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HAUS CLAYTON sick visit - Druckversion

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RE: sick visit - John Clayton - 04.01.2025

John stand wie ein Fels in der Brandung vor der Tür seines Hauses, während Emily sich immer enger an ihn drängte und immer mehr Schutz hinter ihm suchte. Ihre Worte, geflüstert, aber mit einer tiefen Beklommenheit in der Stimme, drangen zu ihm durch: "Was, wenn der Mensch vollständig verrückt ist…?" Er spürte die Anspannung seiner Frau, ihre Angst und die Erinnerungen, die sie quälten – Erinnerungen, die er am liebsten für immer auslöschen würde, wenn er könnte. Doch jetzt galt es, einen klaren Kopf zu bewahren. Auch wenn Emily sich nun wie eine Ertrinkende an seinen Unterarm klammerte.

Sein Blick blieb auf Moreau geheftet, der wohl selbst an seinen Worten nichts Falsches zu erkennen schien. Oder sich weder für unmöglich noch frech empfand. Stattdessen ging er über Johns Bemerkungen hinweg, hielt Narben für attraktiv, weil Männer mit Narben gute Geschichten erzählen konnten... Nun, in diesem Fall wohl eher lustige Geschichten und wieder einmal konnte John Moreau kaum böse für seinen erhaltenen, jugendlichen Charme und Humor sein. Im Gegenteil - er musste grinsen, als er erneut Emilys Schießkünste erwähnte. "Wir werden das üben müssen," raunte er kurz Emily zu, die aber sichtlicher besorgt wirkt und regelrecht unter Moreaus frechen Worten erstarrt war. Sie bat ihn sie vor Moreau zu beschützen, befürchtete gar einen Lüstling an der Tür und John konnte ihr das gewiss nicht verübeln.

Wenigstens erkannte Moreau Johns Autorität kurz an, in dem er sich damit einverstanden erklärte, dass er seine Augen von nun an wo anders hinrichtete, als auf Emilys beeindruckende Oberweite, die alleine John gehörte und sonst keinem anderen Mann. Ein strenges Kopfnicken mit unbewegter Miene erhielt Moreau daraufhin von John. Unerwartet erfolgte daraufhin eine Entschuldigung an Emily, von der John nicht wusste, wie ernst Moreau sie tatsächlich meinte und ob seine Wortwahl besonders klug oder einfach erneut nur frech war. Aber es war eine Entschuldigung und so wie er Moreau inzwischen kennenglernt hatte, war das mehr als Emily von dem Mann hätte erwarten können. Die anschließenden Worte zu John stimmten den Sheriff ein wenig unbehaglich und er hoffte Moreau würde den Bogen nicht erneut überspannen. Was er erstaunlicherweise tatsächlich nicht tat, als er fortfuhr und sich ein wenig erklärte, seine aufrichtigen Absichten beteuerte, wieder etwas aufdringlicher wurde, ehe er sich mit einem breiten Grinsen auf einem der Stühle der Veranda niederließ und die Whiskyflasche mit einer Selbstverständlichkeit auf den Tisch stellte, die selbst den geduldigsten Mann auf die Probe stellen konnte. Johns Kiefer mahlte kurz, während er innerlich abwägte, wie er die Situation entschärfen und gleichzeitig seine Autorität wahren konnte.

An Emilys Verblüffung über die Bitte nach dem Tee, konnte John sehr wohl erkennen, dass sie mit einer anderen Reaktion ihres Mannes gerechnet hatte. Doch die Zeiten, in denen John einem um etliches Jahre jüngeren Mann körperlich etwas entgegenzusetzen gehabt hätte, waren längst vorbei. Er musste manche Angelegenheiten nun doch mit etwas mehr Feingefühl lösen, als früher.

„Emily“, begann er ruhig und mit einem kurzen Blick über die Schulter zu seiner Frau, „hol uns den Tee, ja? Lass mich das hier regeln.“ Seine Stimme war sanft, aber bestimmend, und er hoffte, dass Emily seine Botschaft verstehen würde: Er hatte die Sache unter Kontrolle. Doch als sie mit einem Seufzen ins Haus verschwand, blieb ein Stich des Bedauerns zurück. Es war nicht fair, sie so in ihrem Stolz zu verletzen, aber er würde später mit ihr sprechen – wenn Moreau nicht mehr in der Nähe war.

Der Sheriff richtete sich auf und nahm, mit verschränkten Armen, eine Position gegenüber dem Tunichtgut ein, der sich offenbar prächtig amüsierte. „Mr. Moreau“, begann John langsam und mit einer Ruhe, die jedoch von einem Hauch ernster Mahnung durchzogen war, „Sie sind ein Gast auf meiner Veranda. Ich lasse Sie hier sitzen, weil ich hoffe, dass Sie ihre ernsten und freundlichen Absichten auch wirklich wahrmachen.“ Sein Blick wurde schärfer, seine Stimme einen Ton tiefer. „Aber wenn Sie weiterhin unangebrachte Bemerkungen über meine Frau machen oder ihr das Gefühl geben, sich unwohl zu fühlen, dann war’s das mit der Gastfreundschaft. Verstanden?“ John seufzte innerlich. Es war schwer, bei so einem Mann zwischen frechem Charme und möglicher Respektlosigkeit zu unterscheiden, aber er hoffte Moreau hatte ihn verstanden und würde beherzigen, was John zu sagen gehabt hatte.

Die Anmerkung über das gemeinsame Trinken tat John mit einem Schulterzucken ab. "Ich habe eine scharfen Wachhund," er nickte Richtung Hausinneres. "Die Frauen vom Ort haben sich in den Kopf gesetzt, dem Alkohol alles mögliche Üble anzudichten, um ihn ein für alle Male zu verbannen." Als Moreau schließlich die Flasche in seine Richtung schob, zögerte John einen Moment, bevor er sich setzte. Er hob die Augenbraue und betrachtete die Flasche. „Wenn ich trinke, dann nicht, um mich mit Ihnen über Tuberkulose-Heilmittel zu unterhalten.“ Seine Mundwinkel zuckten leicht. Mit einer ruhigen, aber doch bestimmenden Geste griff John nach der Flasche und studierte sie. Ja, sie war eindeutig McKay. "Noch nicht abbezahlt, so?", fragte er wie nebenbei und hoffte, dass Emily zumindest Moreau ein Glas brachte und dann nicht hinsah, wenn er den Tee... streckte.


