Bande sagen konnte - denn Brüder hielten immer zusammen!
Die vagen Pläne waren damit erst einmal besiegelt. Unter Brüdern.
Ira grinste zufrieden, während Josh sich das ganze noch ein bisschen mehr ausmalte und daran seinen größten Spaß hatte.

"Uns wird schon das richtige bei Zeit einfallen. Wir üben so lange an den beiden blöden Puten," er nickte wieder Richtung Mädchen, für die sie nun Regenwürmer sammeln gehen wollten. Josh suchte sich einen eigenen Platz für die Sammlung aus und Ira ging dorthin, wo er zuvor angezeigt hatte.
Dabei hatte er gar nicht vor, nach Regenwürmern zu suchen. Das überließ er Josh. Soll er ruhig. Die liefen ihnen schließlich nicht weg. Er selbst hatte sich hinter den nächsten Busch in die Hocke sinken lassen und spähte zwischen den Blättern hindurch auf die beiden Mädchen. Die schienen von ihrer Umgebung überhaupt nichts mehr mitzubekommen. Typisch Mädchen eben. Wenn die erst einmal mit ihren Puppen, dem Teeservice und dem ganzen anderen Kram beschäftigt waren, konnte um sie herum vermutlich die Welt untergehen und sie würden es erst merken, wenn ihnen das Dach auf den Kopf fiel.

Er verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen. "Blöde Puten...", murmelte er kaum hörbar und ließ den Blick weiter über ihren kleinen Spielplatz wandern. Decke. Kissen. Puppen. Das alberne Geschirr... und dann blieb sein Blick plötzlich am Objekt ihrer Begierde hängen. Also eigentlich zu nächst nur am dem Regenfass.
Er blinzelte. Moment mal... Langsam reckte er den Hals ein Stück weiter vor. Da oben stand doch... Sein Grinsen wurde breiter.

"Na also...", murmelte er zufrieden. Da waren sie ja. Das Blech. Die Kekse. Die Übeltäter des guten Geruchs, der sie zum eigenen Zuhause gelockt hatte. Ira leckte sich unwillkürlich über die Lippen. Der Duft stieg ihm jetzt noch viel stärker in die Nase als zuvor und sein Magen erinnerte ihn augenblicklich daran, dass er seit Stunden nichts Vernünftiges mehr gegessen hatte. Und wenn Ma tatsächlich schon wusste, dass sie zu spät waren, konnten sie sich ohnehin darauf einstellen, heute keinen einzigen Keks mehr zu Gesicht zu bekommen. Nicht freiwillig jedenfalls.

Er warf einen kurzen Blick zu den Mädchen hinüber. Die quasselten immer noch miteinander und wedelten dabei mit ihren Puppen herum. Keiner von beiden schien sich auch nur im Geringsten für das Blech zu interessieren.

"Selber schuld...", murmelte Ira zufrieden. Ganz vorsichtig schob er einen Ast zur Seite und musterte den Weg bis zum Fass. So weit war das gar nicht. Wenn er sich geschickt anstellte und nicht gleich wie ein Ochse durchs Gebüsch trampelte... Oder Josh einfach die Regenwürmer auf die Mädchen warf... sollte es gelingen.

Sein Blick glitt noch einmal zu den Mädchen. Seine Ohren waren in ihre Richtung gerichtet und er stutzte... Redeten die beiden wirklich über Ma? Und einen Verehrer? Schnüffelten sie ihr etwa nach? Ira runzelte die Stirn und ballte eine Faust. Er hätte sich am liebsten gleich auf die zwei gestürzt, wären da nicht die Kekse gewesen. Er atmete einmal tief durch, öffnete die Faust und schlich zurück zu Josh.

"Du, lass mal die Regenwürmer sein. Ich hab was viel besseres für uns. Ich hab die Kekse gefunden. Du musst nur die Mädchen beobachten, während ich mich seitlich an das Fass da vorne wage," er zeigte Josh wo das Blech stand. Sie konnten es auch von hier aus gut sehen. Nur frontal konnten sie sich an den Mädchen nicht vorbeischleichen. "Besser wir hauen uns erst die Bäuche voll, bevor wir sie mit den Regenwürmern zum Kreischen bringen."


RE: ALWAYS THE BOYS - Joshua Cole - 16.08.2026

Josh grinste wie ein Kannibale im Blutrausch. Nasenspitzen und Ohrläppchen abschneiden – DAS war mal eine schöne Strafe für einen gebrochenen Schwur! Oder gar den kleinen Finger... "Genau! Oder gleich alle kleinen Finger!", knurrte er genussvoll, um Ira noch zu übertrumpfen – und ohne zu bedenken, dass auch da schon aus rein anatomischen Gründen bei zweien Schluss sein würde. Für den Moment jedenfalls waren ihre Ideen fürchterlich und grauenerregend genug, um ihn zufriedenzustellen. Und er wäre der letzte gewesen, der sich einer praktischen Erprobung ihres Einfallsreichtums an den zwei albernen Hühnern mit ihren Puppen verweigert hätte, wie Ira sie nun vorschlug. Ein satanisches Kichern auf den Lippen, nickte der stämmige Junge begeistert und spähte zu den Mädchen hinüber, die offenbar nichts von dem drohenden Unheil ahnten.

Momente lang rangen Rachedurst und Appetit in ihm. Ein schwerer Kampf, denn beides waren für Josh überaus wichtige Dinge. Dann siegte der Drang, sich zu betätigen. "Ich komm' gleich nach", wisperte er und huschte zu seinem auserkorenen Jagdrevier. Mit Feuereifer und einer beachtlichen, bei zahlreichen Gelegenheiten erworbenen Erfahrung machte er sich dort ans Werk. Regenwürmer zu finden war für einen gestandenen Lausebengel kein großes Problem. Er hatte sich eine Stelle gesucht, an der unter Garantie ein paar besonders lange und fette zu finden waren, und richtig: Kaum hatte er mit seinen kleinen Händen ein wenig in der Erde gewühlt, ringelten sich schon die ersten Prachtexemplare, die er eilig ergriff. Nachdem er sich auf diese Weise ausreichend bewaffnet hatte, reckte er den Hals und hielt nach Ira Ausschau.

Dann kroch er mit der Vorsicht eines indianischen Jägers zu ihm zurück und präsentierte triumphierend seine Jagdbeute, um sie vorsichtig in seine Hosentasche gleiten zu lassen. "Die sind erste Klasse!", verkündete er stolz. "Am besten schleichen'wer uns von hinten an die zwei doofen Puten ran. Du reißt ihnen das Kleid hoch und ich werf' die Regenwürmer auf sie", schlug er vor und rieb sich mit einem Glucksen die Hände. "Wenn's gut klappt, kriecht denen sogar einer in die Unterhosen...!" Das wäre ein Heidenspaß! Doch zunächst lockten andere Freuden: Er folgte der Richtung, in die Iras Finger wies, und leckte sich über die Lippen. "Mann, 'n ganzes Blech voll!"

Nun ging sein Grinsen in den seligen Ausdruck eines Opiumrauchers in seinen Träumen über. Er wusste, dass er seinem älteren Bruder im schnellen Schlucken von Essbarem deutlich überlegen war. Und da sie nicht viel Zeit hätten, würden sie sich so viele von den Keksen in die Backen stopfen müssen, wie sie nur bekommen konnten – was für ihn mehr als die Hälfte des Blechs bedeuten würde. Denn dass kein einziger Krümel das geplante Gebäck-Massaker überstehen sollte, war für Josh bereits beschlossene Sache.