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sick visit - Calvin Moreau - 12.09.2024 "Oh, Johnny boy, oh, Johnny boy, get up because the world has left you lying on the ground..." In der halbleeren Flasche schlug der goldfarbene Whiskey bei jedem seiner Schritte ein paar Wellen. Calvin war nicht in Eile und doch sah man ihm an, dass er ein bestimmtes Ziel vor Augen hatte. An diesem frühen Abend war es zur Abwechslung mal nicht der Saloon. "You're my pride and my joy, oh Johnny boy, get up, my Johnny boy, because we all need you now." Sein melodiöser Gesang war leise, erinnerte mehr an ein an sich selbstgerichtetes Murmeln. Und es endete erst, als Calvin vor einer Haustür stehenblieb und das knarzende Holz unter seinen Stiefeln verstummte. Noch bevor er gegen das Türblatt klopfte, schob er seinen Hut ein Stück zurück, rieb sich über die Oberlippe und klopfte dann dagegen. Nicht polternd, nicht zu laut, aber auch nicht so zartbesaitet wie so manches Frauenhändchen. Nachdem man ihn am 31. August aus dem Gefängnis entlassen hatte, weil es absolut keinen Sinn machte, ihn länger als nötig einzusperren, war er so spät auf der Snowflake Ranch erschienen, dass er sich hatte verstecken und anschliessend eine Ausrede einfallen lassen müssen. Am Ende des Tages hatte er fünf Versionen seiner Abwesenheit in Umlauf gebracht und Alcott hatte zu seinem Glück an diesem Tag gar nicht bemerkt, dass er nicht da gewesen war. Zumindest hatte er nichts gehört und sie hatte ihn auch nicht wutentbrannt aufgesucht. Die Cowboys auf der Ranch waren mit seiner Unzuverlässigkeit bereits vertraut und Calvin war weder einer der tragenden Säulen der Ranch noch so wichtig, dass man sich länger mit ihm beschäftigen musste. Insofern hatte er einmal mehr mehr Glück als Verstand gehabt. Dies deutete Calvin jeweils als Zeichen dafür, dass irgendwo da oben im Himmel jemand auf ihn aufpasste. Gott vermutlich. Gott mit dem seltsamen Humor, den er für ihn offenbar übrighatte. Die nächsten Tage verbrachte er dann doch hauptsächlich mit Arbeiten, die auf der Snowflake Ranch so anfielen. Ausserdem hatte er Simones kennengelernt und den Knirpsen beim Bau eines Baumhauses geholfen. Nun ja, fertig war das noch nicht, aber Calvin konnte ja nicht immer blau machen. Irgendwann würde es Alcott auffallen und dann würde sie ihn in den Wind schiessen - oder in den Arsch. Das galt es natürlich zu vermeiden, denn abgesehen davon, dass er seinen Allerwertesten noch brauchte, war er auch ziemlich stolz auf ihn. Er war ansehnlich, wie er fand, auch in seinem Alter noch. Doch trotz der ausgefüllten Tage schwirrte ständig die Frage in seinem Kopf herum, wie es John Clayton mit seiner Schusswunde ergangen war. Hatte er sein Ohr behalten können? Hatte man es ihm abschneiden müssen? Also den Rest davon? Hörte er noch gut oder wurde er jetzt grausig greisig wie der alte Moyers, der so gut wie taub war? Calvin hätte sich überhaupt nicht mit Clayton beschäftigen müssen. Der Sheriff war nicht sein Freund, seine Frau seine moralische Gegnerin und die Tochter ein kluges, vorwitziges Mädchen, welches ihn trotz aller Versuche nicht hatte herauslassen wollen. Die Claytons hatten also eigentlich überhaupt nichts mit ihm am Hut und Calvin war vielleicht sogar besser dran, es so sein zu lassen. Aber das konnte er nicht. Er wollte wissen, wie es dem Sheriff ging. Und er wollte sich auch über das Gesicht von Emily Clayton amüsieren, wenn sie ihm gegenüber stand während kein Gitter sie voneinander trennte. Und, wenn es gut lief, würde er vielleicht erwähnen, wie schrecklich Gott es fand, dass alte Leute mit Lederriemen nach ihrem Nachwuchs schlugen. Aber ob er dieses Thema ansprach, wusste er noch nicht. Alcott war es schon nicht genehm, dass er sich bei ihr einmischte. Nur war sie anders als Clayton. Sie war... nun, sie hörte zu. Clayton dagegen würde vielleicht sauer werden und Calvin aus dem Haus werfen. Wenn er ihn überhaupt erst hineinliess! Die Tür wurde aufgezogen und Calvin stand so nahe zum Türrahmen, dass er in ein überraschtes Gesicht blickte. "Guten Abend." Mit seinem Zahnlückengrinsen hob er die Whiskeyflasche hoch und schüttelte sie kurz. "Hier ist der Krankenbesuch. Mit richtig guter Medizin." RE: sick visit - John Clayton - 03.10.2024 Grummelig und von Schmerzen geplagt, saß John in einem der Ohrensessel am kalten Kamin und versuchte sich auf die Zeitung zu konzentrieren. Allerdings gelang ihm das nicht, denn der Verband am Kopf juckte, kratzen durfte er sich jedoch nicht. Es war nur ein Streifschuss gewesen, aber einer, der es in sich gehabt hatte. Zu seinem Glück, wie Dr. Walcott meinte, wäre nichts wichtiges kaputt - er hörte noch hervorragend, aber auch nur, weil die Waffe hinter ihm und nicht direkt an seinem Ohr losgegangen war. Die Kugel hatte ihm die Haut am Ohr und an der Wange verbrannt und aufgerissen. Auch hier würde mit viel Glück nicht mal eine Narbe bleiben, weil die Wunde nicht tief gewesen sei. Nicht einmal genäht hatte Dr. Walcott. Trotzdem hatte ihn die ganze Sache seit einer Woche beeinträchtigt. Er hatte nicht zum Dienst antreten können, weil er den Kopf nicht beugen konnte, er war mehrfach in die Klinik marschiert, um den Verband zu wechseln und seine Laune war entsprechend im Keller. Selbstverständlich hatte Emily keine Schuld. Die Situation im Gefängnis war unübersichtlich gewesen und Moreau dabei auch ziemlich aufdringlich. Und trotzdem bekam sie seinen ganzen Unmut ab, weil sonst niemand im Haus war, der seine Launen freiwillig hätte ertragen wollen - mal war ihm kalt, dann wieder warm. Das Essen war zu salzig, mal fehlte ihm Salz. Es gab Suppe? Dann wollte er lieber Eier und Speck, die Zeitung ließ er sich hinter her tragen und wenn der Kleine von Hunger geplagt weinte, stöhnte er theatralisch und laut, als wäre es der Weltuntergang. Vielleicht ließ er Emily indirekt tatsächlich spüren, dass sie die Waffe abgefeuert hatte, auch wenn er es besser wusste und ihr auch schon mehrfach "angedroht" hatte, dass