RE: sick visit - Emily Clayton - 10.01.2025

Schwer zu ignorieren?! Schwer zu ignorieren! Emily holte tief Luft, was den betreffenden Körperteil noch schwerer zu ignorieren machte, und ließ sie dann langsam wieder aus dem Mund entweichen. Sie war sprachlos – dieser unverschämte Bursche hatte ihre Weiblichkeit einfach so mir nichts, dir nichts... nun, nicht direkt beleidigt, eher... belobigt... Aber das in einer Weise, die sie schon fast wieder als gezielte Beleidigung verstehen konnte! Und ihr Mann, ihr Behüter und Beschützer: Machte er Anstalten, den Sittenstrolch erneut zu verhaften oder ihm wenigstens mit einem Standgericht zu drohen? Emily, die reichlich rot angelaufen war, biss sich auf die Zunge. Ooooh... Mannsleute! Was sollte man mehr dazu sagen? Da beugte sich John zu ihr hinunter und raunte ihr etwas ins Ohr, das sie mit ihrer Empörung ganz aus dem Konzept brachte. "Üben?", hauchte sie verständnislos zurück, bis der Groschen fiel. "Aber John..." Sie hielt das wirklich für keine gute Idee. Hatte er denn noch nicht verstanden, dass seine Frau und Schusswaffen sich so gut vertrugen wie Feuer und eine Lunte an einem Dynamitfass?

Dennoch blieb ihr wenig übrig, als ihrem Mann zu gehorchen und den Tee zu holen, während die Herren der Schöpfung die Sache unter sich regeln würden. Mit einem letzten Seufzer eilte sie in die Küche, begleitet von dem tröstlichen Gedanken, dass ihr Mann sie vielleicht einfach deshalb wegschickte, weil er vorhatte, mit dem Tunichtgut Moreau ein sehr ernstes Wort zu wechseln. Und anständige Männer sorgten dafür, dass ihre Frauen von solchen ruppigen Gesprächen nichts mitbekamen. Ja: Das würde es sein! Ein kleines Lächeln erhellte Emilys Gesicht. Er war ein hochgebildeter und sehr galanter Mann, der wusste, wie man eine Lady behandelte, ihr John – das war ja eine der faszinierenden Eigenschaften an ihm, die sie, eine einfache Haushälterin und mitnichten eine große Dame, noch immer so stark für ihn einnahmen. Ein klein wenig versöhnt mit der vorangehenden Szene trat sie in ihren ureigenstes Raum innerhalb des Hauses und schaute nach dem Feuer.

Als sie Wasser in einer Kanne aufstellte und sich ein Handtuch als Topflappen daneben bereitlegte, den Tee holte und zwei Tassen mitsamt ihrer Zuckerdose auf ein Tablett stellte, war sie bereits so in dem Gedanken gefangen, dass John nur galant gewesen war und sie schonen wollte, dass sie schon wieder leise sang. Ihr John würde es diesem Schürzenjäger schon zeigen – tüchtig auszanken würde er ihn, während sie hier, in ihrem kleinen häuslichen Reich, sicher und geborgen war. Ach, nun hätte sie ihn schon wieder herzen können, den Guten! Sie hatte ja, wenn sie es recht bedachte, ein unwahrscheinliches Glück, einen so tatkräftigen, anständigen und mitunter auch zärtlichen Mann geheiratet zu haben wie ihn. Womöglich würde sie ja sogar, dachte Emily unter verschämtem Kichern und einem leichten Erröten, in den nächsten Tagen versuchen, ob er auf leise Winke mit ihren weiblichen Reizen zu reagieren gewillt war, wie er es schon getan hatte. Immerhin wollte sie ihm noch einige schöne, gesunde Kinder schenken, und das, was er in solchen Momenten mit ihr anstellte, war höchst... angenehm!

"Du liebes bisschen!", fluchte sie herzhaft. "Emily, du dummes Ding!" Beinahe hätte sie das heiße Wasser verschüttet, als sie ihre Hand erst mit dem Schürzenzipfel, dann mit dem Tuch umwickelte und die Kanne hob, um den Tee in einer zweiten zu überbrühen. Schmunzelnd über ihre kurze Abgelenktheit lauschte sie dem Gluckern des Wassers und spitzte zugleich die Ohren. Johns Organ müsste eigentlich bis in die Küche zu hören sein, wenn er dem unverschämten Moreau die Leviten las...


RE: sick visit - Calvin Moreau - 19.01.2025

Es gab absolut keinen Grund, um nicht gutgelaunt auf dieser Veranda zu sitzen.
Calvin atmete die spätsommerliche Abendluft tief in seine Lungen ein, liess den Blick über die Richard Camden Street gleiten und lehnte sich im Stuhl zurück. So musste sich ein Mann fühlen, der alles erreicht hatte, was er mit seinen Möglichkeiten erreichen konnte.
Selten sass er auf derart gepflegten und sauberen Verandas. Er konnte die Handschrift einer Frau erkennen, die dafür sorgte, dass das Haus einen ordentlichen Eindruck machte und sich keine Nachbarin das Maul über eine sichtbare Nachlässigkeit zerreissen konnte.
Männern war das grösstenteils egal. Er vermutete, dass sich Clayton nicht darüber aufregen würde, wenn es hier und da ein paar Staubkrumen gab, eine morsche Stelle im Holz ersichtlich wurde oder die Stühle und der Tisch nicht ordentlich hingestellt waren. Für die Männer musste es funktionell sein, einen Nutzen besitzen, aber nicht hübsch aussehen, wobei sie es durchaus zu schätzen wussten, wenn etwas - oder jemand - hübsch aussah.
Der Hut landete auf seinem Schoss und sein Blick ging dann am Sheriff entlang in die Höhe. Dieser ermahnte ihn nochmals, Bemerkungen über Emily zu unterlassen. "Aye, Sir.", sagte er und grinste immer noch, aber eine Spur Ernsthaftigkeit war in seinen Blick zurückgekehrt. Er hatte ja gar nicht vor, in Emily Unbehagen hinauf zu beschwören, aber es gefiel ihm, wie sich die kleine Frau aufplusterte und ihrem Gemahl deutlich machte, dass er seinen Mann stehen musste, um sie vor jemandem wie Calvin zu beschützen, dessen einzige Waffe seine Zunge war. Trotzdem, den Bogen wollte er heute nicht weiter überspannen, denn ansonsten war es das wohl wirklich mit der Gastfreundschaft. Wobei sich Calvin selten davon abhalten liess, ein zweites, drittes oder auch zwölftes Mal aufzukreuzen, weil er partout kein Nein verstehen wollte.