sie Schießübungen machen würden, sobald er wieder einigermaßen geradeaus schauen konnte - geradeaus ohne Schmerzen. Es ging nicht an, dass die Frau des Sheriffs nicht in der Lage war sich selbst zu verteidigen. Und falls jemals wieder eine ähnliche Situation eintreffen sollte, wollte John vorbeugen, dass sie ihn das nächste Mal aus versehen erschoss. Ein Klopfen an der Haustür ließ ihn mürrisch aufblicken, auf der Suche nach der Standuhr. Ganz schön spät für einen Besuch. Hoffentlich war es nicht ein überforderter Deputy? Ärger konnte er im Moment kaum vertragen. Sein Nervenkostüm war nicht mehr dasselbe, er spürte das Alter nun leider doch immer stärk. Und später Besuch verhieß nun einmal nie etwas gutes. Wer sollte auch schon vorbeisehen? Er hatte keine Freunde. Zumindest keine, die unangemeldet kamen. Emilys Damen trafen sich heute auch nicht, Cassidy war im Haus, soweit er wusste und Sophie war schon nach oben in ihr Zimmer gegangen. Timothy hatte er vor gut einer Stunde zu Bett gebracht und der jüngste Spross im Hause Clayton erhielt noch keinen Besuch. "Um Gottes Willen, Emily... schau nach," rief er Richtung Tür, wobei er gar nicht wusste, wo sich seine Frau gerade aufhielt? Putzte sie in der Küche? Kochte sie vor, stillte sie den Kleinen? Es war ihm einerlei. Oh es war ihm in seinem Schmerz so einerlei, dass es ihn nicht kümmerte. Es kümmerte ihn nur, dass er sich nicht in der Lage sah, selbst aufzustehen. Jetzt wo er gerade die Beine auf dem Schemel ausgestreckt hatte, den Hausmantel eng um sich gezogen, eine Tasse Tee neben sich und endlich beim Tagesgeschehen von Camden Village angekommen. "Und wenn es dienstlich ist," rief er dem Schatten seiner Frau zu, die hoffentlich zur Tür eilte. "Wimmel ab, wer auch immer vor der Tür steht!" RE: sick visit - Emily Clayton - 05.10.2024 Emily klapperte in der Küche eifrig mit ihrem Geschirr. Die kleine Frau plagte sich in der letzten Zeit noch mehr, um ihren Haushalt in perfekter Ordnung und vor allem ihren Gatten zufrieden zu halten. Ihre Bewegungen waren stets ein wenig fahrig, denn seit dem schrecklichen Ereignis, wie es die mollige Britin ausschließlich nannte, quälten sie Schuldgefühle. Gewiss, sie hatte nur getan, was John ihr gesagt hatte, und in gewisser Weise hätte man erwarten sollen, dass ein Haushaltsvorstand – und noch dazu ein Sheriff! – wusste, wie wenig eine Waffe in Frauenhände gehörte. Dass sie dort nichts zu suchen hatten, war ihnen beiden ja auch sehr schmerzhaft vor Augen geführt worden. Für John im wortwörtlichen Sinne schmerzhaft, für die bestürzte Emily eher im übertragenen. Sie war bereits halb überzeugt gewesen, dass sie unwillentlich zur Mörderin an ihrem eigenen Mann geworden sei, und auch nachdem Dr. Walcott ihr fest versichert hatte, dass John weder taub werden noch an einer Blutvergiftung oder am puren Blutverlust sterben würde, war sie selbst noch krank vor Sorge, und eben vor Scham. John hatte es sie durchaus spüren lassen, dass er litt – ach, und wie gern sie ihm die Schmerzen abgenommen hätte, die er ihrer Überzeugung nach pausenlos erdulden musste! Und Emily, die ihm ohnehin schon höchst ungern widersprach, hatte alle seine Launen stillschweigend hingenommen, in dem Bewusstsein, dass es ihre verdiente Buße für das Sakrileg war, das Leben ihres geliebten Mannes zu gefährden. Manche seiner Quengeleien zerrten zwar gehörig an ihren Nerven, doch ihr Gewissen ließ ihr keine Ruhe, auch im ehelichen Bett nicht. Im Moment wachte sie jede Nacht mehrmals auf, um erschrocken auf einen besonders tiefen Schnarcher oder ein leises Stöhnen Johns zu lauschen, bereit, jeden Moment aufzuspringen und im wehenden Nachthemd zum Haus des Doktors zu laufen, damit er ihren sterbenden Mann retten könnte. Bislang hatte sich jeder Seufzer als harmloses Zeichen eines bösen Traums, als ein Rumoren des allzu üppigen Bratens vom Vortag oder ähnliches erwiesen, denn die kleine Frau suchte ihre Schuld dadurch abzutragen, dass sie ihn ununterbrochen zu verwöhnen versuchte. Dennoch: Sie war nach wie vor davon überzeugt, dass sie aufzupassen hatte wie ein Schießhund, denn noch war seine Gesundheit nicht völlig wiederhergestellt. Manchmal schien er gar im Delirium zu reden, wie etwa wenn er immer wieder murmelte, er würde ihr das Schießen beibringen. Herrgott, er hatte doch am eigenen Leibe gespürt, dass das nichts gutes bringen konnte! Und sie verabscheute alle Pistolen und Gewehre und was es dieser grausigen Mordinstrumente mehr gab umso mehr. Dementsprechend fuhr sie auch sofort auf, als es laut an der Haustür klopfte. Die mollige Britin hatte ihre umfangreichen Röcke bereits mit beiden Händen gerafft und eilte, um zu öffnen, so schnell ihre Beine sie tragen, da hatte John noch kaum gerufen. "Ich bin schon unterwegs!", rief sie atemlos zurück. Er sollte sich nur schonen! Eilfertig trat sie an die Tür, atmete noch einmal tief durch und strich sich die Schürze mit einigen energischen Wischern über den Röcken glatt, zog den gestärkten Leinenstoff auch über ihrem üppigen Busen straff und hob das Kinn an, um möglichst resolut zu wirken. Jawohl, sie würde abwimmeln, wen auch immer die rücksichtslose Idee gepackt hatte, einen todkranken Mann zu so später Stunde stören zu wollen! Dann zog sie die Tür mit Schwung auf und begann: "Es tut mir sehr leid, aber mein Mann i--" Sie brach ab, blinzelte einige Male und wich dann unwillkürlich einen Schritt zurück. Ihr Blick fiel auf den unverschämten Burschen, der nicht ganz richtig im Kopf sein konnte und dem sie das ganze Unglück eigentlich erst verdankten. Dann saugte er sich an der Flasche fest, und Emily wurde erst blass, dann rot. Alkohol...! Einem vom Tode bedrohten Rekonvaleszenten, den sie mit viel Mühe und Liebe unermüdlich von diesem Teufelszeug abzubringen versuchte!!! "Siiiieee...!", brachte sie heraus und erstickte fast vor Empörung. "Wie können Sie sich wagen...!!!" Die kleine Frau schnappte nach Luft. Dann fuchtelte sie mit der Hand, als wollte sie eine