Das, was der Sheriff ihm dann aber erzählte, fand er besonders merkwürdig. "Ein Alkoholverbot?" Er schnaubte belustigt und schob die Flasche dem Sheriff zu. "Frauen sollten sich nicht in die Belange der Männer einmischen, finden Sie nicht auch, Sheriff?"
Dieser setzte sich nun nach einem erneuten Zögern doch mit hin und machte es sich auf dem zweiten Stuhl bequem. Über Tuberkulose wollte Clayton allerdings nicht sprechen, was Calvin recht war, er kannte sich damit nämlich auch nicht wirklich aus. So, wie er sich mit kaum einer Krankheit je auseinandergesetzt hatte. Er war schliesslich ein robuster Kerl.
Er beobachtete Clayton dabei, wie dieser die Flasche studierte und dann einfach mutmasste, dass der Alkohol noch nicht bezahlt worden war! Konnte der Mann Gedanken lesen? Calvin sah ihn an. "Woher wissen Sie das?", verriet er sich mit dieser Frage selbst. "Ich verdiene nicht so viel, dass ich immer sofort alles bezahlen könnte. Aber ich bezahle meine Schulden!" Das tat er! Meistens. Gelegentlich. Also ab und zu, wenn man ihm auf die Pelle rückte. Bei McKay war er immerhin so ehrlich, dass er die entwendeten Dinge aufschrieb. Mit Ausnahme der Bonbons. Aber es gab eine Liste, auf der neben dem Whiskey auch eine Dose Pfirsich, zwei Schweinswürste, ein Barttonikum und ein Kamm aufgelistet waren. Die Pfirsiche hatte er zur Hälfte bereits bezahlt, denn daneben stand ein Abzug. Calvin konnte zwar nicht lesen und schreiben, aber er wusste immerhin, wie er mit Zahlen umzugehen hatte. Für herausfordernde Mathematik reichte es nicht, aber er konnte Plus und Minus rechnen und seine krakeligen Zahlen waren wenigstens lesbar.
Ihm war durchaus bewusst, dass McKay, wenn er den Zettel fand (wovon er ausging, er hatte ihn nämlich nicht besonders gut versteckt), irgendwann seinen nächsten Lohn einbehalten würde.

Calvin begann an seiner Lippe zu zupfen, während sie auf die Rückkehr der Hausherrin warteten. Dabei musterte er den Älteren. "Erzählen Sie was von sich, Clayton. Sie sind nicht hier geboren worden, oder? Waren Ihre Eltern die ersten Siedler im Westen? In Camden? Wie haben sie es geschafft, aus ihrem Sohn ein solches Prachtexemplar zu machen?" Er grinste. Wieder war es ein Kompliment für Clayton. "Sie waren bestimmt ein fleissiger Schüler. Erst Sheriff geworden und jetzt auch noch Anwärter auf den Bürgermeistertitel."
Was Mrs Clayton im Inneren des Hauses erwartete, war ihm nicht bewusst. Er hätte sich allerdings auch über ihre Vermutung gewundert, schliesslich gab es überhaupt keinen Grund, ihn lauthals zurechtzuweisen! Ein angehender Bürgermeister durfte das nicht, er war schliesslich der Mann für alle Bürger und Calvin gehörte seit einiger Zeit eben dazu. Man kannte ihn bereits, wusste, wie er hiess, wo er arbeitete und dass man ihm besser kein Geld lieh - und auch nicht auf seine Blicke einging, weil man ihn dann nicht mehr loswurde.


RE: sick visit - John Clayton - 02.02.2025

Was John eben nicht in Emilys Gegenwart getan hatte - Moreau zu maßregeln - holte John nun nach und er zeigte sich sichtlich milde gestimmt, als der jüngere Mann keine Einwände erhob und sich fügte. Alles andere hätte ihm eine gewaltige Standpauke eingebracht, um die John keineswegs verlegen gewesen wäre. Er hatte nur im Augenblick kaum die Kraft für eine Auseinandersetzung und war mehr erleichtert über diese Wendung, als enttäuscht. Denn er war müde. Er war schrecklich müde. Die Kugel, die ihn im Frühjahr so schwer getroffen hatte, dass ihm der Arzt eine nur sehr geringe Überlebenschance eingeräumt hatte, hatte bereits sehr an Johns Gesundheit gezerrt. Er hatte sich davon erst kürzlich erholt und nun hatte er gleich den nächsten "Unfall" erlebt. Selbst Walcott, der üblicherweise staubtrocken und bierernst durch die Gegend marschierte, hatte sich ein Lachen nicht verkneifen können. Etwas, das doch sehr an Johns Ehre gekratzt hatte.

John war es nicht mehr zum Lachen. Er war der Unfälle müde und brauchte eine Pause.

Und deswegen begrüßte er auch diese Flasche Whiskey sehr. Als er sich setzte und dabei Moreau über das neuste Hirngespinst seiner Frau unterrichtete, war ihm ebenfalls nicht mehr zum Lachen zu mute und er sah betrübt vor sich in den Garten. Wie er Emily kannte, würde sie ihren Willen nämlich bekommen. Auf ihre leise, aber sehr nachdrückliche Art. Und John war im Augenblick nicht in der Verfassung sich eine Strategie dagegen auszudenken. Er hatte nicht einmal einen Ansatz.

Moreau zeigte sich erwartungsgemäß nicht sonderlich beeindruckt von dem Vorhaben, aber John war bei weitem der Sache gegenüber vorsichtiger eingestellt, als Moreau wahrscheinlich vermutete. Aber er vertrat Johns Meinung, und darüber konnte John nicht so einfach hinweggehen: "Da sind wir überraschend einmal einer Meinung," knurrte John, der gewöhnlich eine eher gemäßigtere Meinung Frauen gegenüber vertrat. Doch auch er hatte seine Grenzen und nicht jedes Vorhaben war in seinen Augen sinnig. "Zumindest müssen sie sich nicht in alles einmischen." Nachdem er sich ein wenig im Stuhl zurechtgerückt und die Whiskeyflasche gemustert hatte, ließ er seine Vermutung über die Bezahlung der Flasche einfach über seine Lippen kommen und überraschte damit Moreau vollkommen. John musste schmunzeln und die leichte Heiterkeit erreichte seine Augen, in denen es schalkhaft funkelte. "Nun, ich kenne eben meine Kundschaft," sagte er amüsiert und frei von jeder Verurteilung. "Ich bin mir sicher, Sie sind im Grunde eine ehrliche Seele, sonst würde ihnen Francis keinen Kredit gewähren," und diese Worte meinte John durch und durch ehrlich. Denn im Ort war Francis nicht gerade dafür bekannt, dass er einem Fremden umgehend Vertrauen entgegenbrachte oder leichtfertig seine Freundschaft anbot. Er musste was in Moreau sehen, das sich ansonsten vor jedem anderen gut versteckte.

Sein Blick glitt sehnsuchtsvoll zur Flasche und er war gespannt darauf, wie Emily zu ihnen zurückkehren würde. Ob sie umsichtig war und einfach zwei Gläser mitbrachte? Nun, da war seine Hoffnung gewiss größer, als sein Verstand - sie würde in diese Richtung gar nichts tun!

Moreau lenkte ihn gleich wieder von seinen Gedanken ab, in dem er ihm neugierige Fragen stellte und John wog ab, in wie weit er Moreau irgendetwas über sich preisgeben sollte. Oder ob überhaupt. Die erste Frage war nicht unbedingt...gefährlich. Und wenn sich Moreau ein wenig anstrengen würde, konnte er sich diese Information überall her besorgen. Denn ein Geheimnis war Johns Herkunft im Ort nicht mehr. "Ganz richtig. Ich komme von der Ostküste. Boston. Dort geboren und aufgewachsen," die Erwähnung seines Sohnes ließ John kurz innehalten, nicht sicher über wenn Moreau sprach. Timothy oder den Kleinen, den er hoffentlich gut behütet in der Wiege wusste. Er überging diesen Teil absichtlich und konzentrierte sich auf das, was man in Camden bereits von ihm wusste: "Jura. Eigentlich fing alles mit Jura an," ein wehmütiges Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen und er seufzte ein wenig. "Aber was meinen Sie denn mit Bürgermeisteranwärter?" Er hob seinen Kopf und blickte Moreau an.


RE: sick visit - Emily Clayton - 04.02.2025

Während sie immer noch vergeblich auf den Zornesausbruch von draußen lauschte, bewies Emily echtes Talent zum mehrgleisigen Denken, indem sie zeitgleich die Kanne samt Tassen, einigen Stücken Zucker und ein wenig Milch auf einem Tablett anrichtete, leise vor sich hin murmelnd der Empörung darüber Luft machte, was eine ehrbare Frau wie sie sich unter den Augen ihres Mannes, der zufällig auch noch der oberste Gesetzeshüter des Ortes war von einem Sittenstrolch gefallen lassen musste, und auch noch ihr Äußeres einer kritischen Überprüfung unterzog: War da noch ein Stäubchen auf ihrer reinweißen Schürze? Eine Knitterfalte in der Bluse? Lugte ein Stückchen Unterrock keck unter ihrem Rocksaum hervor? Saßen ihre Korkenzieherlöckchen adrett? Warum sie das tat, hätte sie selbst kaum in Worte fassen können. Immerhin ging es nur darum, der Anweisung ihres Mannes zu folgen und ihm samt einem sehr unwillkommenen Gast Tee zu servieren. Aber für die rundliche kleine Britin war nun einmal die Wahrung der Formen ein ganz wesentliches Kritierium dafür, dass sie sich wohlfühlte. Sie würde unter gar keinen Umständen ihre Selbstachtung vernachlässigen, indem sie, selbst vor einem wie diesem Moreau, mit einer Knitterfalte in der Bluse erschien!

Als sie endlich zufrieden mit ihrem Erscheinungsbild und dem des akkurat bestückten Tabletts war, hob sie letzteres mit beiden Händen an und rauschte zurück zu den beiden Männern, wobei sie die Türen auf ihrem Weg geschickt mit ihrem ausladenden Hinterteil öffnete, ohne ein Tröpfchen Tee aus der Kanne zu verschütten – man war schließlich gestandene Hausfrau mit einer langjährigen Erfahrung als Haushälterin, man kannte alle Kniffe des Gewerbes! Sie näherte sich gerade auf Hörweite, als sie John etwas von Jura sagen hörte. Ah: Er zeigte diesem Tunichtgut gerade, dass er es mit einem gebildeten Mann zu tun hatte! Befriedigt reckte Emily den Körperteil, der schon mehrfach im Zentrum unerwünschter Aufmerksamkeit gestanden hatte, nach vorn und trat mit ihrem wärmsten Brave-Ehefrau-die-ihren-Mann-verehrt-und-dies-auch-allen-zeigt-Lächeln vor die beiden. "So, hier ist der Tee", verkündete sie und stellte das Tablett ab. Während sie die Kanne nahm und einschenkte – natürlich John zuerst – überwand sie ihren Instinkt, was für eine gute Gattin in der Öffentlichkeit schicklich war, und mischte sich ungefragt das Gespräch ein, indem sie John hörbar zuraunte: "Aber Lieber, das ist ja eine ganz wundervolle Idee...! Ich bin sicher, die Menschen würden es sehr begrüßen, wenn das Amt des Bürgermeisters an einen Mann mit möglichst großer Erfahrung geht."


RE: sick visit - Calvin Moreau - 10.02.2025

"Frauen!", sagte er und grinste. "Sie sind die schönsten, elegantesten und manchmal auch die tollkühnsten Wesen im gesamten Universum! Aber man darf sie nicht immer ernstnehmen. Ihr Platz ist schliesslich ein anderer als unsrer, nicht wahr?" Er sah den Sheriff gutgelaunt an, auch, weil sie einer Meinung waren. Frauen waren toll. Aber sie sollten nicht immer zu allem ihre Meinung äussern! Es gab Themen, bei denen kannten sich Frauen einfach nicht aus.
Leider waren Clayton und er auch nicht die standfesten Männer, für die sie sich hier ausgaben und selbst sahen. Clayton oblag dem Knüppel der Ehe und Calvin war dumm. Deshalb fiel er auch auf Claytons dahergesagte Vermutung herein, dass der Whiskey noch gar nicht bezahlt worden war.
Er runzelte die Stirn und brauchte einen Moment, um zu verstehen, welcher Art Kundschaft Clayton eigentlich meinte. "Ich bin wenigstens noch nicht Ihr Stammkunde.", gab er grinsend von sich. Aber er hoffte wirklich, dass Clayton ihn nicht fortan für jede Kleinigkeit einsperren würde.
McKay wusste eigentlich noch gar nichts von diesem Kredit. Calvin konnte nämlich nicht schreiben. Also malte er und kritzelte die Preise ab. Das Büchlein lag allerdings bei der Kasse, so, dass McKay durchaus in der Lage war, nachzusehen, was Calvin so trieb. Dass dieser es dem Älteren nicht auf die Nase band, war aber verständlich.
"Nun, ich bin jedenfalls kein gefährlicher Postkutschenräuber und vor mir müssen sich auch keine Frauen fürchten." Manche, so wie Emily Clayton, mochten ihn aber trotzdem nicht. Er wusste überhaupt nicht, wieso!