lästige Mücke verjagen. "Unterstehen Sie sich, Sie... Sie... Sie verkommener Mensch!" Halbwegs zufrieden, dem verwahrlost wirkenden Tunichtgut ein solches Schimpfwort an den Kopf geschleudert zu haben, drehte sie den Kopf und rief, immer noch ganz Empörung: "Es ist diese unmögliche Person aus dem Gefängnis, John!" Wobei sie den ungebetenen Besucher nicht ganz aus den Augen ließ. Würde er sogleich vor Scham im Boden versinken, wie es jeder anständige Mensch täte? Sie hatte leider ihre Zweifel, weshalb sie ihren kleinen, aber rundlichen Körper deutlich als Hindernis in den Weg stellte. Der würde ihr nicht ins Haus kommen! RE: sick visit - Calvin Moreau - 15.10.2024 Es war Miss Clayton, die die knarrende Tür öffnete, und sehr höflich zu einem Abwimmeln ansetzte. Ihr Gesicht besass eine gesunde Röte, unter ihren Augen lag aber ein kleiner Schatten, der wohl der Anstrengung des heutigen Tages geschuldet war. Sie wirkte jedoch nicht erschöpft oder müde. So hatte sie auch im Gefängnis nicht gewirkt. Im Gegenteil. Calvin hatte sie als energiegeladene, herumwirbelnde kleine Frau mit einer sehr üppigen Oberweite in Erinnerung gehabt und genau so sah sie auch jetzt wieder aus. Offenbar war die junge Dame immer in Bewegung, so dass sie trotz ihrer geschnürten und gutsitzenden Kleidung die Blicke anderer Männer auf sich zog. Kein Wunder, sie besass schliesslich zwei herrliche Kissen, zwischen die sich Calvin nur zu gerne begeben würde. Aber er war nicht da, um sie zu ihrem sehr weiblichen Körper zu beglückwünschen und ihren Busen zu begaffen, sondern um nach dem Wohlbefinden des Sheriffs zu fragen. Wobei sich Calvin irgendwie sicher war, dass es ihm gar nicht so schlecht ging, wenn er neben Miss Clayton im Bett schlafen konnte. Sein kurzer Blick lag dennoch offensichtlich und interessiert auf ihren Brüsten, ehe er ihn anhob und Emily gutgelaunt ansah. Die zugeschraubte Whiskeyflasche in seiner Hand brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Statt ihn nämlich mit der äusserst wohltuenden Medizin hereinzubitten, verlor Miss Clayton die Fassung. Sie purzelte geradezu aus ihrem Gesicht. Dann wurde ihre Stimme schrill und Entsetzen kroch aus ihrem Mund. Hihi. Calvins Grinsen wurde noch breiter. "Was denn?", fragte er ahnungslos. Er war wirklich ein bisschen ahnungslos. Ihm war zwar bewusst, dass sie ihn nicht gerade wie einen engen Freund empfangen würde, aber mit so viel Unglauben in ihren Augen hatte er nicht gerechnet. Als würde ein Sünder auf ihrer Türschwelle stehen! Unerhört! Die Fuchtelei mit ihren Händen nahm er noch gelassen und grinsend hin, aber als sie ihn dann als verkommenen Menschen bezeichnete, stiegen seine Augenbrauen in die Höhe und der Arm mit der Whiskeyflasche sank nach unten. "Na, das ist jetzt aber nicht nett.", meinte er, immer noch mit einem viel zu belustigten Gesicht. Allerdings traf ihn diese Bezeichnung schon! Er war vielleicht kein grandioses Beispiel des Menschen, aber ihn als verkommen zu bezeichnen, war hart. Gegenüber ihrem Gemahl bezeichnete sie ihn dann aber als unmögliche Person. Nun ja, das konnte Calvin so stehen lassen. Er war schon eine kleine Unmöglichkeit. Aber von Scham spürte er nichts. Er war ja hier, um einen Besuch abzustatten und sich das löchrige oder abgeschossene Ohr anzusehen. Ihn interessierte es nämlich schon, wie kurios dieses nun aussah! Und davon abgesehen wollte er sehr gerne etwas mit John Clayton trinken – und er hatte auch nichts dagegen, wenn sich Emily dazugesellte. Sie war hier immerhin die Hausfrau und gehörte zum Sheriff. Calvin konnte ihn nicht alleine für sich haben, das war ihm klar. Kein Mann auf der Welt würde sich von so einem Busen trennen! "John?", rief er schliesslich ebenfalls ins Haus und über Emilys Kopf hinweg, nachdem sie geendet hatte. Vielleicht begriff der Sheriff so schneller, dass es eine gute Idee war, Calvin reinzulassen. "Ich bin hier, weil ich mich nach Ihnen erkundigen will, Sir! Ich habe nämlich gehört, dass auf Sie geschossen wurde." Mit einem viel zu breiten Grinsen blickte er hinab zu Emily und versteckte sein Amüsement kein bisschen. Es machte Spass, die kleine Frau daran zu erinnern, dass sie ein schiesswütiges Flintenweib war. Calvin würde sie fortan immer damit aufziehen. Zumindest bis jemand anderes etwas noch Grösseres anstellen würde. RE: sick visit - John Clayton - 28.10.2024 Gut! Sie hatte ihn gehört. John gab sich zufrieden, als Emily auf sein Rufen hin Antwort gab und sich um den späten Gast kümmern wollte. Er hatte noch immer keine Vorstellung davon, wer ausgerechnet jetzt an seiner Tür klopfte. Angespannt und neugierig lauschte er Richtung Tür, hörte Emilys emsigen Gang und dann die Tür. Doch ihre Stimme war nur ein Murmeln. Er vernahm jedoch, wie sie sich im Wort unterbrach, wohl überrascht vom Gast. Hoffentlich war es keine erneute Bedrohung! Kurz durchfuhr John bei diesem Gedanken, der mit unschönen Erinnerungen verknüpft war, eine Welle Adrenalin. Und er selbst, höchstpersönlich, in seiner grantigen Stimmung, hatte Emily an die Tür gescheucht! Dabei waren sie in Camden Village genauso wenig vor einem Verbrechen sicher, wie an anderen Orten. Das hatte die Vergangenheit gezeigt. Stöhnend, als hätte ihn der Schuss ins Bein oder in den Oberkörper getroffen, stemmte sich John aus dem Sessel. Besser er ging der Sache nach. Die empörte Stimme seiner Ehefrau, die auf einmal ertönte, ließ John mitten in der Bewegung innehalten. Nach einem Verbrecher klang das weniger. In diesem Fall hätte Emily hoffentlich um Hilfe gerufen, anstatt mit ihrer deutlich erbosten Stimme aufzubegehren. Trotzdem hielt es John für angebracht, nach dem Rechten zu sehen. Er hatte noch nicht die Hand nach dem Türknauf ausgestreckt, da erhob Emily ihre Stimme erneut, so dass John jedes Wort verstehen konnte. Die unmögliche Person aus dem Gefängnis? Da kamen ziemlich viele in Frage. Erst als John den Türknauf drehte, wurde er sich bewusst, dass Emily nur eine Person aus dem Gefängnis kannte, die