Er konnte sie aber nicht fragen, denn sie war noch nicht wieder zurückgekehrt. Also stellte er Clayton ein paar Fragen. Nichts war besser als ein paar Geheimnisse des Sheriffs zu kennen. Zumal er ja auch ein wirklich fantastisch aussehender Sheriff war und Calvin nur zu gerne ein paar Lobhymnen auf ihn singen würde. Am liebsten neben ihm liegend im Gras am See oder so. Die Vorstellung war jedenfalls reichlich spannend - und völlig deplatziert. Der Mann war verheiratet und zeigte keinerlei Interesse an etwas Abwechslung oder Aufregendes in seinem Alltag. Jedenfalls warf er Calvin keinen interessierten Blick zu. Nur Neugier und vielleicht sogar der kleine Wunsch, Calvin trotz allem sympathisch finden zu wollen, sprachen aus seinen Augen.
"Boston!", wiederholte er leise staunend. Immer wieder fragte er die Leute, ob sie aus Boston kamen oder schon einmal dort gewesen waren. Er selbst wusste überhaupt nicht, warum er es so mit dieser Stadt hatte. Er kannte Boston nicht und John Clayton war der erste Mensch, den er kannte, der tatsächlich dort gewesen war. Calvin selbst war nicht einmal irgendwie in die Nähe der Ostküste gekommen.
Clayton war sogar in Boston aufgewachsen, konnte oder wollte aber nicht beantworten, wie aus ihm ein Prachtexemplar geworden war, für welches Calvin ihn tatsächlich hielt. Der Sheriff ging nicht darauf ein, was Calvin breit und vergnügt grinsen liess. Hihi.
Aber dann sagte er etwas, was Calvin völlig verwirrte. Das Jurastudium und Camden Village brachte er nicht zusammen. Das war wie Eiweiss und Eigelb. Man musste schon Gewalt anwenden, damit sich beides zu einer Masse verband. Wieso lernte man Anwalt zu sein und liess sich dann als Sheriff an einem Ort wie Camden nieder? Nicht, dass es hier nicht schön war, aber es war eben nicht Boston. Reich wurde man hier draussen nur mit Kühen. Und Ansehen bekam man nur als Bürgermeister oder Nutte.
Doch das Amt des Bürgermeisters schien er gar nicht in Erwähnung zu ziehen, dabei hatte Emily im Gefängnis verlauten lassen, dass John Clayton der nächste Bürgermeister sein würde!

Calvin blickte hinter Clayton auf zu seiner Gemahlin, die mit einem Tablett kam und Tee brachte. Statt leere Gläser. Okay, vielleicht trank man in Boston Tee mit Whiskey. "Ihre Frau hat das lauthals im Gefängnis verkündet." Er grinste und sah zu, wie verzückt sie ihrem Liebsten zuraunte, dass Clayton ein hervorragender Bürgermeister sein würde. "Ich gebe Ihrer Frau vollkommen recht, Clayton. Sie sind der einzige Kandidat, den ich wählen würde. Mit Ausnahme von McKay, denn der ist mein Boss. Jedenfalls am Samstag, und wenn die Wahl samstags ist, dann müsste ich ihn wählen.", überlegte er laut und mit den Augen zur Decke hoch. Dann jedoch blickte er zurück zu Emily und glotzte ihr direkt wieder auf ihren Ausschnitt. "Sie wären eine hervorragende Bürgermeistergattin." Er lachte leise und biss sich dann auf die Zunge. Weitere Komplimente über ihre Treffsicherheit und ihre beiden prachtvollen Argumente durfte er nicht aussprechen, da Clayton sonst ernst machte und ihn von hier fortschickte. "Weil Sie... ähm, eine sehr respektable Gattin sind, die man in der Stadt sehr respektiert." Das klang gut und nett. Dagegen konnten die beiden Claytons ja wohl nichts haben. "Ich würde Sie wählen, weil Sie ein sehr fairer Mann sind." Sein Blick rutschte zum Hausherren hinüber. "Sie hören zu, wenigstens mit einem Ohr können Sie das noch, und Sie denken über alles in Ruhe nach. In meinem Fall hätte es nicht die ganze Nacht gebraucht, aber ich verstehe, dass Sie keine leichtfertigen Entscheidungen treffen können. Man hätte mich auf der Strasse auch lynchen können und davor haben Sie mich bewahrt. Das war sehr nett von Ihnen." Und so veränderte er seine Gefängnisgeschichte in wenigen Sekunden. "Als Bürgermeister können Sie anders durchgreifen, Clayton. Nicht mit Ihrem erstaunlichen kräftigen Griff in den Nacken, sondern mit, äh, Papier und so!"


RE: sick visit - John Clayton - 24.02.2025

John ließ sich Zeit mit seiner Erwiderung und musterte Moreau, als dieser seine Ansichten über Frauen zum Besten gab. Er fand es fast etwas befremdlich, dass Moreau und er in einer Angelegenheit einmal fast einer Meinung waren. „Wir können mit ihnen nicht, aber ohne auch nicht,“ fasste er knapp das Gehörte zusammen und musste etwas schmunzeln, als er darüber nachdachte, wie er sein tägliches Brot damit verdienen musste Moreau in der Gefängniszelle zu bewachen. Als er dabei an den Gesang denken musste, den er bereits zu ertragen gehabt hatte, verging ihm das Schmunzeln und er schnaubte leise. „Nicht mein Stammkunde, sagen Sie? Nun, warten Sie ein paar Wochen, dann sehen wir weiter. Ich bin mir sicher, Sie waren nicht das letzte Mal mein Gast. Außer Sie werden klug und einsichtig und versuchen es mit ehrlicher Arbeit?“ John zog eine Braue mahnend und fragend zu gleich in die Höhe und wollte wirklich darauf hoffen, dass Moreau ihn gerade nicht anflunkerte, als er von sich behauptete, kein Schwerverbrecher zu sein, noch einer, der Frauen nachstellte.

Dann fiel das Wort „Boston“, und für einen Moment schien es, als würde sich John in Gedanken verlieren. Die Stadt, die er einst Heimat nannte, war längst ein fernes Echo. Vieles hatte ihn hierher nach Camden geführt, aber kaum jemand stellte die Frage nach dem Warum. Und dafür hatte John alleine gesorgt. Er redete nicht gerne und schon gar nicht über vergangenes. Er war froh, dass Moreau dies zu spüren schien, denn er bohrte nicht nach.

„Ja, Boston“, bestätigte er schließlich und beließ es dabei. Sein Interesse war ohnehin auf die Sache mit dem Bürgermeister gelenkt worden und die Irritation stand ihm darüber noch immer deutlich im Gesicht. Der Sache wenig zuträglich war dabei die Rückkehr von Emily, bewaffnet mit Tee und Tassen. Keine Gläser. Ehe sie die beiden Männer erreicht hatte, klärte ihn Moreau über seine Behauptung bereitwillig auf und John runzelte die Stirn. So im Gefängnis hatte es Emily lauthals verkündet? War ihm dies angesichts der späteren Schussverletzung einfach wieder entfallen? Das konnte gut und gerne sein. Er vergaß ohnehin in letzter Zeit gelegentlich das eine oder andere und hatte sich darüber bereits Gedanken gemacht.

Seine Frau, am Tisch der Männer angekommen und stets darauf bedacht, sich tadellos zu präsentieren, setzte das Tablett mit einer so geübten Eleganz ab, dass es John ein amüsiertes Schmunzeln entlockte und ihm dabei der freche Blick von Moreau auf die verbotene Zone glatt entging. Und dennoch verging John das Schmunzeln gleich wieder, als Moreau die Gunst der Stunde nutzte, um in Emilys Hörweite davon zu schwärmen, welch hervorragender Bürgermeister John doch wäre, den es zu wählen für Moreau wert wäre. John war sich nicht sicher, ob Moreau ihm nur zu schmeicheln versuchte oder ob er bei Emily Eindruck schinden wollte. Dazu passte auch sein reichlich wirres Faseln darüber, welch hervorragende Bürgermeistergattin Emily am Ende abgeben würde und Emily, davon auch gleich beeindruckt und geblendet, mischte sich einfach in die Unterhaltung ein.