in Frage kam - Moreau. Und in dem Moment, als er die Tür öffnete, drang auch schon die gefürchtete Stimme über den Flur zu ihm. Die Stimme die seinen Namen aussprach. Vertraut, unhöflich, ungefragt... John trat auf den Flur, mit seinem Blick Richtung Haustür, die Augen ein wenig zusammengekniffen, keineswegs besänftigt, als Moreau den Grund seines Besuches offenbarte, zog die Tür in den Salon mit einem Rums ins Schloss und trat hinter Emily. "Noch immer Sheriff Clayton für Sie," mahnte er den Mann streng und maß ihn mit einem Blick von oben bis unten, als traute er seinen Augen nicht. Dabei fiel der Blick etwas länger auf die Flasche, die er bei sich hatte. Whiskey? Whiskey und ein Anstandsbesuch? Okay, Moreau war eine Nervensäge und John hatte ihn an dem Morgen nach seiner Verhaftung nur zu gerne wieder frei gelassen, aber wenn er mit Whiskey kam... Trotzdem.... "Mr. Moreau, es ist sehr freundlich, dass sie vorbeischauen, aber wenn wir uns die Umstände einmal näher betrachten, die zu diesem Schuss geführt haben, wäre es vielleicht besser, sie... Sie kommen noch nicht einmal hier her." RE: sick visit - Emily Clayton - 01.11.2024 Emily war kurz davor, vor Empörung zu platzen. Da stand dieser unverschämte Kerl und grinste ihr unverfroren ins Gesicht! Und nicht nur das: Er starrte ihr ungeniert eine Handbreit unterhalb des Kinns auf die Bluse! Die mollige Frau lief rot an, doch das, was man als die Steine des Anstoßes hätte bezeichnen können, bewegte sich bei ihr leider in einer Größenordnung, die jedes dezente Verstecken zu einem hoffnungslosen Unterfangen machte. Ihr blieb also nur, Calvin einen bitterbösen Blick zuzuwerfen und besagte Körperpartie und deren hervorstechende Eigenschaften vornehm zu übergehen. Statt dessen strich sie sich noch einmal sehr energisch die Schürze über den Röcken glatt, was bei dem gestärkten Leinenstoff ein vernehmbares Rascheln verursachte, und reckte ihr Kinn erneut. "Nicht nett?!", wiederholte sie mit Stentorstimme. "Ich erinnere mich nicht, dass Sie mir Grund gegeben hätten, besonders zuvorkommend zu sein!" Ganz im Gegenteil – der Schurke war ihrem John gegenüber unverschämt gewesen, hatte sie selbst schon im Gefängnis nicht mit dem Respekt behandelt, der einer anständigen Lady und mitfühlenden Christin zukam, und schwenkte nun auch noch eine Flasche vor ihrer Nase, die ihn als Säufer entlarvte. Na, das hätte sie sich ja denken können! Statt jedoch vor ihrem gerechten Zorn zurückzuweichen, rief er einfach über die kleine Britin hinweg, als sei sie ein unmündiges Kind, und nannte John – ihren John! – auch noch in aller Öffentlichkeit beim Vornamen, als sei er ein Kindheitsfreund des Sheriffs oder der ein Saufkumpan von ihm! "Erlauben Sie mal...!", protestierte Emily mit hochrotem Kopf, wusste sich aber nicht recht zu helfen. Der Mann war leider allzu viel größer als sie gewachsen. Als er auch noch auf den schrecklichen Unfall mit dem Revolver anspielte, als sei das eine amüsante Anekdote, geriet der offenbar einzige Körperteil von ihr, der überhaupt seine Aufmerksamkeit erregte, in heftige Wallung: Emily atmete heftig ein, klappte den Mund auf und zu, unfähig, auf solche Impertinenz die rechte Antwort zu finden. Zu ihrer großen Erleichterung kam endlich John zu der Szene. Noch einmal schnaufte sie tief durch. Jetzt würde der Halunke sein blaues Wunder erleben, denn nun war der Herr des Hauses da – mit dem konnte er sich seine geschmacklosen Scherze nicht so ungestraft leisten wie mit einer wehrlosen Frau! Befriedigt über den rechtzeitigen Entlastungsangriff der Kavallerie stemmte sie beide Hände in die breiten Hüften und trat einen Schritt nach hinten, um ihrem Mann das Feld zu überlassen. In seinem Schutz fühlte sie sich auch sicher genug, dem Finsterling ein triumphierendes "Nun werden Sie die Antwort bekommen, die ich Ihnen schon gegeben hätte, wenn ich ein Mann wäre!" mit auf den Weg zu geben. Es war ein Pluspunkt für den Haussegen im Claytonschen Haushalt, dass sie den langen Blick Johns auf die Flasche nicht sah. Ein wenig irritiert und enttäuscht blinzelte sie ihn aber doch von der Seite an, als er den unverschämten Burschen für ihre Begriffe viel zu höflich abzuweisen versuchte. Bemüht, ihm den Ernst der Lage deutlich zu machen, ergriff sie seine Hand, schmiegte sich schutzsuchend an seine Seite, den erbosten Blick auf Moreau gerichtet, und sagte eindringlich: "Bitte sag ihm, dass er verschwinden soll, John – er macht mir Angst." Um die Wirkung zu maximieren, fügte sie nach einer unheilschwangeren Pause hinzu: "Er hat mich gerade eben unsittlich angestarrt...!" RE: sick visit - Calvin Moreau - 08.11.2024 "Das lag an den Umständen, Ma'am." Sein Grinsen wurde zu einem versöhnlichen Lächeln, welches weniger provokativ, aber immer noch deutlich amüsiert war. Aber was sprach schon dagegen? Calvin hatte gute Laune und er gehörte ohnehin nicht zu jenen Menschen, die lange nachtragend waren. Das erwartete er allerdings auch überaus gerne von seinem Umfeld, wenn es um ihn und seine Worte und Taten ging. "Ich gebe zu, hinter Gittern habe ich Sie ein wenig... bedrohlich empfunden. Schliesslich haben Sie eine halbe Stunde lang mit einer Pistole auf mich gezielt." Calvin zwinkerte. Es waren wenige Minuten gewesen, aber das spielte keine Rolle. Zeit war ohnehin ein sehr dehnbarer Begriff. Manche hatten Zeit, andere nicht. Dabei lief sie für jeden gleich schnell. Komische Sache. Das war auch mitunter ein Grund, warum Calvin keine Taschenuhr besass. Also das behauptete er. Eigentlich besass er nur deshalb keine, weil er sie gleich wieder bei einem Glücksspiel einsetzen und garantiert verlieren würde. Jedenfalls hatte Calvin nicht vor, die Frau des Hauses ernsthaft zu beleidigen oder sauer zu machen. Aber er genoss es sichtlich, sie aufzuziehen. Und anzusehen, aber das tat doch jeder Mann. Emily war jung, hübsch und sie hatte einiges fürs Auge zu bieten. Aber er war nicht hier, um sie um ihre Kleidung zu bringen, sondern um sich nach dem