„Aber, Liebes—“ wollte John einhaken, doch Emily war schneller. Sie raunte ihm ihre Worte zwar nur zu, aber Moreau konnte sie kaum überhören, denn wirklich um eine leise Tonart bemühte sich Emily dabei nicht. John verdrehte die Augen. Natürlich spielte das Emilys Plänen in die Karten, John von seinem gefährlichen Beruf abzubringen. Sie sah ihn im Stuhl des Bürgermeisters besser aufgehoben, als mit Waffe und Pferd auf der Jagd nach Verbrechern. Gewiss hatte sie damit recht, doch John sah sich noch lange nicht für einen solchen Stuhl reif. Er wollte noch aktiv sein, etwas bewegen und von Wert vollrichten, anstatt mit Stift und Papier gegen die Bürokratie zu kämpfen.
Aber Moreau tat ihr den Gefallen und legte in dieser Angelegenheit gleich nach. „Ja, ja, ja,“ murrte John schließlich und spielte an der Teetasse. „Ich verstehe schon. Wahrscheinlich habt ihr euch beide am Ende noch gegen mich verbündet. Es scheint mir ein wenig seltsam, dass du mit ihm,“ er sah zu Emily und nickte zu Moreau hinüber. „Einer Meinung bist. Und Sie Moreau, seien sie lieber froh, wenn ich weiterhin im Amt des Sheriffs bleibe. Ein anderer, wie sie selbst sagen, würde Ihnen nicht zuhören, sondern gleich den Richter bemühen und…,“ kurz stutzte John und starrte Moreau an. Wie war das eben gewesen? Er hatte Moreau vor einem Mob beschützt, der ihn hatte lynchen wollen und wie war das mit dem erstaunlich kräftigen Griff… Grund Gütiger! John sah zum Himmel auf. Mit was hatte er das verdiente? Wirklich - mit was?

„Whiskey, sagte er daraufhin mit einem sehr kräftigen, bestimmenden Ton, dem Emily besser nicht widersprach. Nicht einmal im Ansatz. Denn Whiskey war jetzt alles, was er als Antwort auf seinen stummen Monolog benötigte.


RE: sick visit - Emily Clayton - 27.02.2025

Emily nahm feine Schwingungen auf, die ihr sagten, dass sie wohl gerade in eine Männerdomäne eingedrungen war. Für gewöhnlich legte sie Wert darauf, dass Johns Zuständigkeitsbereiche und ihre strikt getrennt blieben, wie es sich gehörte, gerade wenn die Gesellschaft etwas davon mitbekam – man hatte schließlich einen Ruf. Aber erstens war ihr dies eine Herzensangelegenheit, für die sie einen Tadel durch ihren Mann im Nachhinein zu akzeptieren bereit war, und zweitens: Konnte sie diesen Tunichtgut, der sie immer so unverschämt angrinste, im strengeren Sinn zur Gesellschaft Camdens zählen? Na, zur besseren ganz gewiss nicht... Sie nahm allerdings billigend in Kauf, dass der unmögliche Kerl in dieser einen Beziehung ins selbe Horn stieß: Ein Mann in Johns Alter und mit seinen Verdiensten gehörte als respektierter Notabler hinter einen Schreibtisch, wo ihn eine treusorgende Gattin auch besser überw... verwöhnen konnte! Die neuerlichen, diesmal diesseits der Grenzen von Sitte und Anstand bleibenden Komplimente allerdings überhörte die kleine Frau geflissentlich. Irgendwie hatte sie den Eindruck, dass Moreau nochmals etwas anzügliches über sie gesagt hatte. Auch wenn er es nicht so deutlich zum Ausdruck brachte – aber eine unsittliche Belästigung ließ sich schließlich nicht nur an Taten oder Worten festmachen, sondern auch an Absichten – und eine Frau hörte so etwas eben heraus, da gab es gar kein Vertun!

Was Emily, die den beiden Männern Tee einschenkte, fast noch mehr verdross, war allerdings, dass dieser Bursche sogar John reichlich zweifelhafte Komplimente machte. Was in ihr, bei aller Naivität, einen bösen Verdacht nährte und ihren Blick misstrauisch zwischen den beiden hin und her huschen ließ. Gott, wie peinlich musste die Situation John sein...! Ihre Sorge, dass der freche Lump, wenn John ihn nicht bald hinauswarf, nicht nur ihren, sondern ihrer beider Ruf ruinieren könnte, beschäftigte die mollige Britin so sehr, dass sie einige Male verwirrt blinzeln musste, als ihr Mann einen mürrischen Einwurf machte. "Ich, einer Meinung mit...?!" Sie richtete sich empört auf, als die Bedeutung der Worte langsam in ihrem Bewusstsein sackte. "Nun", meinte sie dann pikiert, "meiner Meinung nach zeigt das nur, dass niemand an deiner Eignung für höhere Aufgaben zweifeln kann, Lieber." Sie hätte noch mehr angefügt, leise, aber bestimmt, wäre er ihr nicht gleich darauf so kräftig in die Parade gefahren, wie sie es selten von ihm hörte. "Whiskey...?" Sie klappte mehrmals den Mund auf und zu. Aber das konnte er doch nicht ernst meinen, wo sie sich so viel Mühe gab, ihn endlich von diesem Fluch zu befreien! Und dann auch noch vor den Augen dieses dubiosen Subjekts, das derlei gewiss genüsslich im ganzen Ort erzählen würde – und damit Adieu, Mrs. Bürgermeister!

"Aber John...", wagte sie einzuwenden. Leider ließen sein Ton und sein Blick keine Gegenrede zu, weshalb sie schließlich die Augen senkte – nicht ohne Moreau noch einen bitterbösen Blick zugeworfen zu haben, denn es musste sein schlechter Einfluss auf ihren Gatten sein, der dem solch schlimme Ideen eingab und ihn seine liebende Frau so hart anfahren ließ. Sie rang sichtlich mit sich, gefangen zwischen dem Drang, schädliche Einflüsse von John abzuwenden – wozu Moreau und der Whiskey ganz im besonderen zu zählen waren – und ihrem Mann eine gute, gehorsame Gattin zu sein. Da ihr irgendetwas zu sagen schien, dass sie riskierte, umgehend über seinem Knie zu landen, wenn sie nicht spurte, schluckte sie hart, gab sich geschlagen und legte eine bühnenreife 180-Grad-Wende auf der Stelle hin, um mit rauschenden Röcken nach drinnen zu verschwinden und Gläser für die Männer zu holen. Sie hätte in diesem Moment sehr überzeugend die Maria Stuart auf dem Weg zum Schafott geben können. In ihren Augen schimmerten Tränen der Enttäuschung.