Sheriff zu erkundigen. Die graue Schnitte. Die Hausherrin war davon nicht besonders begeistert und Calvin wollte seine Chance am Schopfe packen, bevor die Tür vor seiner Nase zufiel und er ausgesperrt wurde. Also rief er gleich selbst nach John, ganz so, wie es seine Gemahlin eben auch tun würde. Vertraut und bittend. Dass sich Emily darüber empörte, registrierte Calvin und er schenkte ihr ein kleines Lachen. Süss war sie ja schon mit ihren empörten Pausbäckchen. Sheriff John Clayton tauchte dann im Eingangsbereich auf und zog Calvins Aufmerksamkeit sofort auf sich. Die Strenge in der Stimme des Älteren mochte er. Das klang nach Sicherheit und nach Dominanz. Das schien auch Emily zu sehen, denn sie positionierte sich rückenstärkend hinter ihrem Gemahl. Dabei brauchte sie sich überhaupt nicht zu verstecken, schliesslich war sie eine wehrhafte Frau, die Taten sprechen liess. Knallende Taten! Calvin blieb aber vorerst noch vor dem Türrahmen stehen. Er wollte nicht in ein Haus eindringen, um dann hochkant hinausgeworfen zu werden. Er war aufdringlich und belästigend, aber kein Einbrecher! Also heute jedenfalls nicht. Und selbst als Einbrecher konnte man ihn nicht bezeichnen, denn Calvin brach nur dort ein, wo eine Tür unverschlossen geblieben war und ihn zog mehr die Neugier in die Räume, die ihn nichts angingen, als irgendwelchen Schmuck, Geld oder Waffen. Da liess er doch lieber einen Reisekoffer mitgehen. Nun ja, oder auch nicht mehr. Erfolgreich war diese Tat nämlich nicht gewesen. Immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass er endlich ein paar Worte mit dem Sheriff hatte wechseln können. "Natürlich, Sheriff.", grinste er ihn an. "Ich kam nur Ihrer Frau zuvor. Frauen sollten nicht so viel herumschreien, das tut ihren Stimmen nicht gut. Irgendwann im Alter klingen sie sonst wie die letzten Büffel." Wieder ein kleiner Seitenhieb zu Emily, allerdings nur, weil es Spass machte. Ihre Empörung genoss Calvin sehr. Sie gehörte noch zu den anständigen Frauen vom alten Schlag. Jene, die die Welt nicht verändern wollten und die zufrieden mit ihrem Leben waren. Davon gab es nicht mehr all zu viele. Leider sprach Clayton keine Einladung ins Haus aus. Er wollte noch nicht einmal, dass Calvin gemeinsam mit ihm auf der Veranda Platz nahm. Von welchen Umständen er aber sprach und was diese genau mit Calvins Besuch zu tun hatten, verstand er nicht. "Keine falsche Bescheidenheit, Sheriff!" Calvin grinste wieder breit, hob die Flasche an und schüttelte sie wieder kurz. "Ich bin wirklich hier, weil ich nach Ihnen sehen wollte. Und Sie sehen fantastisch aus! Ich habe Sie mir ganz anders vorgestellt. Ohrloser irgendwie..." Er hob seine andere, freie Hand und kratzte sich selbst an seinem Ohr, wobei er den Hut auf seinem Kopf leicht verrutschte und den Sitz daraufhin wieder korrigieren musste. Diese Zeit nutzte Emily, um zu behaupten, sie hätte Angst vor ihm! Da er sich nicht vorstellen konnte, dass irgendwer in dieser Welt Angst vor ihm hatte, drehte er sich irritiert halb um. Aber da stand überhaupt keiner, den sie meinen konnte. Also sah er zurück und realisierte, dass sie ihn meinte, was ihn die Stirn runzeln liess. Wie? Was? "Ich habe Sie nicht angestarrt, Miss Clayton." Doch, hatte er. Aber nur auf einen Teil von ihr! Nicht sie im Ganzen! Das war ein Unterschied, wie er fand! "Aber es stimmt, ich habe Sie angesehen. Warum auch nicht? Sie sind doch keine Hässlichkeit." Sein Blick ging von ihr zurück zum Sheriff. "Trinken Sie ein Gläschen mit mir, Clayton. Sehen Sie es als... Entschuldigung an. Für den Aufwand, den Sie hatten. Ihre Frau kann gerne mittrinken. Und aufpassen." Bei seiner letzten Aussage ging sein Blick wieder zu ihr. Wieder eine kleine Provokation. Calvin bewegte sich auf dünnem Eis. Er wusste eigentlich, was bald passieren würde. Irgendwann, wenn es ihr zu viel wurde, würde sie die schwerste Bratpfanne holen, die Sie besass, und damit Calvin aus ihrem Haus jagen. Aber bis dahin war es äusserst reizvoll, der Besuch der Claytons zu sein. Doch abgesehen von all diesen spassigen Dingen lag tatsächlich eine ernste Absicht hinter dem Besuch, welchen sich Calvin selbst nicht so recht eingestehen oder in Worte fassen konnte. Er wollte ein Teil der städtischen Gemeinschaft werden und nicht nur der Handlanger von der Snowflake Ranch, der betrunkene Cowboy im Saloon oder die Ladenaushilfe bleiben, auch wenn er das alles selbstverständlich war. Oder die verbotene Sünde von Murphy. Er wollte hier ankommen. Er wollte, dass Clayton mit ihm auf der Strasse Worte wechselte, die nichts mit Calvins Taten zu tun hatten. Und er wollte nochmals in den Genuss des Essens von Emily kommen. Dass er all das falsch aufgleiste, war ihm zwar irgendwo bewusst, aber wie man es richtig machte, wusste er eben auch nicht. "Bitte. Sagen Sie nicht Nein." Er musterte den Sheriff und aus seinem Grinsen wurde ein Lächeln. "Haben Sie ein Herz für einen Mann wie mich!" Seine freie Hand landete auf seiner Brust. Dann wandte er sich an Emily. "Ausserdem bin ich absolut harmlos. Sie haben überhaupt nichts vor mir zu befürchten, Ma'am. Sie kennen nur eine Seite von mir aber ich habe noch andere. Bessere." Er wollte schon beinahe Maggie erwähnen, liess es aber. Maggie trieb sich schliesslich mit ihm herum und das war ja wohl Beweis genug, dass er kein schlimmer Mensch war, aber es war ihm selbst schon zu Ohren gekommen, dass sie dafür manchmal schief angeguckt wurde. Er wollte sie hier nicht in den Mittelpunkt rücken. RE: sick visit - John Clayton - 20.11.2024 John musste weder ein besonders einfühlsamer Mann sein, noch ein heller, wacher Beobachter, um sofort zu spüren, dass Emily sich in Gegenwart von Moreau nicht wohl fühlte. So rasch wie sie sich in seinen Schutz begab und seine Nähe suchte, sprang ihn Emilys Unwohlsein förmlich an. Er drückte kurz ihre Hand, einmal, nicht zu fest, nur so viel, dass sie spürte, dass er da war und sie gewiss nicht mit Moreau im Stich ließ. Seit der unglücklichen Begegnung von Emily mit dem Bandenanführer Walton an der eigenen Haustür war sie ohnehin mit Menschen an der Tür besonders vorsichtig. Moreau war natürlich kein rächender Bandenchef, der Blut geleckt hatte, sondern eine arme, verlorene Seele, die im Gefängnis gefallen an John persönlich gefunden hatte. John wusste allerdings nicht warum. Er war kein umgänglicher Mensch, er neigte zum Mürrisch sein, konnte aufbrausend und jähzornig werden und neigte auch nicht sonderlich zur Geschwätzigkeit. Er hatte bis heute keine Freundschaft im Ort geschlossen und wenn man seine Tochter gefragt hätte, wie sie ihren Vater charakterisieren würde, wäre sein Zeugnis dürftig ausgefallen. Und trotzdem stand Moreau grinsend mit einer Flasche Whiskey auf seiner Türschwelle und hoffte wohl darauf, dass er ihn hereinbat. Zwar mochte John in seinem Haus geachteter Patriarch sein, aber das letzte Wort hatte in vielen Bereichen noch immer Emily und er würde, wenn möglich, auch nie über ihren Kopf hinweg eine Entscheidung treffen, die ihr allzu sehr missfiel. Ihm war bewusst, dass das freche Gehabe von Moreau genauso Emilys Unmut auf sich zog, wie die Flasche in seiner Hand. John, der sich von dem Besuch seines ehemaligen Gefangenen wenig versprach, hatte doch kurz Hoffnung auf diese Flasche gelegt, denn seit Emily sich in den Kopf gesetzt hatte, dass ihr Gemahl Bürgermeister werden könnte, suchte und fand regelmäßig seine Geheimverstecke, um den Alkohol zu entsorgen. John war schon genötigt, sich einen Vorrat im Office anzulegen, damit er überhaupt den einen oder anderen Schluck genießen konnte. So gesehen, war er leichte Beute für Moreau. Das widerstrebte allerdings auch John, so dass er kurz zu Emily hinabblickte, die ihn gerade bat, Moreau dazu zu überreden, wieder zu gehen, weil er ihr Angst machte. Kurz kam ihm der Gedanke, es wäre für alle Beteiligten das Beste, wenn Moreau ging. Doch da war noch immer - der Whiskey. "Ich versuch mein Bestes," raunte er Emily zu und sah Moreau wieder an, der noch immer grinste und über Emilys Bemerkung hinweghörte und alles andere als höflich in ihrer Gegenwart von Frauen sprach. John seufzte. "Unter anderen Umständen würde ich das fast als höflich betrachten," murmelte er etwas geistesabwesend, weil er sich nicht sicher war, ob Moreau einfach nur frech war oder tatsächlich die ernste Absicht gehabt hatte, Emily einen Gefallen zu tun. "Taub bin ich trotzdem noch nicht," merkte er an. Wahrscheinlicher war es aber, dass sich Moreau nur wie üblich einen Spaß erlaubte. Von diesen Späßen hatte er zu genüge im Office erlebt. Und kaum wurde John etwas direkter, wie er diesen Besuch sah, wurde auch Moreau direkter und schüttelte äußerst verlockend die Flasche, um ihn dann wissen zu lassen, dass er sich nur von Johns Zustand ein Bild hatte machen wollen. Das war wiederum... irgendwie und irgendwo... nett. Das Kompliment über sein Aussehen ignorierte John dabei großzügig, einerseits weil er damit nichts anzufangen wusste, andererseits weil es ihm auch direkt peinlich war. Seine Hand ging an den Verband. "Ist noch alles dran. Vielen Dank für ihre Sorge," sagte John reserviert. "Ich hatte Glück. Nur ein Streifschuss. Wird eine Narbe," wie so viele, die er inzwischen hatte, seit er in diesen verfluchten Ort gekommen war. Die Ungeheuerlichkeit, die Emily dann enthüllte, entsetzte John, aber nicht Moreau. Der hatte gleich wieder eine Ausrede parat, der man zweifelsfrei glauben konnte aber genauso gut misstrauen durfte. "Eine verheiratete Frau, Moreau, schaut man genau nur hier her," John machte mit Zeigefinger und Mittelfinger eine Bewegung zu seinen Augen. "Hier her, verstanden? Und mit Komplimenten meiner Frau gegenüber nehmen Sie sich besser auch ein wenig in Acht." Mehr der Warnung sprach er nicht aus. Er fand, damit hatte er seinen Standpunkt ausreichend vertreten. Und zu mehr gab es auch gar keinen Raum, denn Moreau kam auf die Flasche zu sprechen und auf die eigene Hoffnung mit John gemeinsam ein Gläschen zu trinken. Als Entschädigung. Nein gar als Entschuldigung. Fast war John geneigt die gute Absicht zu honorieren, hätte Moreau nicht Emily zum Trinken eingeladen. John musste seinen Blick nicht erneut senken, er konnte sich die Entrüstung im Gesicht seiner Frau nur zu lebendig vorstellen. Gleichzeitig geriet er in große Not. Er konnte vor Moreau kaum den Eindruck erwecken, er stünde unter Emilys Fuchtel, wenn er seiner Frau und dem Familienfrieden zu liebe nun einen anständigen Drink ablehnte. Nahm er ihn jedoch an, würde er nach Moreaus Besuch die Hölle auf Erden erleben. Offiziell, so wollte es Emily, war John trocken. Sie wusste es nicht besser und sie sollte erst gar nie hinter sein Geheimnis kommen. Moreau bettelte derweil weiter und versuchte sogar Emily von sich zu überzeugen. John atmete tief ein, ehe ihm eine Idee kam. "Wissen Sie was, nehmen sie doch auf der Veranda Platz," er zeigte zu den beiden Schaukelstühlen mit Tischchen dazwischen. "Emily, bringst du uns zweimal Tee? Und ein Glas Wasser für mich und eine leeres für Mr. Moreau?" So lange seine Frau im Glauben weilte, er würde brav Tee und Wasser zu sich nehmen, würde sie ohne zu murren holen gehen, um was er sie gerade gebeten hatte. Und wenn er mit Moreau wieder alleine war würde er das Wasser rasch gegen Whiskey tauschen. Dummerweise hatte Moreau aber auch Emily dazu eingeladen und wenn seine Frau auf einen Plausch aus wäre, würde sie auch gerne verweilen... So klug war seine Idee also auch wieder nicht. RE: sick visit - Emily Clayton - 23.11.2024 Emily zog es vor, im Schutze ihres Mannes zu bleiben und den ungebetenen Besucher von dort aus empört anzufunkeln. Der Mann verunsicherte sie immer mehr, denn sie wusste langsam gar nicht mehr, was sie von ihm denken sollte: Im Gefängnis hatte sie ihn zunächst als armen, reuigen Sünder betrachtet und mit mütterlicher Fürsorge überhäufen wollen. Dass es mit der Reue bei diesem verstockten Kerl nicht weit her war, hatte sie brutal lernen müssen. Dann