RE: sick visit - Calvin Moreau - 10.03.2025

"Ich kehre erst zurück in Ihre Zelle, wenn Sie ein anständiges Bett da drinnen haben." Mit einem breiten, vergnügten Grinsen sah er den Sheriff an. Dieser wirkte gelöster als zuvor. Aber eine Spur an Misstrauen war in seinem Blick immer noch zu erkennen. Vielleicht lag das daran, dass sie einander noch nicht so gut kannten. Der Sheriff war durch seine Ehe an dieses Haus hier gekettet und konnte deshalb auch nicht ständig im Saloon herumsitzen und mit Calvin auf das Leben, auf die Freundschaft und aufs Mann-sein trinken. Der Ehe selbst stand Calvin gar nicht so skeptisch gegenüber, denn es gab genug Momente, in denen er sich selbst ein häusliches Leben mit einer hinreissenden Gattin und gehorsamen, klugen Nachwuchs gewünscht hatte. Aber aus irgendwelchen Gründen war er nie in den Hafen der Ehe eingelaufen und dann hatte er sich damit abgefunden, kein Ehemann zu sein, und er hatte die gelegentliche Bitterkeit darüber mit Alkohol weggespült. Und mit Sex. Und dann war ihm jeweils klargeworden, dass er überhaupt nicht für die Ehe gemacht war, denn er konnte sich einfach nicht nur auf einen einzigen Menschen verlassen. Und selbst wenn der Fall eingetreten wäre, dass er einer Frau treu geblieben wäre, so hätte er ihr doch nichts bieten können. Sie hätten von der Hand in den Mund gelebt und das machte doch keine Frau lange mit!
"Ausserdem weiss ich überhaupt nicht, wovon Sie reden, Clayton!" Calvin sah ihn zwar amüsiert aber mit grossen Augen an, die eine leichte Ungläubigkeit enthielten. "Ich habe doch schon gesagt, dass ich ehrlicher Arbeit nachgehe! Ich arbeite für die Alcott! Und für McKay! Und… und ich habe bei der Zeitung ausgeholfen! Ausserdem…" Er hielt inne und dachte nach. Die Arbeit für Murphy erwähnte er besser nicht, auch wenn er nichts dagegen hätte, dass John Clayton ihn besuchen kam. So als ersten Kunden wäre das gar kein schlechter Start. Er wettete, dass Clayton ein überraschend guter Liebhaber war. Reif, erfahren, und doch offen für Neues. "… ausserdem…" Er strich sich über den Nacken. Nein. Er konnte es ihm nicht sagen, wobei er Clayton sowieso nicht gesagt hätte, welcher Arbeit er dort nachgehen wollte. Nicht einmal andeuten, dass er bei Murphy aushalf, konnte er! Das würde Murphy nicht so toll finden und dann hätte Calvin wirklich ein Problem. Und ein neuerlicher Grund, Camden zu verlassen.
Aber er wollte Camden nicht verlassen.
"Es ist nur wegen dem Geld. Es reicht irgendwie nie." Calvin grinste etwas verlegen, wusste er doch selbst sehr genau, warum es nicht reichte. Aber er war einfach nicht in der Lage, etwas daran zu ändern. Die Verlockungen und Versuchungen waren stets zu gross. Aber das war kein Thema, über das er mit Clayton jetzt sprechen wollte. Zumal er ja wusste, was die Lösung für seine Probleme war. Er konnte sie nur nicht umsetzen. Also wechselte er die Thematik und sie kamen auf Boston zu sprechen. Aber darüber wollte wohl Clayton nicht sprechen. Er antwortete ziemlich karg. Vermutlich hatte der Sheriff auch die eine oder andere Leiche im Keller, über die er gelegentlich drüber stolperte. Calvin amüsierte das. Und es machte ihn neugierig auf den Mann, der mit ihm am Tisch sass und auf seine Frau wartete, die mit den Gläsern zurückkommen sollte.

Emily Clayton kehrte zurück. Mit Tee. Calvin wunderte sich zwar darüber, dass sie sich die Mühe gemacht hatte, zwei gestandenen Männern Tee anzubieten, obwohl die Whiskey-Flasche präsent auf der Mitte des Tisches stand, aber gleichzeitig belustigte es ihn, dass sich die kurvenreiche Frau um einen tadellosen Auftritt bemühte. Das taten die Frauen in seiner Gegenwart eher selten.
Er musste ihr aber zugestehen, dass sie als perfekte Ehe- und Hausfrau glänzte. Clayton hatte ein wahres Schmuckstück gefunden und Calvin verstand die Beweggründe dieses Mannes, warum er die Jüngere hatte heiraten wollen. Natürlich war sie eine Augenweide, schliesslich war sie hervorragend üppig gebaut. Aber sie repräsentierte Claytons Familie und das machte sie sehr gut. John Clayton alleine hätte sich niemals diesen Ruf erarbeiten können, den er mittlerweile besass, und der beinahe durchgängig positiv war. Jedenfalls hatte Calvin selten etwas Schlechtes über ihn gehört, und wenn, dann nur von Kerlen, die in den Genuss von Claytons Warnungen und Zellen gekommen waren.
Emily Clayton besass auch eine scharfe Beobachtungsgabe. Es mochte schon sein, dass sie naiv war, weil sie auch entsprechend erzogen worden war, aber man konnte ihre Wahrnehmung nicht absprechen. Calvin machte John Komplimente, die über die übliche Höflichkeit hinausgingen. Ausserdem sah er ihn auch entsprechend hingezogen an. Es war mal ein zu lang auf den Sheriff gerichteter Blick, ein freches Lächeln oder das angetane Funkeln in seinen Augen. All das verschwand, wenn er seinen Blick auf Emily richtete. Für sie hatte er Schabernack und ein typisches, männliches und unangenehmes Starren auf ihren Körper übrig. Aber dazwischen lag auch der eine oder andere anständige, freundschaftliche Blick. Und Belustigung. Die Dame amüsierte ihn – aber auf eine angenehme Art und Weise. Calvin hatte sie zuvor zwar mit ihrer Schiesskunst aufgezogen, aber darin war kein böser Spott gelegen. Er zog sie ja nur auf, weil ihm ihre Reaktion gefiel. Die war so herrlich weiblich.