hatte er ihr mit seinem frechen und zudringlichen Verhalten Angst gemacht, denn insbesondere seit ihrer Entführung durch die Walton-Bande war es ihr eine stete Quelle der Furcht, begehrliche oder unzüchtige Blicke von Mannsleuten auf ihren hervorstechendsten weiblichen Merkmalen wahrzunehmen. Das gab ihr das unschöne Gefühl, so etwas wie eine Beute oder ein Freiwild zu sein. Und dass die bewussten Merkmale bei ihr nun einmal deutlicher hervorstachen als bei den meisten Frauen, das konnte man ihr doch nicht zum Vorwurf machen – nein, die mollige Britin bemühte sich ehrlich um ein allzeit sittsames Auftreten, das Männern keinen Grund gab. Nun ja, ihren John ausgenommen natürlich, der sie gelehrt hatte, welche Freuden es bedeuten konnte, wenn man im Interesse des einen Mannes stand, dem es erlaubt, ja, sogar geboten war, für Fruchtbarkeit und die Mehrung des menschlichen Geschlechts zu sorgen... Nun, einerlei: Nachdem er vom reuigen zum verstockten Sünder und von dem zum beängstigenden Wüstling avanciert war, machte er sie nun mit einer Mischung aus respektlosen Scherzen und versöhnlichen Worten wiederum irre. Vielleicht... Emily holte so tief Luft, dass sich Moreau die Anlässe für sein unverschämtes Starren unbeabsichtigt entgegen reckten, und schlug erschrocken die Hand vor den Mund. Sie trat noch einen halben Schritt hinter John und spähte ängstlich hinter seinem breiten Rücken hervor. "John", wisperte sie beklommen, "was, wenn der Mensch vollständig verrückt ist...?" Ein gefährlicher Irrer: einer, der sie in einem Moment freundlich anlachte, um ihr im nächsten schändliche Dinge anzutun, die ihre Ehre als Frau und ihre Seele auf ewig verletzen würden – um Himmels willen: Das war des Rätsels Lösung! Emily sackte das Herz in die nicht vorhandenen Hosen. Sie hatte Mühe, nicht mit den Zähnen zu klappern, denn eine Geistesstörung schien als Erklärung für das Verhalten dieses Mannes zu passen wie die Faust aufs Auge. Sie stand vor einem unberechenbaren Geisteskranken! "Sei vorsichtig, John!", bat sie mit gepresster Stimme und klammerte sich ohne nachzudenken am Unterarm ihres Mannes fest, womit sie seine Möglichkeiten stark einschränkte, sie zu beschützen. Starr vor Furcht – und vor Empörung – hörte sie den Tunichtgut eine freche Anspielung nach der anderen äußern, wobei er ihr immer wieder amüsiert wirkende, unverschämte Blicke zuwarf. Hier wäre normalerweise der Zeitpunkt gekommen, an dem sie lautstark protestiert und dem Mann eine Gardinenpredigt gehalten hätte. Aber bei einem gefährlichen Irren, der sich nicht an zivilisatorische Grundregeln wie etwa die Unantastbarkeit einer wehrlosen Frau hielt...? "Bessere Seiten... harmlos...", brachte sie mit einem Quieken heraus, als er sie wiederum direkt ansprach. Da bitte: Seine Dreistigkeit kannte keine Grenzen, er schien sich der himmelschreienden Lächerlichkeit solcher Worte nicht einmal bewusst! Ein Irrer, ein kompletter Irrer! Wieder klammerte sie sich fester an John. "Lass ihn nicht rein, John, bitte!", flüsterte sie und ließ den Blick nicht von dem Spitzbuben. "Was, wenn er bewaffnet ist und über mich herfällt?!" Dass die Flasche in der Hand des Finsterlings für ihren John, ihr Idol, ihren Beschützer trotz ihrer Bemühungen noch immer eine große Versuchung war, auf diesen Gedanken kam sie zu ihrem Unglück gar nicht. Sie war nur fixiert auf die üblen Erinnerungen an die Zeit ihrer Gefangenschaft. Wie die Banditen sie mit Blicken ausgezogen und sich in ihrem Beisein darüber unterhalten hatten, was sie mit ihr anstellen würden, bis sie endlich befreit worden war, gerade noch rechtzeitig, das verfolgte sie noch bis in ihren Träume. Und wie zur Bestätigung ihrer Befürchtungen stellte John nun eben auch fest, dass Moreau sich ihr gegenüber nicht anständig verhalten hatte, indem er ihr auf die... die Bluse starrte! Mit einem leisen Seufzer der Erleichterung bereitete sich Emily auf ein Donnerwetter vor, mit dem ihr John diesem Burschen verjagen würde, dass er die Beine nur so in die Hand nähme – da vernahm die völlig perplexe kleine Britin gänzlich andere Worte, an sie selbst gerichtet. "T-Tee...?!", echote sie ganz baff. "A-aber... aber... ja, John, sofort." Die Worte waren über ihre Lippen, ehe sie sich besonnen hatte. Emily war streng erzogen worden, das Ansehen der Familie über alles zu stellen. John als der Mann hatte die Autorität inne, die, zumindest nach außen hin, keinesfalls beschädigt werden durfte. Für eine gute Ehefrau gab es kein "Nein", wenn ihr Mann etwas sagte. Nicht außerhalb der eigenen vier Wände. Nichts wäre unschicklicher gewesen als den Eindruck zu erwecken, John sei nicht in allem derjenige, der das erste und das letzte Wort hatte. Sie hätte sich die Zunge abbeißen mögen, aber ihrem Mann Vorhaltungen zu machen, war im Beisein des Störenfrieds und noch zudem vor der Tür schlicht unmöglich. "Ja, John", wiederholte sie also noch einmal, hatte das Gefühl, eine fette Kröte schlucken zu müssen und raffte dann ohne einen weiteren Blick auf Moreau ihre Röcke mit einem energischen Rascheln, um in die Küche zu marschieren und den Tee aufzusetzen. Welche Demütigung – wie konnte John ihr das nur antun?! Emily schnaufte auf dem Weg leise, denn sie erstickte fast an dem Protest, den sie als brave Ehefrau nicht laut werden lassen durfte. RE: sick visit - Calvin Moreau - 30.11.2024 Sein Leben hatte ihm gelehrt, so viele Momente wie möglich zu geniessen. Er genoss den Alkohol, er genoss das Adrenalin, welches durch seine Adern schoss wann immer die Würfel oder das Kartenblatt zu seinen Gunsten fielen, und er genoss schöne Aussichten. Emily war eine schöne Aussicht. Was seine Blicke in ihr auslösten, wusste er jedoch nicht, und selbst wenn, wäre es ihm irgendwie egal. Er hatte zwar nicht vor, ihr Angst zu machen, denn das war ein unschönes Gefühl. Aber er war der Überzeugung, dass Gott sich etwas dabei gedacht hatte, Frauen mit anziehenden, reizvollen Merkmalen auszustatten. Emily Clayton gehörte nicht zu den