Das Gespräch zwischen den Eheleuten fand Calvin genauso amüsant. Er grinste, lehnte sich entspannt zurück und blickte beide abwechselnd an. John wollte kein Bürgermeister werden, während Emily ihn am liebsten an diesem Posten sah. Selbstverständlich war das Amt des Bürgermeisters nicht ungefährlich, aber er musste sich nicht mehr mit Kriminellen anlegen, die gerne auch mal Rachegelüste hegten und nicht so friedlich wie Calvin waren!
Als Calvin dann in das Gespräch einbezogen wurde, weil John seiner Frau vorwarf, sich mit ihm verbündet zu haben, hob er überrascht seine Augenbrauen und deutete wortlos auf sich selbst. Dann verfolgte er mit grossen Augen, wie der Sheriff ihm erklärte, er solle froh sein, wenn Clayton noch länger das Amt ausübte, in dem er so gut war, weil ein anderer ihn bestimmt sofort vor einen Richter zog. Öhm, ja, da hatte er wohl recht… - Aber man konnte den Verlauf dieses Nachmittags ja so oder so sehen!
Also erzählte er eine andere Variante der Geschichte, die ein Richter nicht so ohne weiteres hätte ignorieren können. Auch bei einem anderen Sheriff nicht. Und als Bürgermeister konnte er doch ein Veto einlegen, dem sich der Sheriff doch auch fügen musste. Oder etwa nicht?

Clayton verlangte kurz darauf den Whiskey, was Calvin jubeln und leise auflachen liess. Er griff nach der Flasche und sah dann auf zu Emily, die ihm einen bitterbösen Blick zuwarf. Uh, gefährlich. Er grinste sie an, doch dann, als sie sich von ihm und auch von ihrem Mann abwandte, verflüchtigte sich das Grinsen.
"Hm, sie scheint wütend zu sein." Und traurig. Zumindest hatte Calvin das Gefühl gehabt, dass sie nicht nur Wut verspürt hatte. "Vielleicht sollten Sie sich das mit dem Bürgermeister doch einmal in aller Ruhe überlegen, Clayton. Es scheint Ihrer Gattin wichtig zu sein." Er öffnete die Flasche und führte einen ordentlichen Schluck in John Claytons Teetasse hinzu. Dasselbe tat er bei sich. Er hatte ja keine Ahnung, ob die Dame des Hauses nochmals zurückkehren würde.
"Was halten Sie davon, wenn ich Sie auf einen Spaziergang mitnehme? Bisschen Abstand zu den häuslichen Themen, eine andere Sicht auf die Dinge." Er grinste wieder. Darin war er selbst unglaublich schlecht. "Wir reden über dies und das. Ein Gespräch unter Männern. Ohne Frauen, ohne Verpflichtungen. Nur sie, ich und diese wunderschöne Flasche." Er präsentierte John den Whiskey, als würde er diesen ihm verkaufen wollen. Dabei grinste er ihn frech aber auch mit seiner typischen, zugetanen Art an.
Er wusste auch nicht, wieso, aber John Clayton war echt fesch. Der Mann gefiel ihm von Stunde zu Stunde besser. Und dessen Tochter, die unerfreuliche Dinge über ihren Vater verkündet hatte, war längst in Vergessenheit geraten.


RE: sick visit - John Clayton - 23.03.2025

"Da können Sie lange warten," knurrte John. "Die Zelle ist ja kein Hotelzimmer. Und sicher, ich weiß, Sie arbeiten viel und überall. Möglicherweise, weil Sie ihr Geld auch ständig überall und zu viel ausgeben," hakte er nach und sah Moreau herausfordernd an. "Wieso sonst hätten sie dem Mann die Reisetasche stehlen sollen?", John strich sich über die Wange und sah ein wenig müde der vielen Ereignisse der letzten Tage über seinen Vorgarten. "Na sehen Sie, das habe ich gemeint," fügte er hinzu, als Moreau selbst erwähnte, dass sein Geld nie reichte. Letztendlich war es John aber egal, mit was er sein Geld verdiente, wie er eine Flasche Whiskey bezahlte oder welcher Umstand ihn eines Tages wieder in die Zelle führte - denn er hatte es nicht in der Hand. Moreau dagegen schon.

Der Tee und Emilys Rückkehr unterbrachen ihre Unterhaltung, die dafür eine andere Wendung nahm und am Ende dazu führte, dass sich Emily äußerst entrüstet, ja gar verletzt von ihnen abwandte, um ins Haus zu eilen. John seufzte, als Moreau zu recht anmerkte, dass Emily wütend zu sein schien. "Darauf können Sie wetten," murrte John und rückte im Stuhl ein wenig nach oben. "Ich weiß nur nicht so genau, auf wen. Oder auf wen mehr. "Ich befürchte, das liegt weniger daran, als viel mehr an ihrer Flasche. Sie hält nicht so viel von Alkohol," und noch während er dies sagte, füllte Moreau seine Teetasse mit Whiskey. Er musste unweigerlich grinsen und den Kopf schütteln. So ging es natürlich auch. Am Ende warf Emily in der Küche die Gläser an die Wand, anstatt sie nach draußen zu bringen. Auch Moreau füllte sich die Tasse.
Dabei machte er einen Vorschlag, auf den hin John Moreau mit einem Blick ansah, der irgendwo zwischen „Sie sind verrückt“ und „Ich wünschte, ich wäre es auch“ pendelte. Der Gedanke, mit diesem Mann einen Spaziergang zu machen – freiwillig – schien ihm im ersten Moment so absurd, dass er beinahe laut gelacht hätte. Emily würde ihn dafür über Monate büßen lassen...
Stattdessen verengten sich seine Augen leicht, während er an seiner Teetasse nippte. Oder vielmehr an dem, was Moreau gerade aus ihr gemacht hatte.

„Ein Spaziergang also“, wiederholte er langsam, so, als müsste er das Wort erst auf der Zunge zergehen lassen, ehe er entschied, ob es ihm schmeckte. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, Moreau. Sie wirken wie jemand, der dabei auf Ideen kommt. Und ich bin heute nicht in der Laune, Ihre nächste Eingebung auszubaden.“

Er stellte die Tasse ab, leise, beinahe feierlich, als wolle er sie gleichzeitig verfluchen und segnen. Der Whiskey tat, was er tun sollte – er brannte, nicht nur in der Kehle, sondern auch in den Gedanken. Und genau das war gefährlich. Emily hatte ihn nicht umsonst verjagt. John hatte diesen Blick gesehen. Nicht den, den sie Moreau zuwarf – der war einfach nur giftig. Sondern den anderen. Den, der sagte: „Ich hatte Hoffnungen. Und du hast sie gerade mit einer Bestellung ruiniert.“ Er hätte sich dafür entschuldigen sollen. Vielleicht. Aber nicht vor Moreau. Und nicht jetzt. Noch nicht. Vielleicht später, wenn die Gläser gespült waren und die Fronten sich beruhigt hatten. Vielleicht.
Stattdessen wandte er sich an Moreau. Der grinste noch immer, mit dieser unmöglichen Mischung aus Charmeoffensive und gezielter Provokation, als hätte er sich vorgenommen, jeden Anstand bewusst zu ignorieren – einfach aus Prinzip.

„Sie wissen, dass meine Frau sie für den personifizierten Teufel hält, ja?“ fragte John trocken, die Brauen leicht hochgezogen. „Und ich bin mir nicht sicher, ob sie da nicht recht hat."