dünnen, hageren Frauen, denen man schwere Arbeit oder ein schlimmes Schicksal (die Ehe) ansah. Im Gegenteil. Sie hatte ordentlich etwas zum anpacken, ihre Backen, die sich ein bisschen bei ihrer Empörung aufblähten, ihre einladenden Hüften und der sauertöpfische Blick, den sie ihm schenkte. Das war eine durchaus attraktive und amüsante Aussicht! Aber sie gehörte trotz allem nicht zu den möglichen Bettgenossinnen, denn Calvin sah keine Chance, sie irgendwie dazu zu verführen. Und wenn er ehrlich war, wollte er das auch gar nicht. Wenn sie das wollte, war das natürlich etwas anderes, aber er wusste, dass er diese einmalige Gelegenheit nicht überleben würde. Dazu reichte es, seinen Blick auf John zu richten. Dieser sah zwar im Moment äusserst harmlos, überrascht und doch auch angetan vom Besuch aus, aber Calvin konnte sich gut vorstellen, dass dieser Calvin am nächsten Tag am Galgen hängen liess. Er war eben ein Macher und kein Schwätzer. Aber John Clayton war trotz allem ein fairer Mann. Er behandelte Calvin gut. Nicht wie ein lästiges Ungeziefer, dass man treten konnte. Eher wie ein Sheriff, der er ja auch war, und der ganz genau wusste, dass Calvin nicht zu den bösen Jungs gehörte, die in der Nachbarschaft für Angst und Gewalt sorgten. Calvin mochte ihn einfach und er konnte nicht genau erläutern, warum er das tat. Er konnte allerdings genau sehen, dass die Frau des Sheriffs mit eben diesem flüsterte, und dass das Thema ihrer leisen Konversation Calvin war. Nun, das war einleuchtend, schliesslich gab es ja sonst gerade kein anderes Thema ausser ihn, der hier zu Besuch war und noch immer die Whisky-Flasche leeren wollte. Gemeinsam mit Clayton. Aber es sah so aus, als würde Miss Clayton ihren Mann nur äusserst ungern alleine mit Calvin lassen, so, wie sie sich an ihm festklammerte. Es konnte aber natürlich auch sein, dass ihr schlecht geworden war und sie sich deshalb an ihm festhielt. Das kam bei Frauen schon ab und zu vor. "Wissen Sie, Männer mit Narben sind die besten Geschichtenerzähler! Sie werden noch Ihren Ururenkeln davon erzählen, wie Sie heldenhaft die Kugel für mich abgefangen haben, damit ich noch ein paar Jährchen weiterleben durfte." Grinsend sah er das Paar Clayton an. "Und dabei können Sie auch noch voller Stolz behaupten, dass die Ururoma eine verdammt gute Schützin war." Calvin verstand seine Aussagen als Komplimente, Emily Clayton eher nicht und bei John wusste er es nicht so wirklich. Das galt dann leider auch für das weitere Kompliment, welches an Emilys attraktives Äusseres gerichtet war. Sie plusterte sich auf, er dagegen machte eine deutliche Fingergestik. "Selbstverständlich, Sheriff, Sir." Calvin grinste, nickte allerdings, um zu zeigen, dass er die Ermahnung verstanden hatte. Aber er gab da nicht viel drauf. Wieso auch? Er sah sich schöne Menschen gerne an! Auch ergraute! "Das liegt an meinem Interesse an Menschen und meiner Neugier. Ich mag Menschen, müssen Sie wissen. Und ich seh mir Menschen gerne an." Sein Blick ging zurück zu Emily, immer noch höchst amüsiert. "Ich bitte Sie um Verzeihung, Miss Clayton. Es war nicht meine Absicht, Ihre Weiblichkeit anzustarren. Es ist nur sehr schwer, sie zu ignorieren. Deshalb..." Er drehte den Kopf leicht zurück zu John, der sich sicher über diese Aussage ärgerte. "... bewundere ich künftig lieber den Sheriff. Er ist ein grossartiger Mann, der es noch weit bringen wird." Er sprach mit Emily über John, während er diesen nicht aus den Augen liess. All das erheiterte Calvin sehr, zumal er ja mittlerweile wusste, dass Emily aus ihm den neuen Bürgermeister machen wollte. Ein einflussreicher John Clayton als Freund zu haben, war nicht das Schlechteste in dieser Welt! "Aber Ja! Sie haben mich einfach nur noch nicht richtig kennengelernt, Miss." Jetzt sah er doch wieder zu ihr zurück, hielt sich aber an dem Gebot, nur in ihr Gesicht zu schauen. Das war gar nicht so einfach und er fragte sich, wie John das machte, wenn er mit ihr sprach. Vielleicht war Clayton aber auch kurzsichtig und sah gar nicht mehr so gut... - und beinahe hätte er auch sein Gehör eingebüsst! Das Leben als Sheriff war ganz schön gefährlich! "Es ist aber wirklich so, dass ich mit ernsten und freundlichen Absichten hergekommen bin. Ich könnte jetzt genauso gut im Saloon sitzen und mit irgendwelchen Leuten über langweilige Themen reden. Aber heute habe ich mir gesagt, dass ich Sie besuchen komme, weil ich wissen will, wie es Ihnen geht." John Clayton musste doch Einsicht haben! Der Spass, den Calvin an den Tag legte, war durchaus echt, aber sein Vorhaben war es eben auch. Er wollte tatsächlich ein wenig mit John plaudern. Und vielleicht mit seiner Ehefrau, falls sie dem Gespräch beiwohnen wollte, weil sie ihm misstraute. Sie würde schon noch erkennen, dass Calvin ein harmloser Mann war. Tatsächlich erreichten seine Beteuerungen den Sheriff. Er traf auf einmal eine Entscheidung, die Calvin die Freude ins Gesicht zauberte, was bedeutete, dass seine Mundwinkel furchtbar schnell in die Höhe und in die Breite gingen und er den Whisky anhob und nochmals schüttelte. "Wuhuu! So macht ein Mann das!", grinste er und sah sich auf der Veranda um, bevor er zu einem Stuhl lief, sich darauf niederliess und die Flasche auf den Tisch stellte. Er hörte gar nicht so genau zu, was die beiden Claytons noch miteinander sprachen, bekam aber mit, dass Emily mit raschelnden Röcken wieder ins Innere verschwand. "Ich muss zugeben, dass ich nicht erwartet habe, dass ich mich so ins Zeug legen muss, um mit Ihnen ein Gläschen zu trinken, Clayton." Grinsend sah er zu ihm auf. "Aber Sie tun mir damit wirklich einen Gefallen." Seine Finger spielten an der halbvollen Flasche herum und schoben diese dann in Claytons Richtung, wo sich der Sheriff platzierte. "Wussten Sie, dass Whisky die Tuberkulose heilt? Und vorbeugend gegen Hühneraugen ist? Hab ich erst letztens gehört. Ein wahres Wundermittel. Und dieser Whisky ist von McKays. Ehrlich erworben!" Nur noch nicht abbezahlt. |